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„Ehrlichkeit ist das Wichtigste“: ein campus a college-Interview mit Ö3-Anchor Philipp Hansa

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Volontär · Wiedner Gymnasium
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25.11.2025
6 Min.

Er ist die bekannteste Radiostimme Österreichs: Philipp Hansa weckt jeden Morgen hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher. Ich traf ihn in der Ö 3-Redaktion am Wiener Küniglberg zum campus a college-Interview über seinen Weg zum Radio, Aufstehen um 3 Uhr morgens und alles, was wir von ihm lernen können.

Vom Traum vom Fußballplatz zum Mikrofon. Philipp über frühe Wecker, echte Emotionen und warum im Radio nur Ehrlichkeit zählt. (Foto: Amin Zaazou)

campus a college. Wann musst du morgens aufstehen?

Philipp: Ich stehe gegen 3 Uhr auf, wenn ich länger schlafen will, um 3.05 Uhr. Da bin ich dann schon richtig frech.

campus a college. Wie motivierst du dich für den Tag?

Philipp: Ehrlichkeit ist das Allerwichtigste. Ich bin nicht immer gut gelaunt. Mir geht es da wie allen. An manchen Tagen bin ich unglaublich motiviert, an anderen weniger. Radio kann nur überleben, wenn wir authentisch und ehrlich sind, glaube ich. Deshalb kann ich auch sagen: Hey, heute brauche ich ein bisschen. Vor allem in der ersten Stunde, gegen fünf, kann es jeder nachvollziehen, dass mal jemand müde ist.

campus a college. Erinnerst du dich an den Moment, als dir klar wurde: Ich will zum Radio!

Philipp: Bei mir gab es eigentlich zunächst gar nicht diesen „Traum“. Ich wollte Fußballer werden. Bei einem Probetraining bei Sturm Graz war ich aber nicht gut genug. Ich hatte auch ein wenig Angst vor Kopfbällen.

campus a college. Wie fing es mit dem Moderieren an?

Philipp: Ich war schon drei Jahren bei Ö3, als ich zum ersten Mal moderiert habe. Ich kann das, habe ich gemerkt. Anfangs ist man noch in der „Findungs-“ beziehungsweise „Ich-will-mich-beweisen“-Phase. Nach elf Jahren Ö3-Wecker bin ich jetzt mehr in der „Bestätigungs“-Phase. Ich bestätige, dass mir das alles Freude bereitet und hoffentlich auch den Hörern.

campus a college Redakteur im Gespräch mit Philipp Hansa

Amin Zaazou


campus a college. Erinnerst du dich an eine lustige oder besonders unangenehme Situation?

Philipp: Lustig sind immer die Versprecher. Ich hatte mal einen Lukas aus Heiligenbrunn. Im Eifer des Gefechts habe ihn dann aber „Lukas aus Heiligenbrunz“ genannt. Das andere war eine unangenehme Situation in London. Ich habe die Schauspielerin Jennifer Lawrence interviewt. Als sie das Mikrofon sah, meinte sie: No, sorry. I don’t do this. Ich war verblüfft. I don’t feel so well, sagte sie. Sie war dann einsilbig, was im Radio wenig bringt. I don’t know, antwortete sie bloß auf eine meiner Schlüsselfragen über den Film. Das war leider schon unangenehm.

campus a college. Was macht für dich eine gute Radiosendung aus?

Philipp: Das Wichtigste ist, als Moderator mit den Menschen zu reden und nicht zu ihnen. Bei der Zeit im Bild, reden sie zu den Menschen. Das Radio redet mit den Menschen. Das Format ist anders. Wir können einfühlsam, lustig, oder unterhaltend sein. Das Wichtigste ist die Nähe zu den Leuten. Wir beziehen unsere Hörerinnen und Hörer in die Sendung ein, über Telefon und Nachrichten.

campus a college. Morgens spielst du ja gerne mit deinen Hörerinnen und Hörern. „Hansa fehlen die Worte“, sagst du dann. Passiert das auch privat?

Philipp: Als Radiomoderator hast du immer etwas zu sagen. Du hast ja zu jedem Thema eine Meinung und in dem Job hast du es in dir, sie preisgeben zu wollen, auch wenn sie nicht sehr bereichernd für die Hörer ist. Manchmal wär’s da besser, wenn mir öfter die Worte fehlen würden. Im Privatleben gibt es das natürlich auch.

campus a college. Was machst du, wenn du mal einen ganz schlechten Tag hast, aber trotzdem live moderieren musst?

Philipp: Off-Air kann man dann sagen: Hey Leute, ich bin extrem müde, gestern gab’s ein paar private Geschichten, die ich erst einmal verarbeiten muss. Wenn wir unseren Hörerinnen und Hörern also sagen: Reden hilft, dann gilt das auch für uns. Ich kann immer mit meinen Freunden reden, denn die arbeiten glücklicherweise auch hier.

campus a college. Und On-Air?

