Im Wartezimmer
Ich sitze im Wartezimmer und nehme mir vor, nicht ständig auf die Uhr zu schauen. Es klappt nicht lange. Nach ein paar Sekunden wandert mein Blick doch wieder nach oben, als könnte ich die Zeit damit beschleunigen.
Neben mir raschelt jemand durch eine zerlesene Zeitschrift. Seite für Seite, immer wieder dieses trockene Geräusch. Ein paar Stühle weiter hustet ein Mann kurz und hart in seine geschlossene Hand. Der Geruch von Desinfektionsmittel hängt in der Luft, vermischt mit etwas Muffigem, das sich in den Polstern festgesetzt zu haben scheint.
Die Stühle sind fast alle besetzt. Jacken hängen über den Lehnen, Taschen stehen zwischen den Beinen, als würden alle versuchen, sich möglichst wenig auszubreiten. Niemand spricht. Nur dieses leise Nebeneinander von Geräuschen.
Ich habe einen Termin, zumindest theoretisch. Trotzdem zieht sich die Zeit, dehnt sich, wird zäh. Jedes Mal, wenn die Tür aufgeht, zucke ich innerlich zusammen. Ein Name wird aufgerufen – nicht meiner. Für einen Moment war ich bereit, dann sackt die Spannung wieder in sich zusammen.
Ich merke, wie sich Ungeduld in mir breitmacht. Gleichzeitig scheint genau das hier der normale Zustand zu sein: Warten. Niemand beschwert sich, niemand fragt nach. Also warte ich auch.
Zwischen Vertrauen und Zeitdruck
Als mein Name endlich fällt, bin ich sofort auf den Beinen – fast zu schnell, als hätte ich nur darauf gewartet, aufspringen zu dürfen.
Das Gespräch beginnt freundlich. Die Ärztin schaut mich an, nickt, hört zu. Ihre Fragen sind präzise, routiniert. Ich merke, wie ich versuche, meine Antworten zu sortieren, noch während ich spreche.
Was ist wichtig?
Was lasse ich weg?
Ein Teil von mir will alles genau erklären, ein anderer sagt: Mach schnell.
Ich rede schneller, als ich eigentlich möchte. Während ich spreche, habe ich das Gefühl, mich selbst zu kürzen, Dinge wegzulassen, die vielleicht doch wichtig wären. Gleichzeitig wirkt sie sicher und ruhig in ihren Bewegungen, als hätte sie das alles schon unzählige Male gehört. Das beruhigt mich.
Dann geht es plötzlich ganz schnell. Ein paar letzte Worte, ein kurzes Nicken – und schon halte ich das Rezept in der Hand.
Ich bin draußen, bevor ich richtig realisiert habe, dass der Termin vorbei ist.
In der Apotheke
In der Apotheke ist es heller und offener. Kaum gebe ich das Rezept ab, wird es gescannt, das leise Piepen wirkt fast wie ein Startsignal. Hinter dem Tresen greift die Apothekerin routiniert nach einer Schublade, dann nach der nächsten. Alles sitzt.
Ich lehne mich leicht an den Tresen und beobachte ihre Bewegungen. Es wirkt eingespielt, fast automatisch.
Die Medikamente liegen wenig später vor mir. Sie erklärt mir die Einnahme – klar, sachlich, ohne Umwege. Ich nicke, wieder dieses Gefühl, dass alles schneller geht, als ich innerlich hinterherkomme.
Ein paar Minuten später stehe ich wieder draußen.
Die Luft fühlt sich frischer an. Ich atme einmal tief ein. Ein bisschen Erleichterung macht sich breit. Und dieses leise Gefühl, dass alles funktioniert hat, auch wenn es sich zwischendurch zu schnell angefühlt hat.
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