Die Tiefe vor dem Aufprall

Loslassen und fallen oder festhalten und leiden? (Foto: Pexels)

Ich vermisse deine zarten Lippen auf meinen, und ich wünschte, ich könnte einfach meinen Mut zusammennehmen und die Distanz zwischen ihnen brechen. Doch dazwischen ist ein Abgrund, so tief wie der Marianengraben, in den ich schon längst das Gefühl habe, hineingefallen zu sein. Ich hänge irgendwo dazwischen. Viel zu tief, um noch das Licht von oben zu sehen, aber nicht tief genug, um keine Angst mehr vor dem Fall zu haben.

Manchmal, wenn die Sonne hoch am Horizont steht und kleine Lichtblitze meine Haut berühren, blüht ein wenig Hoffnung auf. Aber sie verblüht genauso schnell, wie die Sonne untergeht. Denn an den meisten Tagen regnet es, und es wird eisig kalt. Am liebsten würde ich loslassen und fallen, bis der endgültige Abgrund mich auffängt.

Weil da, wo ich mich jetzt befinde, kein Ende in Sicht ist, und ich hänge schon viel zu lange, um mich für eines von beiden zu entscheiden. Deswegen verharre ich hier zwischen Geröll und verlorenen Gefühlen, in der Hoffnung, dass mich eines von beiden irgendwann auffangen wird.

Aber Tage, Wochen und Monate verstreichen, während ich mir sämtliche Kratzspuren zuziehe, durch manch kleine und größere Erdbeben. Eigentlich weiß ich gar nicht, worauf ich warte, denn es wird ganz sicher kein Helikopter anfliegen, um mich zu bergen.

Letztendlich wird vermutlich irgendwann ein heftiges Erdbeben mich in die Tiefe zwingen. Ich werde nicht bereit sein, und nichts und niemand wird mich auffangen.


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