Der Bus war fast leer, als Lena einstieg. Draußen hatte es gerade aufgehört zu regnen, und die Straßen glänzten im Licht der Laternen. Der Fahrer nickte kurz, als sie ihr Ticket zeigte, dann setzte der Bus sich ruckelnd wieder in Bewegung. Lena setzte sich ans Fenster und zog die Kapuze tiefer ins Gesicht. Es war spät, viel später, als sie ihrer Mutter gesagt hatte. An der nächsten Haltestelle stieg niemand ein. Trotzdem öffneten sich die Türen.
Ein kalter Luftzug zog durch den Bus. „Komisch“, murmelte Lena und blickte nach vorne. Der Fahrer schaute starr auf die Straße, als wäre nichts gewesen. Der Bus fuhr weiter. Zwei Haltestellen später geschah es wieder. Die Türen gingen auf. Niemand stieg ein, niemand stieg aus.
Diesmal sah Lena genauer hin. Draußen war die Haltestelle vollkommen dunkel. Kein Fahrplan, kein Licht, nicht einmal ein Schild. Nur eine Bank. Und darauf lag ein einzelner roter Schal. Ein seltsames Gefühl kroch ihren Rücken hinauf. Sie stand auf und ging nach vorne. „Entschuldigung“, sagte sie zum Fahrer. „Warum halten wir hier?“ Der Mann antwortete nicht. „Hallo?“ Langsam drehte er den Kopf zu ihr. Sein Gesicht wirkte blass. „Weil jemand noch fehlt“, sagte er leise.
Lena spürte, wie ihr Herz schneller schlug. „Was meinen Sie?“ Der Fahrer hob nur den Finger und zeigte nach hinten. Lena drehte sich um. Auf dem Sitz ganz hinten, wo eben noch niemand gesessen hatte, lag jetzt ein Handy. Ihr Handy. Das Handy, das sie vor einer Stunde panisch in ihrem Zimmer gesucht hatte. Der Bildschirm leuchtete auf. Eine neue Nachricht.
Mit zitternden Fingern ging Lena näher und las:„Wenn du dein Handy zu Hause vergessen hast – wie kannst du dann diese Nachricht lesen?“ In diesem Moment bremste der Bus. Die Anzeige über der Tür sprang an.
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