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Drei Monate länger beim Bundesheer

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
27.07.2026
3 Min.

Die Regierung hat sich heute auf eine Reform des Wehrdiensts geeinigt. Ab 2027 dauert der Grundwehrdienst sechs plus drei Monate, der Zivildienst neun plus zwei. Dafür gibt es erstmals Urlaub und mehr Geld. Für alle jungen Männer, die gerade in der Schule sitzen und bald zur Stellung müssen, ändert sich damit einiges. Ein Überblick über das, was kommt.

Neun statt sechs Monate: Ab 2027 wird der Grundwehrdienst länger, dafür gibt es erstmals Urlaub und 1.000 Euro im Monat. (Foto: dimitrisvetsikas1969)

Für die meisten Burschen in der Oberstufe ist die Stellung noch weit weg, aber sie kommt bestimmt. Irgendwann flattert der Brief ins Haus, dann geht es zur Musterung, und danach stellt sich die Frage: Bundesheer oder Zivildienst. Was dieser Dienst künftig bedeutet, hat die Bundesregierung am Montag neu geregelt. Beim Sommerministerrat in der Schwarzenberg-Kaserne in Salzburg fiel nach monatelangem Streit die Entscheidung.

Was sich beim Grundwehrdienst ändert

Das Herzstück der Reform ist das sogenannte Modell 6 plus 3. Der eigentliche Grundwehrdienst bleibt bei sechs Monaten, so wie bisher. Neu ist, dass direkt im Anschluss drei Monate verpflichtende Übungen dazukommen. Damit dauert der Dienst beim Heer künftig neun statt sechs Monate. Ein Teil davon sind nachgelagerte Milizübungen, die innerhalb von zehn Jahren zu absolvieren sind. Anlass für die Verlängerung ist laut Regierung die veränderte Sicherheitslage in Europa seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Grundlage ist der Bericht einer Wehrdienstkommission, die bereits im Jänner 2026 ein ähnliches Modell empfohlen hatte.

Erstmals Urlaub und mehr Geld

Damit der Dienst trotz der Verlängerung attraktiver wird, gibt es auch Verbesserungen. Zum ersten Mal überhaupt bekommen Grundwehrdiener einen echten Urlaubsanspruch. Bisher gab es das in dieser Form nicht. Außerdem steigt die monatliche Vergütung auf 1.000 Euro. Für viele junge Männer, die den Dienst oft als verlorene Zeit empfinden, sind das spürbare Zugeständnisse. Die Regierung hofft, damit auch dem Personalmangel beim Bundesheer entgegenzuwirken, denn zuletzt meldeten sich zu wenige Rekruten, um die Truppe dauerhaft einsatzfähig zu halten.

Der Zivildienst wächst ebenfalls

Wer sich gegen die Waffe und für den Zivildienst entscheidet, ist von der Reform genauso betroffen. Künftig gilt hier das Modell 9 plus 2. Der Zivildienst bleibt also bei neun Monaten, kann aber um zwei weitere Monate verlängert werden. Im ersten Jahr ist diese Verlängerung freiwillig. Danach greift eine Art Sicherung: Sinkt die Zahl der Grundwehrdiener unter eine bestimmte Grenze, wird die Verlängerung verpflichtend. Konkret ist das der Fall, wenn die jährliche Zahl der Grundwehrdiener die Marke von 15.000 um mehr als 7,5 Prozent unterschreitet. Der Zivildienst ist damit eng an die Personalsituation beim Heer gekoppelt.

Warum die Reform so umkämpft war

Bis zuletzt war unklar, ob sich die Koalition überhaupt einigt. ÖVP, SPÖ und NEOS lagen lange auseinander, vor allem beim Zivildienst bremsten die NEOS. Erst kurz vor Beginn des Ministerrats stand der Kompromiss. „Ich gehe davon aus, dass wir eine Lösung haben werden“, hatte Bundeskanzler Christian Stocker schon im Vorfeld erklärt. Am Ende bekam er recht. Zustimmung kommt auch von Vertretern der Miliz. „Sechs Monate Grundwehrdienst und drei Monate Milizübungen lösen nicht alle bestehenden Probleme. Sie sind aber ein klarer Schritt zu einer höheren Einsatzfähigkeit der Miliz und damit des Österreichischen Bundesheeres insgesamt“, sagt Michael Spevak vom Deutschmeisterbund, einem Dachverband von Miliz- und Traditionsvereinen.

Noch ist nichts endgültig

Ganz fix ist die Reform aber noch nicht. Für die verpflichtende Verlängerung des Zivildiensts braucht die Regierung eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Diese hat die Koalition allein nicht. Deshalb muss sie auf die Oppositionsparteien zugehen, konkret auf FPÖ und Grüne. Die FPÖ fordert schon länger die vollständige Umsetzung des Expertenmodells mit acht Monaten Grundwehrdienst. Die Grünen kritisieren, dass zu wenig über die grundsätzliche Ausrichtung gesprochen werde. Ob die nötige Mehrheit zustande kommt, ist damit offen. Klar ist nur der geplante Starttermin: der 1. Jänner 2027.

Wer betroffen ist und wer nicht

Für Schülerinnen und Schüler ist eine Regelung besonders wichtig. Aus Gründen des Vertrauensschutzes soll die Reform nur für jene jungen Männer gelten, die ihre Stellung erst nach dem Beschluss absolvieren. Wer also schon vorher gemustert wurde, bleibt beim alten Modell. Für alle, die jetzt in der Oberstufe sitzen und in den nächsten Jahren zur Stellung müssen, gilt dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit die neue Regelung. Damit lohnt sich der Blick auf das Kleingedruckte schon heute, denn drei zusätzliche Monate Dienst wollen in die eigene Lebensplanung nach der Matura erst einmal eingebaut sein. Ob am Ende der Wehrdienst oder der Zivildienst die bessere Wahl ist, bleibt am Ende eine Entscheidung, die jeder junge Mann für sich selbst treffen muss.


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