Philipp: Vorgestern habe ich die Sendung begonnen mit: Jetzt rede ich mal gar nichts. Eine Hörerin hat das gehört und war erleichtert, dass es auch jemand anderem wie ihr geht. In einer perfekten Radiowelt wäre so eine Aussage allerdings nicht so super. Früher hätten wir auch gesagt: Lass das weg, das ist eine negative Emotion. Ich sage, es ist die ehrliche. Und wenn jeder im Radio super drauf ist und alle glücklich sind, glaube ich das nicht. Übrigens habe ich auch einen TED-Talk zum Thema Ehrlichkeit gehalten, kann man sich durchaus anhören.

campus a college: Dieses Jahr bist du wieder beim „Ö3-Weihnachtswunder“ dabei.

Philipp: Ich verrate euch jetzt etwas, was ich eigentlich nicht erzählen dürfte, denn es ist exklusiv. Also: ich freue mich auf jeden Fall auf Salzburg und die Menschen vor Ort. Anfang Dezember werden wir das Line-Up veröffentlichen. Ich habe schon ein paar Namen gehört, die absolute Headliner sein werden. Deshalb kann ich sagen: Das wird großartig!

campus a college. Du machst oft Challenges mit deinen Kolleginnen und Kollegen. Was war das Absurdeste, das dir je passiert ist, beziehungsweise die schlimmste Strafe?

Philipp: Wir hatten ein Seifenkisten-Rennen, in einem Maisfeld. Das war in der „Hometown“ meiner Kollegin Gabi. Sie ist da hineingestrampelt, als wäre das nichts. Sie hat es mit Leichtigkeit gewonnen. Es kann sein, dass sie ein wenig Elektro-Unterstützung hatte, aber ich will ihr nichts unterstellen. Darauffolgend musste ich während des Weckers ein 1.000-Teile-Puzzle lösen. Die schlimmste Strafe war aber ein GAK-Tattoo. Zum Glück war das nur ein Henna-Tattoo. Ich lasse mir kein echtes Tattoo als Strafe stechen! (Lachen)

campus a college Redakteure mit Phillip Hansa und Gabi Hiller

Amin Zaazou


campus a college. Jetzt kommt unsere abschließende, aber vielleicht auch wichtigste Frage. Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die später einmal im Radio arbeiten möchten, oder eben ihren Weg in der Moderation finden wollen?

Philipp: Ehrlichkeit steht über allem. Man muss erst herausfinden, wer man selbst ist, was man im Leben will. Man darf es nicht überstürzen. Mein ehemaliger Chef hat mir gesagt, ich müsse erst Kilometer sammeln, bevor ich ein guter Radiomoderator werde. Damit meint er tatsächlich älter werden. Man wird scheitern, man wird Fehler machen, man wird nach Hause gehen und sich denken: Oh mein Gott, was war das denn für eine Sendung? Ich war komplett unauthentisch heute. Aber diese Sendungen sorgen letzten Endes dafür, dass man auf lange Sicht ein guter Moderator, eine gute Moderatorin werden kann. Die schlechten, enttäuschenden Momente muss man annehmen.

campus a college. Wie übersteht man den Anfang?

Philipp: Am Anfang denkt man sich: Oh Gott, das ist das Schwerste. Wenn du dich scheiße fühlst, und wenn du eine schlechte Moderation gemacht hast, dann ist das kein gutes Gefühl. Aber dieses schlechte Gefühl umzumünzen in gute Arbeit, ich glaube, das ist dann das, was einen guten Radiomoderator ausmacht. Jede Emotion ist erlaubt. Egal zu welchem Zeitpunkt. Und die dann auch rauszulassen. Ich glaube, Ehrlichkeit und sich so zu zeigen, wie man ist, das macht einen guten Radiomoderator aus.

Philipp Hansa umarmt campus a college Redakteur

Amin Zaazou


campus a college. Vielen Dank! Aber bevor wir nun endgültig am Ende sind, eine schnelle, kleine „This-or-That“-Runde. Bist du bereit?

Philipp: Auf jeden Fall. Starten wir!

Kaffee oder Tee?Kaffee

Hund oder Katze?Katze

Film oder Musik?Film

Radio oder TV?Radio

Sturm Graz oder GAK? Sturm Graz natürlich! Da ist keine andere Antwort zulässig.

campus a college. Vielen Dank für das Interview und deine Zeit!

Philipp: Gerne!

Damit endet ein lehrreiches Gespräch über Authentizität, Hintergründe und die wichtigste Zutat im Radio: Ehrlichkeit.


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