Im Bus
Vor ein paar Tagen saß ich im Bus auf dem Weg nach Hause. Es war schon dunkel draußen und fast alle waren still. Direkt gegenüber von mir saß ein Junge mit vielleicht zehn oder elf Jahren neben seiner Mutter. Sie sagte mehrmals zu ihm, dass er sich mit dem Essen beeilen solle, weil sie bald aussteigen müssten. Jedes Mal wurde er hektischer. Er zog an seinem Rucksack herum, ließ fast seine Trinkflasche fallen und brauchte dadurch eigentlich noch länger. Irgendwann sagte die Mutter nichts mehr und plötzlich ging alles schneller.
Irgendwie blieb mir diese Situation im Kopf, weil ich gemerkt habe, dass es bei Erwachsenen oft genauso ist. Je mehr Druck wir bekommen, desto schwerer werden manchmal selbst einfache Dinge.
Im Supermarkt
Später stand ich an der Kasse eines Supermarkts. Vor mir suchte ein älterer Mann minutenlang nach Kleingeld. Er kontrollierte jede Jackentasche zweimal und entschuldigte sich bestimmt drei Mal bei den Leuten hinter ihm. Niemand hatte etwas gesagt, trotzdem wirkte er gestresst.
Während ich wartete, fiel mir auf, wie unangenehm Stille für viele Menschen geworden ist. Sofort entschuldigen wir uns oder erklären, warum etwas länger dauert. Fast so, als müssten wir uns dafür rechtfertigen, kurz Zeit zu brauchen.
Als der Mann schließlich bezahlt hatte, lächelte die Kassiererin ihn einfach nur an und sagte: „Passt schon.“ Danach wirkte er sofort entspannter.
Der Satz an der Scheibe
Am Abend lief ich noch ein Stück zu Fuß nach Hause. An einer beschlagenen Scheibe stand mit dem Finger geschrieben: „Heute ist ein guter Tag, nur leider nicht meiner.“
Ich blieb automatisch stehen und las den Satz mehrmals. Vielleicht, weil er so ehrlich klang. Nicht dramatisch, nicht perfekt formuliert. Einfach wie ein Gedanke, den jemand kurz loswerden musste.
Für einen Moment hatte ich das Gefühl, genau zu verstehen, was damit gemeint ist.
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