Mein Name ist Simon. Ich bin 19 Jahre alt. Mit fünf Jahren fing ich an, Handball zu spielen, drei Jahre später kam dann Fußball hinzu, was ich bis heute noch ausübe. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch, das war ich schon als Kind. Entweder gewinnt man oder man verliert, so ist der Sport. Kinder suchen oft Idole. Meines war Manuel Neuer, weil ich auch Torwart bin.
Niederlagen gehören dazu
Ich finde es wichtig, dass es Ergebnisse im Kindersport gibt. So lernen junge Menschen, wie sie mit Niederlagen umgehen. Manchmal verlieren sie ein Spiel knapp, ein anderes deutlich und ein drittes gewinnen sie. Eine Tabelle spiegelt die Leistungen perfekt wieder. Eine kurze Übersicht, wer wie oft und wie hoch gewonnen und verloren hat. Verlieren macht den wenigsten Spaß, doch wenn es keine Konsequenzen hat, dann ist es verkraftbar.
Der Sport hat in Österreich und Tirol einen hohen Stellenwert. Viele Olympiasieger und Weltmeister finden sich in Tirol. Deshalb ist es Eltern wichtig, dass ihre Kinder eine Sportart ausüben. Nur wenige Kinder sind allerdings ehrgeizig, ich war immer eines davon. Der frühe Kontakt im Umgang mit Niederlagen und Siegen war für mich wichtig. Ich habe meine Leistungen reflektiert und konnte so Schlüsse ziehen, was ich beim nächsten Mal besser machen sollte. Das ist nicht nur im Sport, sondern auch im Privatleben von Bedeutung.
Kinder träumen oft davon, Fußballprofi zu werden. Es schaffen aber nur wenige und das ist auch den Meisten bewusst. Der ÖFB hat bis zur U12 die Tabellen völlig abgeschafft. Es will damit erreichen, dass Kinder nicht unter Druck stehen und somit länger Spaß am Fußball haben.
Ich finde, das Gegenteil ist der Fall. Bis zum Alter von elf Jahren wissen Kinder nicht, ob ihre Leistung gut oder schwach ist. Ein Kind verspürt selten Druck, wenn es einen Sport ausübt. Druck, gerade im Fußball, kommt erst im Alter von 13 bis 14 Jahren. Da fällt die Entscheidung, wer in die Akademien kommt und wer nicht. Talente und ehrgeizige Spieler*innen leiden darunter, dass es keine Platzierungen gibt.
Verlorene Ambitionen
Meine Befürchtung ist, dass sie ihre Ambitionen verlieren. Die österreichische Jugendarbeit erfuhr in den vergangenen Jahren viel Kritik. Zurecht, finde ich, denn Tabellen belasten Kinder nicht, sie zeigen lediglich, welche Leistung sie erbracht haben. Außerdem ist es wichtig, auch unter Druck zu performen. Je früher Kinder damit in Kontakt kommen, desto besser ist ihr Umgang mit Druck zukünftig.
Fußball ist ein Ergebnissport. Das Wichtigste ist zu gewinnen, das ist auch das beste Gefühl. Nach Niederlagen sind die Spieler oft sauer und genau so soll es auch im Kinderbereich sein. Alle sollen sich mit den Besten messen, egal ob in der Champions League oder im Kinderfußball. Tabellen sind da unvermeidlich.
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