KI-optimiert

Wir brauchen mehr Fairness bei der Notenvergabe. Dieses Recht sollte uns Schülern zustehen

Kein Profil-Bild gefunden.
Volontärin · BORG Egg
20.02.2026
3 Min.

Eine fast perfekte mündliche Prüfung, sichere Antworten und nur eine kleine Unsicherheit, trotzdem steht bei meinem Freund Mark am Ende eine 3 im Zeugnis. Angeblich habe er sich schlecht benommen. Verhalten sollte aber nicht die Leistungsnote beeinflussen. Doch wo liegt die Grenze zwischen fachlicher Bewertung und persönlichem Auftreten?

 

Faire Lehrer sollten uns zustehen! (Foto: Tra Nguyen/unsplash)

Mein Freund Mark ist 16 Jahre alt und besucht die 6. Klasse eines Gymnasiums. Ich will seine Geschichte erzählen, weil ich mit mit ihm geärgert habe. Ich habe gesehen, wie er an jenem Morgen angespannt in der Klasse saß. Die Zeugnisse wurden verteilt, leises Rascheln erfüllte den Raum. Als er sein Blatt Papier in den Händen hielt und die Noten überflog, blieb sein Blick an einer Zahl hängen, und sein Magen zog sich zusammen, so viel ist sicher: eine 3 in Biologie. Biologie?!

Dabei ist Mark kein schlechter Schüler, im Gegenteil. Wenn ihn ein Thema interessiert, arbeitet er konzentriert und kann sein Wissen klar und strukturiert wiedergeben. Besonders in Biologie versteht er komplexe Zusammenhänge und erklärt Fachbegriffe sicher und präzise.

Umso größer war sein Entsetzen. Die mündliche Prüfung hatte er nahezu fehlerfrei abgelegt, fast alle Fragen richtig beantwortet, nur eine einzige nicht vollständig. Seine Antworten waren fachlich korrekt, durchdacht und zeigten deutlich, dass er den Stoff verstanden hatte.

Auf seine Nachfrage erklärte der Lehrer: „Du hast meinen Unterricht mehrfach gestört und bist manchmal zu spät gekommen.“

Doch genau dafür gibt es an der Schule eine eigene Verhaltensnote. Trotzdem scheint in diesem Fall das Verhalten Einfluss auf die Leistungsnote genommen zu haben. Und genau darum geht es mir hier: Um SchülerInnenrechte. Ich wünsche mir das Recht für mehr Fairness und Mitsprache in der Schule. Einfach, indem wir gefragt werden und mit uns gemeinsam die Note besprochen wird.

Zeugnis


Unterschied zwischen Leistungs- und Verhaltensnote

Pünktlichkeit, Respekt und Aufmerksamkeit tragen wesentlich zu einem guten Lernklima bei. Sie sind wichtig für den Unterricht und genau deshalb hat die Schule eine separate Verhaltensnote eingeführt. Diese soll widerspiegeln, wie sich ein Schüler oder eine Schülerin im Schulalltag verhält.

Die Leistungsnote hingegen bewertet ausschließlich das fachliche Können, also Wissen, Verständnis und die erbrachte Leistung in Prüfungen oder im Unterricht.

Wenn Lehrkräfte jedoch Verhalten und Fachleistung miteinander vermischen, verschwimmen zwei eigentlich getrennte Bewertungsbereiche. Das kann bei Schülerinnen und Schülern das Gefühl von Ungerechtigkeit auslösen. Wer in einer Prüfung nahezu perfekte Leistungen zeigt, sollte auch entsprechend bewertet werden. Andernfalls entsteht der Eindruck, dass nicht allein die Leistung zählt, sondern auch persönliche Eindrücke eine Rolle spielen.

Diskussion um die Bewertungspraxis an Schulen

Marks Fall verdeutlicht, wie wichtig klare und transparente Bewertungsmaßstäbe sind. Leistung und Verhalten sind zwei unterschiedliche Dimensionen und sollten getrennt beurteilt werden. Natürlich ist respektvolles Auftreten im Unterricht entscheidend, doch fachliche Kompetenz darf dadurch nicht verfälscht werden.

Wenn Schülerinnen und Schüler erleben, dass ihre tatsächliche Leistung nicht objektiv anerkannt wird, kann das ihr Vertrauen in das Bewertungssystem erschüttern. Schule sollte ein Ort sein, an dem Anstrengung, Wissen und Können fair beurteilt werden – denn nur so entstehen Motivation, Leistungsbereitschaft und ein Gefühl von Gerechtigkeit.

Leistung sollte nach Wissen bewertet werden, nicht nach Sympathie oder Verhalten. Denn Gerechtigkeit ist die Grundlage jeder guten Schule.

Österreichischer Rechtsanwaltskammertag Logo

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch den Österreichischen Rechtsanwaltskammertag.

Kommentare