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Am Tag ein Zombie, in der Nacht am Handy: Wie ich meine Sucht losgeworden bin

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Volontär · BRG Kufstein
14.04.2026
4 Min.

Ich liege im Bett, eigentlich todmüde, und scrolle trotzdem durch Instagram, TikTok oder YouTube. Aus einer Stunde werden zwei, und plötzlich ist es Mitternacht. Ich habe das monatelang jeden Abend gemacht, bis ich gemerkt habe, wie sehr es mich belastet. Wie ich da rausgekommen bin und warum es das Beste war, was ich tun konnte.

Ein Leben am Handy. Wollt Ihr das wirklich? (Foto: Pexels.com)

Es war immer das Gleiche. Ich lag im Bett, das Licht war aus, und ich griff automatisch zum Handy. „Nur noch schnell Instagram checken“, dachte ich. Fünf Minuten wurden zu zwanzig, zwanzig zu einer Stunde. Ich scrollte durch Stories von Leuten, die ich kaum kannte, schaute TikToks, die nicht einmal richtig lustig waren, und klickte mich durch YouTube-Videos, die mich eigentlich gar nicht interessierten.

Und das Verrückte: Ich war müde. Richtig müde. Meine Augen brannten, mein Körper wollte schlafen. Aber mein Gehirn wollte noch einen Post, noch ein Video, noch ein bisschen Ablenkung. Als würde eine Stimme in meinem Kopf sagen: „Nur noch ein Scroll, dann schlafe ich.“ Aber dieser eine Scroll kam nie.

Irgendwann war es zwei Uhr nachts. Ich legte das Handy weg, starrte an die Decke und fühlte mich einfach nur leer und gleichzeitig völlig überdreht. Der Wecker würde in fünf Stunden klingeln, und ich wusste schon, dass der nächste Tag anstrengend werden würde.

Der Tag danach

Am nächsten Morgen schleppte ich mich durch die Schule wie ein Zombie. In Mathe verstand ich kaum etwas, beim Mittagessen hatte ich keinen richtigen Hunger, und beim Judo-Training fühlte ich mich schwach und unkonzentriert. Mein Trainer fragte, ob alles okay sei. Ich nickte nur müde.

Abends nahm ich mir vor: „Heute gehe ich früh schlafen, kein Handy.“ Aber kaum lag ich im Bett, war das Verlangen wieder da. Was haben die anderen gepostet? Habe ich etwas verpasst? Nur ganz kurz. Und schon war ich wieder drin, in diesem endlosen Scrollen, das nirgendwohin führte.

Das ging Wochen so. Ich wusste, dass es mir nicht guttut. Ich spürte es jeden Tag. Und trotzdem fiel es mir schwer, aufzuhören. Es fühlte sich fast wie eine Gewohnheit an, die ich nicht mehr richtig kontrollieren konnte.

Als ich genug hatte

Dann kam dieser eine Morgen. Ich wachte nach vier Stunden Schlaf auf, fühlte mich komplett erschöpft und dachte: So kann es nicht weitergehen. Nicht wegen der Schule oder dem Sport, sondern weil ich mich selbst kaum wiedererkannte. Ich war ständig müde, gereizt und unmotiviert. Und wofür? Für Inhalte, die ich nach kurzer Zeit sowieso wieder vergessen hatte.

Ich stellte mir eine einfache Frage: „Was bringt mir das Scrollen vor dem Schlafen?“ Die ehrliche Antwort war: nichts. Es machte mich nicht glücklicher, nicht entspannter und auch nicht produktiver. Im Gegenteil, es nahm mir genau die Energie, die ich eigentlich gebraucht hätte.

Also beschloss ich: Das Handy bleibt abends außerhalb meines Zimmers. Keine Ausnahmen.

Die ersten Tage ohne Handy im Bett

Die erste Nacht war ungewohnt. Ich lag da, das Handy nicht neben mir, und fühlte mich unruhig. Meine Hand griff automatisch zur Seite, aber da war nichts. Meine Gedanken kreisten, und ich merkte erst da, wie sehr ich mich daran gewöhnt hatte.

Nach einer Weile stand ich auf, holte mir ein Buch und las ein paar Seiten. Es half ein bisschen. Irgendwann schlief ich ein, ohne Bildschirm, einfach so.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich anders. Noch nicht komplett ausgeruht, aber klarer im Kopf.

Was sich verändert hat

Nach etwa einer Woche merkte ich deutliche Unterschiede. Ich schlief schneller ein, wachte seltener auf und fühlte mich morgens erholter. In der Schule war ich konzentrierter, beim Training stärker.

Und etwas hat mich besonders überrascht: Ich habe nichts verpasst. Alles, was ich sonst nachts angeschaut hätte, war am nächsten Tag noch da – oder es war weg, und es war egal.

Warum es trotzdem schwer bleibt

Ich will nicht behaupten, dass jetzt alles perfekt ist. Manchmal nehme ich das Handy doch wieder mit ins Bett und scrolle „nur kurz“. Und plötzlich ist es wieder spät.

Der Unterschied ist: Ich merke es sofort. Und ich spüre auch direkt die Folgen am nächsten Tag. Das hilft mir, wieder zurückzufinden.

Was mir am meisten hilft, ist simpel: das Handy wirklich aus dem Zimmer zu legen. Nicht nur auf lautlos, sondern ganz weg.

Die unbequeme Wahrheit

Mir ist klar geworden: Das Problem ist nicht nur das Handy, sondern auch meine Gewohnheit dahinter. Mein Gehirn hat sich an diese schnellen Reize gewöhnt. Jeder neue Post ist wie eine kleine Belohnung.

Und genau darauf sind soziale Medien ausgelegt. Endlose Feeds, immer neue Inhalte – alles so gemacht, dass man weiterschaut.

Aber irgendwann musste ich mich fragen: Will ich das wirklich?

Was ich gelernt habe

Schlaf ist wichtiger als jeder Post. Das klingt einfach, aber ich musste es selbst erleben, um es zu verstehen. Wenn ich ausgeschlafen bin, ist alles leichter. Wenn ich müde bin, wird selbst Kleines anstrengend.

Scrollen fühlt sich zwar wie Entspannung an, ist aber oft das Gegenteil. Mein Kopf bleibt aktiv, statt wirklich runterzufahren.

Heute versuche ich, es anders zu machen: Handy weg, bewusst abschalten, manchmal lesen oder einfach ruhig daliegen.

Langweilig? Vielleicht. Aber genau das tut mir gut.

Und langsam habe ich das Gefühl, mir etwas zurückzuholen, das ich schon fast verloren hatte: echte Ruhe.


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