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Die Lockdowns haben mir gezeigt, wie wichtig Freiheit und Gemeinschaft sind

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Volontärin · HLM HLW Krems
09.05.2026
3 Min.

Jeden Tag zuhause sein, lange schlafen, im Pyjama arbeiten und den Rest des Tages tun können, was wir möchten. Corona hat uns allen gezeigt wie es ist, permanent im Home Office zu sein. Natürlich war es praktisch und sehr bequem, aber können wir uns das für den Rest unseres Lebens vorstellen?

Die Lockdowns haben und verunsichert. Heute sind wir klüger. (Foto: shutterstock)

„Ich kann euch eines sagen: Der Lockdown wird uns sicher nicht betreffen.“ Das waren die Worte meines Englischlehrers im Jahr 2020, während wir in einer Unterrichtsstunde wie jeden Tag unseren Coronatest machten.

Am Ende dieser Stunde kam die Direktorin ins Klassenzimmer und schickte uns alle nach Hause, ein Test aus meiner Klasse war positiv. Von einem Moment auf den anderen war auch unsere Schule im Lockdown.

Leben im Lockdown

Am Anfang habe ich mich darüber tatsächlich gefreut. Endlich länger schlafen, keine tägliche Diskussion darüber, was ich anziehe. Im Grunde blieb ich einfach im Pyjama. Auch die morgendliche Busfahrt fiel weg, die ich oft als sehr unangenehm erlebt habe, weil alle Klassen in einem Bus saßen und es entsprechend laut und überfüllt war. Außerdem fiel mir der soziale Druck weg, mich ständig in Gesprächen zu beteiligen, was mir in dieser Zeit sogar eine gewisse Erleichterung verschaffte.

Mein Alltag zu Hause sah meistens gleich aus: kurz vor Unterrichtsbeginn aufstehen, mit einer Tasse Tee vor den Laptop setzen und den Großteil des Tages im eigenen Zimmer verbringen. Diese Ruhe habe ich anfangs sehr genossen. Gleichzeitig habe ich aber auch mehr Zeit mit meiner Familie verbracht. Wir haben gemeinsam Karten gespielt oder abends länger zusammengesessen. Dabei ist mir erst richtig bewusst geworden, wie gut das Verhältnis eigentlich ist. Vor Corona war ich nach der Schule oft so erschöpft, dass ich einfach nur meine Ruhe wollte.

Nicht ganz so schön, wie es zuerst wirkte

Mit der Zeit hat dieses neue Leben jedoch seinen Reiz verloren. Immer stärker habe ich gemerkt, wie sehr mir andere Menschen fehlen. Teilweise habe ich tagelang fast nur mit meiner Familie gesprochen und hatte irgendwann das Gefühl, kaum noch Kontakt zu Freund:innen zu haben. Besonders deutlich wurde das, wenn ich aufs Handy geschaut habe und kaum Nachrichten bekam. In solchen Momenten wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, wie einsam man sich fühlen kann, obwohl man nicht allein ist.

Auch mein Alltag hat sich verändert – nicht unbedingt zum Guten. Ich habe begonnen, unregelmäßig und ungesund zu essen, oft mit zu vielen Süßigkeiten und Snacks statt richtiger Mahlzeiten. Gleichzeitig fiel Bewegung fast komplett weg, wodurch sich auch körperlich einiges verändert hat. Irgendwann wurde mir klar, dass nicht nur Sport fehlte, sondern generell eine Struktur im Alltag.

Der Lockdown und seine Nachwirkungen

Als der Lockdown vorbei war und alles langsam wieder normal wurde, habe ich sehr deutlich gespürt, wie sehr mir der persönliche Kontakt gefehlt hat. Ich war froh, wieder in die Schule zu gehen, so sehr, dass ich mich sogar auf Tests gefreut habe, was vorher kaum vorstellbar gewesen wäre. Einfach wieder in einer Klasse zu sitzen, Gespräche mitzuhören oder neben anderen Menschen zu stehen, hat sich zuerst ungewohnt, aber gleichzeitig richtig angefühlt.

Auch wenn ich selbst oft eher ruhig bin, habe ich den normalen Schulalltag wieder sehr geschätzt. Durch die viele Zeit zu Hause konnte ich zwar mehr lernen und meine Noten haben sich verbessert, trotzdem wurde mir klar, dass gute Leistungen wenig bedeuten, wenn der soziale Kontakt fehlt.

Rückblickend kann ich mir nicht vorstellen, dauerhaft im Homeoffice oder isoliert zu leben. Auch wenn das Arbeiten oder Lernen von zu Hause Vorteile hat, ersetzt es für mich nicht den direkten Kontakt mit anderen Menschen. Der Lockdown hat mir gezeigt, wie wichtig soziale Beziehungen für das eigene Wohlbefinden sind. Deshalb würde ich mich, trotz aller Anstrengung, immer wieder für die „echte Welt“ entscheiden.

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