Zwei Freunde sitzen im Café. Die Kaffeetassen sind fast leer, draußen fahren Autos vorbei. Für ein paar Sekunden sagt niemand etwas. Die eine Person schaut aus dem Fenster, die andere rührt langsam im Kaffee. Niemand wirkt nervös. Die Stille fühlt sich ruhig an, fast vertraut. Ein paar Tische weiter sitzt ein Paar. Auch dort sagt gerade niemand etwas. Doch hier wandern die Blicke unruhig durchs Café, eine Person tippt auf ihr Handy, die andere verschränkt die Arme. Die Sekunden wirken länger. Ich frage mich, warum dieselbe Stille so unterschiedlich wirken kann. Vielleicht zeigt sie oft ehrlicher als Worte, wie nah sich Menschen wirklich sind.
Sich an Wichtiges gewöhnen
Jeden Morgen gehe ich denselben Weg zur Schule. Ich gehe an denselben Häusern vorbei, sehe dieselben Menschen an der Bushaltestelle und höre dieselben Geräusche. Früher war dieser Schulweg etwas Besonderes, weil alles neu war. Heute gehe ich ihn, ohne bewusst hinzusehen. Erst als eine Baustelle die Straße sperrt und ich einen anderen Weg nehmen muss, merke ich, wie vertraut mir diese alltägliche Strecke geworden ist. Das hat mich daran erinnert, wie schnell Menschen Dinge als selbstverständlich sehen – Orte, Routinen oder sogar andere Menschen.
Angst vor Verantwortung
Eine Gruppe von Freunden sitzt zusammen und überlegt, wohin sie essen gehen soll. Jeder sagt: „Ist mir egal, entscheide du.“ Als eine Person schließlich ein Restaurant auswählt, kommen sofort Einwände: „Darauf habe ich heute keine Lust.“ Trotzdem wollte vorher niemand selbst entscheiden. Alle lachen, aber niemand übernimmt gerne die Verantwortung.
Dabei fällt mir auf, dass viele Menschen vielleicht gar nicht Angst vor der falschen Entscheidung haben, sondern davor, später dafür verantwortlich gemacht zu werden.
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