Die Spritpreise schnellen in lichte Höhen: 36,10 Euro mehr kostet eine Tankfüllung mit 50 Litern Diesel heute als im Vergleichsraum des Vorjahres. Am 28. September lag der Literpreis in Österreich im Schnitt bei 2,259 Euro. 2025 kostete Diesel im Jahresschnitt 1,537 Euro. Das sind rund 47 Prozent mehr.
Knapp die Hälfte aller zugelassenen Pkws in Österreich fährt laut ÖAMTC mit Diesel. Viele von uns sitzen als Beifahrer in einem davon. Erst jetzt denken sich wahrscheinlich einige: Unglaublich, wie viele Menschen betroffen sind.
Ich stehe jeden Tag an der Bushaltestelle und schaue auf die Anzeigetafel der Tankstelle gegenüber. 2,20 Euro. 2,25 Euro. Wieder ein paar Cent mehr. Ich sehe den Preis steigen und frage mich jedes Mal: Wie weit geht das noch?
Ich wollte wissen, was hinter den hohen Dieselpreisen steckt und warum der Treibstoff gerade jetzt so teuer wird.
Die Inflation steigt wegen Sprit
Am 2. Oktober hat Statistik Austria eine Schnellschätzung veröffentlicht. Das ist einerster Wert, der später noch korrigiert werden kann. Danach lag die Inflation im September bei 3,6 Prozent. Im August waren es 3,2 Prozent, im Jänner 2,0 Prozent.
Inflation bedeutet: Die gleichen Waren kosten mehr als vor einem Jahr. Mit demselben Geld kann ich also weniger kaufen. Der Anstieg im September gehe „zur Gänze“ auf teurere Treibstoffe und Heizöl zurück, sagte Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk laut ORF. Energie insgesamt war um 14,5 Prozent teurer als vor einem Jahr. Bei Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol lag das Plus laut Reuters bei 1,0 Prozent.
Der Blick auf die Zapfsäule zeigt damit auch, warum die Inflation im September so deutlich gestiegen ist.
Warum gerade Diesel knapp ist
Rohöl ist nicht Diesel. Erst in einer Raffinerie wird aus Rohöl der Treibstoff, den wir später an der Tankstelle kaufen. Genau dort gibt es derzeit Engpässe.
Diesel und Gasöl, aus dem auch Heizöl entsteht, machen laut der Internationalen Energieagentur (IEA) fast 30 Prozent der weltweiten Ölnachfrage aus. In ihrem Septemberbericht schreibt die IEA: Der Dieselpreis in den USA lag Anfang September über 200 Dollar pro Barrel. Ein Barrel entspricht 159 Litern. Das sind 94 Prozent mehr als vor dem Krieg. Europa und Asien lagen nicht weit dahinter.
Zwei Entwicklungen treffen den Markt gleichzeitig. Erstens fehlen Lieferungen aus dem Nahen Osten, weil der Iran-Krieg den Schiffsverkehr aus den Golfstaaten stört. Zweitens liefert Russland weniger. Die Ukraine greift russische Raffinerien an, und Russland schränkt seine Dieselexporte laut Reuters ein.
Im Augustbericht beziffert die IEA die Lücke: Die Dieselexporte aus Russland, dem Nahen Osten und Asien lagen um 1,3 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorjahr. Das entspricht laut IEA etwa 20 Prozent des weltweiten Handels über See.
Kurz gesagt: Es kommt weniger Diesel auf den Weltmarkt, während die Nachfrage hoch bleibt. Das treibt die Preise nach oben.
Washington droht, die G7 reagiert
Auch die USA spielen dabei eine Rolle. Sie liefern viel Diesel nach Europa. US-Präsident Donald Trump erwog ein Exportverbot, um die Preise im eigenen Land zu senken. Finanzminister Scott Bessent forderte Europa auf, Notreserven freizugeben. Dabei handelt es sich um Vorräte, die Staaten für Krisen halten müssen.
Am Freitag, dem 2. Oktober, einigten sich die G7-Staaten laut Reuters auf die Freigabe von 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl. Sie sagten außerdem zu, untereinander keine Exportbeschränkungen zu verhängen. Trump erklärte, die USA würden kein Dieselverbot verhängen.
Frankreich hatte vorgeschlagen, dass Europa 50 Millionen Barrel Diesel beisteuert. Das wären rund 17 Prozent der EU-Notbestände an Diesel und Gasöl und etwa 3 Prozent des Jahresverbrauchs.
Analysten von Energy Aspects nennen die G7-Zusage laut Reuters eine politische Zusage und kein bindendes Verbot. Ein von Euronews zitierter Analyst sagt: Die Freigabe verschaffe nur Zeit, weil weltweit weniger Diesel angeboten als nachgefragt wird.
Österreich hält laut Wirtschaftsministerium eine Pflichtnotstandsreserve für rund 90 Tage. Die Versorgung gelte als gesichert, hieß es im Juni.
Was die Spritpreisbremse bringt
Auch in Österreich versucht die Politik, den Preisanstieg abzufedern. Der Nationalrat beschloss am 28. September eine neue Spritpreisbremse für Oktober und November, berichtet die NÖN.
Die Mineralölsteuer, eine Steuer pro Liter Treibstoff, sinkt um 6,7 Cent. Bei Diesel fällt sie damit auf das EU-Mindestniveau. Dazu werden die Gewinnmargen der Mineralölwirtschaft um 3,5 Cent je Liter begrenzt.
Zusammen sind das mit Umsatzsteuer 12,2 Cent je Liter. Die Koalition lobte den Beschluss, die FPÖ kritisierte ihn scharf.
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern macht die Entlastung 6,10 Euro aus. Am 1. Oktober lag der Medianpreis für Diesel laut E-Control bei 2,169 Euro. Median bedeutet: Die Hälfte der gemeldeten Preise liegt darüber, die andere Hälfte darunter.
Ganz verschwunden ist der Preisanstieg damit also nicht.
Der ÖAMTC erklärt außerdem: Tankstellen dürfen die Preise nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Wer vormittags tankt, kann deshalb günstiger davonkommen.
Was als Nächstes kommt
Wie sich die Preise weiterentwickeln, hängt vor allem davon ab, wie sich das weltweite Angebot an Diesel und Rohöl entwickelt.
Statistik Austria veröffentlicht die endgültigen Septemberzahlen Mitte Oktober. Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher bleibt laut news.at bei seiner Prognose von rund 3 Prozent Inflation für das Gesamtjahr 2026. Die IEA legt am 14. Oktober ihren nächsten Ölbericht vor.
Bis dahin bleibt offen, ob sich die Lage am Dieselmarkt entspannt. Für Autofahrer zeigt sich die Entwicklung jedenfalls jeden Tag aufs Neue an der Tankstelle.
Und für mich auch an der Bushaltestelle gegenüber: Ich schaue auf die Preistafel und frage mich, wie lange die Zahlen dort noch weiter nach oben klettern.
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