Wir sind gemeinsam im Urlaub, als ich mich mit Theo und Paul zusammensetze. Beide sind 17 und meine Schulkollegen. Ich kenne sie gut genug, um zu wissen, dass sie beim Geldausgeben ziemlich unterschiedlich ticken. Genau deshalb will ich ausprobieren, was passiert, wenn beide mit demselben Budget einen Samstagabend planen müssen.
Die erste Aufgabe klingt noch einfach: Jeder bekommt gedanklich ein Budget von 50 Euro. Davon müssen sie Essen, Getränke, Fortgehen und die Heimfahrt bezahlen. Was übrig bleibt, dürfen sie behalten. Mehr verrate ich ihnen nicht. Theo und Paul wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich ihr Budget nach der ersten Runde auf 35 Euro und danach auf nur noch 20 Euro reduzieren werde.
Theo beginnt zu rechnen: 15 Euro fürs Essen, zehn Euro Eintritt, 15 Euro für Getränke und fünf Euro für die Heimfahrt. Fünf Euro bleiben übrig. „Ja, wenn man nicht komplett eskaliert“, sagt er auf meine Frage, ob ihm 50 Euro für den Abend reichen.
Paul geht anders an die Aufgabe heran. Er plant 15 Euro fürs Essen, fünf Euro fürs Fortgehen, zehn Euro für Getränke und fünf Euro für die Heimfahrt ein. 15 Euro bleiben übrig. Die will er gar nicht erst ausgeben. „Ich muss die 50 Euro ja nicht komplett ausgeben“, sagt er.
Schon bei derselben Ausgangslage entstehen damit zwei ziemlich unterschiedliche Abende. Erst als beide mit ihrem jeweiligen Abend zufrieden sind, erzähle ich ihnen, was ich bisher verschwiegen habe: Die 50 Euro gibt es nicht mehr.
Plötzlich fehlen 15 Euro
Erst jetzt verrate ich die zweite Runde: Ihr habt keine 50 Euro. Ihr habt nur 35.
Theo weiß sofort, wo er kürzt. „Dann esse ich vorher zu Hause.“ Das Essen gehen, für das er gerade noch 15 Euro eingeplant hat, fällt komplett weg. Zehn Euro bleiben für den Eintritt, 15 für Getränke, fünf für die Heimfahrt und fünf als Reserve.
Paul muss seinen Plan weniger stark verändern. Auch er würde wahrscheinlich zu Hause essen und außerdem Alkohol ganz streichen. Solange er seine Freunde sieht, sei der Abend für ihn deshalb nicht schlechter. Sein ursprünglicher Plan hilft ihm dabei: Von den 50 Euro wollte er ohnehin 15 sparen. Schon hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Theo versucht zunächst, seinen Clubabend zu retten. Paul hat von Anfang an Geld eingeplant, das er gar nicht ausgeben möchte.
Und jetzt habt ihr nur noch 20 Euro
Dann kommt die dritte Runde. Wieder fehlen 15 Euro. Von den ursprünglichen 50 bleiben nur noch 20.
Jetzt verändert sich Theos Abend komplett. „Dann würde ich wahrscheinlich gar nicht mehr in einen Club gehen. Vielleicht etwas trinken und Freunde privat treffen.“ Aus Essen, Club, Getränken und Heimfahrt wird innerhalb weniger Minuten ein privates Treffen.
Theo überrascht das selbst: „Zwischen 50 und 35 geht es noch. Bei 20 ändert sich eigentlich der ganze Abend.“
Paul bleibt auch bei 20 Euro sparsamer. „Ich würde vorher zu Hause essen und dann Freunde treffen. Vielleicht gebe ich zehn Euro aus und behalte zehn.“ Einen Clubbesuch würde er dafür nicht bezahlen. Vielleicht ein Getränk, mehr braucht er für seinen Abend nicht.
„Manchmal sagt man lieber, keine Lust zu haben“
Bis hierhin spielen wir nur mit einem erfundenen Budget. Dann frage ich beide nach ihrem echten Leben. Theo gibt an einem normalen Wochenende ungefähr 40 bis 60 Euro aus, Paul eher 20 bis 40 Euro. Beide haben schon einmal einen Plan abgesagt, weil er ihnen zu teuer war.
Theo sagt den wirklichen Grund dabei nicht immer. „Manchmal sagt man lieber, dass man keine Lust hat.“ Besonders schwierig wird es, wenn alle anderen mitgehen. „Wenn alle mitgehen, will man nicht der Einzige sein, der wegen Geld absagt.“
Auch Paul kennt diesen finanziellen Gruppendruck, besonders in größeren Gruppen. Er spricht allerdings eher offen darüber, wenn ihm etwas zu teuer ist.
Für den einen viel, für den anderen wenig
Auch 50 Euro bewerten die beiden völlig unterschiedlich. „Für einen ganzen Abend leider nicht mehr besonders viel“, sagt Theo. Für seinen perfekten Samstag würde er ungefähr 70 Euro einplanen. Paul findet dagegen bereits 50 Euro viel Geld für einen Abend. Mehr bräuchte er für seinen perfekten Samstag auch nicht.
Das passt zu den aktuellen Zahlen des AK-Jugendmonitors 2026. 58 Prozent der befragten jungen Menschen fühlen sich durch hohe Lebensmittelpreise stark belastet, 57 Prozent haben Freizeitaktivitäten aus Kostengründen eingeschränkt. Auch Theo und Paul nennen Essen als einen Bereich, in dem sie die höheren Kosten besonders merken. Theo spart deshalb etwa beim Essen unterwegs, Paul bei kleinen Ausgaben, die er nicht wirklich braucht.
Was von 50 Euro übrig bleibt
Zum Schluss stelle ich beiden dieselbe Frage: Wenn von eurem ursprünglichen 50-Euro-Abend nur eine Sache übrig bleiben dürfte, welche wäre es?
Paul antwortet: „Das Treffen mit meinen Freunden. Dafür brauche ich eigentlich weder einen Club noch 50 Euro.“
Theo hat wenige Minuten zuvor noch 15 Euro fürs Essen, zehn für den Club und 15 für Getränke verteilt. Bei 35 Euro streicht er das Essen, bei 20 auch den Club. Von seinem ursprünglichen Plan bleibt schließlich dieselbe Sache wie bei Paul übrig.
„Meine Freunde. Ob wir dabei in einem Club sind oder einfach irgendwo zusammensitzen, wäre mir eigentlich egal.“
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