Montag, sechste Stunde, Mathe. Es klingelt. Gemeinsam mit meiner Schwester gehe ich zum Bus, in der Hoffnung, noch in den ersten zu kommen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Unrealistisch, da noch gut 70 Leute denselben Bus nehmen wollen. Wahrscheinlich fährt etwa drei Viertel der Kinder in unserer Klasse täglich mit den Öffis zur Schule und zurück, der Rest mit dem Moped.
Nur wenige haben das Glück, gebracht und abgeholt zu werden. Meine Mutter kann mich in der Früh bringen, da sie gleich in der Nähe der Schule arbeitet, aber nach Hause fahre ich meist mit dem Bus. Alle in unserer Klasse haben ein Top-Ticket, was uns das Leben ziemlich erleichtert. Kein nerviges Zehnerblock-Holen oder, schlimmer noch, Tagestickets kaufen. Bei Schulausflügen in der Steiermark müssen wir uns auch sonst um nichts kümmern, aber wie viele von uns schätzen das eigentlich wert?
Eine Selbstverständlichkeit
Tja, wenige. Aber wenn wir uns mal die Ticketpreise anschauen, ist es deutlich günstiger, einmal ein Top-Ticket oder am besten ein Schülerticket zu kaufen, als jede Woche einen neuen Zehnerblock zu besorgen. Zwar gilt das Schülerticket nur für eine bestimmte Strecke, aber wenn SchülerInnen eh nur diese fahren, macht das ja nichts. Und ein Top-Ticket gilt für alle Öffis in der Steiermark, sogar für die Schlossbergbahn. Wenn wir darüber nachdenken, fließt da echt viel Geld rein, aber wohin?
Vor allem in die Infrastruktur. Jedes Jahr wird ins Schienensystem und die Busse investiert, um sie in Schuss zu halten. In Graz werden beispielsweise gerade Wasserstoffbusse eingeführt. Auch die Gehälter der Beschäftigten der verschiedenen Unternehmen werden damit finanziert. Und vor allem: Förderungen für Tickets. PensionistInnenförderungen, Klimatickets, Schülertickets, Top-Tickets, all das wird von unseren Steuern unterstützt. Wir SchülerInnen verlassen uns darauf, um unsere Bildung zu erhalten, einen wichtigen Teil unseres Lebens.
Bildung kostet, vor allem den Staat
In Österreich gilt bis zum neunten Schuljahr die Schulpflicht, und um sie dreht sich so viel. Wir alle wollen die bestmögliche Schule und dabei am besten noch Spaß haben. Ich selbst habe mir mehr Gymnasien angeschaut, als mir lieb war, aber was tut man nicht alles für die eigene Zukunft.
Zum Glück haben wir eine gute Schule ohne große Kosten gefunden, denn der Spaß an Bildung würde uns ziemlich vergehen, wenn wir alle Schulgeld wie bei Privatschulen zahlen müssten. Viele Familien könnten sich das nicht leisten, deswegen wird unser Bildungssystem gefördert, laut Statistik Austria mit rund 28.997,4 Mio. Euro im Jahr 2024.
Was wird eigentlich dadurch bezahlt?
Sehr, sehr viele Dinge: die Gehälter aller Mitarbeitenden, die Einrichtung, Schulbücher und manchmal auch noch das Essen, oder zumindest Teile davon. Zwar müssen Schulen immer noch eigenes Geld ausgeben, aber sehr wenig. Stellt euch mal vor, ihr müsstet die Schulbücher selbst bezahlen. Wer sie schon mal nachkaufen musste, weiß, wie teuer sie sind. Wahrscheinlich würden wir gut 300 € pro Jahr ausgeben und viele von uns könnten sich das nicht leisten.
Ein Blick in die USA zeigt, wie gravierend das sein kann: Dort sind viele Familien wegen der Bildung ihrer Kinder hoch verschuldet, teilweise, weil das Bildungssystem nicht oder kaum mit Steuern finanziert wird.
Ich glaube, dass alles, was von Steuern finanziert wird, unheimlich wichtig ist. Aber diese beiden Bereiche, öffentliche Verkehrsmittel und Bildung, sind diejenigen, bei denen ich mich am meisten freue, dass sie nicht unheimlich viel kosten. Denn ich gehe zum Glück nicht so oft ins Krankenhaus, die nächste Bibliothek ist gut eine Stunde entfernt, aber nichts bestimmt meinen Alltag so sehr wie die Schule und der Schulweg.
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