Panorama Steiermark Meinung

Ein alter Mann, ein Kind und zwei Nachbarn zeigen mir, wie es ist, wenn die Zeit stillsteht

· BRG Oeverseegasse
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10.05.2026
2 Min.

Drei alltägliche Begegnungen an der Supermarktkasse, im Bus und im Innenhof können viel über uns Menschen aussagen.

Ein stiller Moment, der nur wenige Sekunden dauert und doch das Gefühl gibt, nicht ganz allein zu sein. (Foto: shutterstock)

Der Mann an der Supermarktkasse

Es ist später Nachmittag, der Supermarkt fast leer, aber trotzdem irgendwie laut. Einkaufswagen quietschen, ein Scanner piept immer wieder im gleichen Rhythmus.

Vor mir steht ein älterer Mann. Auf dem Band liegen nur drei Dinge: eine Banane, Katzenfutter und eine Zeitung.

Während er wartet, kontrolliert er ständig seine Taschen. Erst links, dann rechts, dann innen in der Jacke. Immer wieder dieselbe Bewegung, als hätte er Angst, sein Geld könnte plötzlich verschwinden.

Hinter ihm wird die Stimmung langsam unruhig.

Jemand seufzt. Ein Mann schaut demonstrativ auf die Uhr.

Als der ältere Mann endlich bezahlen soll, findet er sein Geld sofort. Trotzdem wird er plötzlich hektisch. Münzen fallen ihm aus der Hand und rollen unter das Regal neben der Kasse.

„Kein Stress“, sagt die Kassiererin ruhig.

Aber genau dadurch wirkt er noch nervöser.

Er bückt sich langsam nach den Münzen, steht wieder auf und entschuldigt sich leise, obwohl eigentlich niemand etwas gesagt hat.

Als er den Supermarkt verlässt, ragt die Banane halb aus seiner Manteltasche.

Das Mädchen im Bus

Draußen regnet es leicht. Die Fenster des Busses sind beschlagen, und die Stadt dahinter verschwimmt zu grauen Lichtern und Schatten.

Fast alle Fahrgäste schauen auf ihre Handys oder einfach still aus dem Fenster. Niemand spricht. Dann steigt ein kleines Mädchen mit seiner Mutter ein und setzt sich direkt ans Fenster. Sofort beginnt sie, mit dem Finger in die beschlagene Scheibe zu zeichnen. Erst einen Kreis, dann ein Gesicht, danach Sterne. Nach wenigen Sekunden verschwinden die Linien wieder unter neuer Feuchtigkeit.

Das Mädchen beginnt einfach erneut. Eine Frau gegenüber lächelt kurz. Ein Mann hebt den Blick von seinem Handy und beobachtet sie für einen Moment.

Das Mädchen selbst bemerkt davon nichts. Sie konzentriert sich nur auf ihre Zeichnungen, die immer wieder verschwinden.

Für einen kurzen Augenblick wirkt der ganze Bus weniger still.

Die zwei Nachbarn im Innenhof

Es ist Abend. Durch die offenen Fenster hört man Fernseher, Geschirr und irgendwo einen bellenden Hund.

Im Innenhof treffen sich zwei Nachbarn bei den Mülltonnen. Beide tragen Müllsäcke in der Hand, beide wirken müde vom Tag.

„Na?“, sagt der eine.

„Na?“, antwortet der andere.

Danach schweigen beide.

Trotzdem gehen sie nicht sofort weiter. Sie bleiben kurz nebeneinander stehen, als müsste noch etwas gesagt werden.

Nach einigen Sekunden sagt einer:

„Ganz schön warm geworden.“

Der andere nickt langsam.

„Ja.“

Mehr sagen sie nicht.

Dann werfen beide ihren Müll weg und verschwinden wieder durch unterschiedliche Türen im Haus.

Der ganze Moment dauert vielleicht zwanzig Sekunden. Und trotzdem wirkt es, als hätte niemand für diesen kurzen Augenblick allein sein wollen.

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