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Dünnes Eis: Zwischen Humor und Ausgrenzung

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TOP 25 Autorin
Volontärin · BHAK Lienz
18.08.2026
3 Min.

Für die einen lustig, für die anderen einfach nur gemein – wo hört ein Witz auf und startet gezieltes Mobbing?

Nur ein Witz? Worüber wir leichtfertig lachen, kann andere verletzen. (Foto: Shutterstock)

Als ich von meinem erholsamen Mittagsschlaf aufwache, greife ich wie immer zuerst zu meinem Handy. Ich sehe acht neue Nachrichten in meiner Klassengruppe – wird wohl wieder mal ein lustiges TikTok sein... Es kommt ein ganz komisches Gefühl in mir auf, sobald ich den Chat öffne und ein „Meme“ sehe. Erkennbar ist ein Bild, das Symbole aus der Zeit des Nationalsozialismus verwendet, um Juden zu verspotten und den Holocaust ins Lächerliche zu ziehen. Einige haben Lachemojis gesendet, weitere Totenkopf-Emojis. Ich denke an David, der selbst Jude ist. Wie er sich wohl gerade fühlt? (Zu seinem Schutz verwende ich einen anderen Namen.)

Wo endet Humor und beginnt Mobbing?

Oft sind es nur kleinere Bilder, Sticker oder Wörter, aber für bestimmte Menschen kann so etwas unfassbar verletzend sein. Oft werden solche Dinge nicht unbedingt verschickt, um jemanden zu beleidigen, eher ist es der Wunsch, cool zu wirken oder der generelle Gruppenzwang. Ebenso zeigt das nur, wie schlecht sie sich die jeweiligen Jugendlichen mit dem Thema Antisemitismus auskennen.

Meiner Meinung nach ist Humor wichtig, solange er nicht auf die Kosten anderer geht. Sobald eine Menschengruppe oder auch eine einzelne Person in einem Witz beleidigt wird, hört für mich der Spaß auf.

Bei Humor sollten alle Beteiligten lachen können, nur so erfüllt er seinen Zweck. Und wenn man bei einem Witz die Menschen falsch einschätzt, er einfach gerade unpassend ist und jemand sagt: „Bitte hört auf damit“, dann SOFORT aufhören. Leider gibt es nämlich zu oft noch kleine „lustige“ Sticheleien hinterher, die verletzend sein können und sogar so weit führen, dass sich Betroffene selbst Schaden zufügt. Also passt mit euren Wörtern auf, ihr wisst nie, wie sehr sie sich das Gegenüber zu Herzen nimmt.

Was tun, wenn du antisemitische "Witze" in deiner Klassengruppe siehst?

Der allererste und wichtigste Schritt ist, selbst nicht mitzulachen oder den Beitrag weiterzuleiten. Denn ja, als mir so etwas Ähnliches passiert ist, hatte ich auch Angst, wenn ich etwas dagegen schreibe, selbst zum Opfer zu werden. Aber auch Wegschauen führt oft dazu, dass sich Hass weiter verbreitet.

Unfassbar wichtig finde ich auch, der betroffenen Person privat zu schreiben. So zeigt man ihm oder ihr, dass nicht alle gegen sie beziehungsweise ihn sind und dieses Verhalten tolerieren. Oft hilft so etwas schon, dass sich die Person etwas besser und mehr gesehen fühlt.

Ebenso kannst du auch immer eine Vertrauensperson über ungerechtes Verhalten informieren. Ich meine nicht „petzen“, aber einfach mal vielleicht deiner Mutter erzählen, denn eigentlich weiß Mama ja immer, was zu tun ist, oder nicht?

Es macht auch Sinn, den Chatverlauf zu screenshotten, falls zu einem späteren Zeitpunkt mal Aussage gegen Aussage stehen würde.

Ist „War doch nur ein Spaß“ eine Entschuldigung?

Ja, vielleicht sollte es wirklich nur ein Spaß sein, aber das ist keine Ausrede. Nach so einer Aktion muss eine echte Entschuldigung her, ein ehrliches Gespräch unter vier Augen. Das Allerwichtigste ist jedoch, dass sich sowas nicht wiederholt, denn eine Entschuldigung ohne echte Verhaltensänderung ist wertlos.

In diesem Fall muss ich an die TikTokerin „Geparke“ (Weronika) denken, als sie und „Ehrenmannrius“ eine Schwangerschaft von ihr vortäuschten. Es hat zwar nichts mit Antisemitismus zu tun, aber es ist das gleiche Prinzip. Wenige Tage später sagte sie, dass sie nicht mehr schwanger sei, doch das war alles inszeniert und der Entschuldigungsgrund war so etwas wie: „Das war doch nur Spaß und alles nicht ernst gemeint“. Die Vortäuschung einer Schwangerschaft kann jedoch andere Menschen verletzen, zum Beispiel jene, die keine Kinder bekommen können und solche Influencer nutzen das als „Spaß“ und Promo aus.

Interview einer Betroffenen

Eine gute Freundin von mir wurde in der Hauptschule gemobbt, auch via Klassenchat. Ich habe mit ihr über das Vorgefallene gesprochen und Folgendes möchte sie allen von euch mitgeben: „Wenn ihr selbst mal in so einer Situation seid, lasst das Schlechte in anderen nicht das Gute in euch zerstören. Im Moment scheint es so, als würde es keinen Ausweg geben, aber wie oft habt ihr schon etwas gemeistert, was ihr kurz zuvor nicht gedacht habt? Gebt nicht auf, haltet euch an den Menschen, Tieren oder Erinnerungen fest, die euch glücklich machen. Ihr seid stärker, als ihr denkt!“



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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Kronen Zeitung.

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