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Die Kunst, Zeit einfach vergehen zu lassen

· BRG Oeverseegasse
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16.05.2026
2 Min.

Wir sind es gewohnt, Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen. Selbst kurze Pausen werden geplant, gefüllt und oft schon wieder beendet, bevor sie richtig begonnen haben. Während eines Zwischenstopps in Slowenien ist mir jedoch aufgefallen, dass Zeit auch einfach verstreichen kann – ohne Zweck, ohne Eile und ohne das Gefühl, sie rechtfertigen zu müssen.

Menschen in einem slowenischen Café: Kann es sein, dass die Zeit in unserem Nachbarland eine andere Bedeutung hat? Sie scheint nicht dazu da zu sein, um mit vermeintlich Sinnvollem vollgepresst zu werden. (Foto: Daciana Cristina Visan)

Im April dieses Jahres war ich mit meiner Familie auf der Rückfahrt aus Kroatien nach Österreich. Kurz hinter Ljubljana machten wir an einem Autobahn-Rastplatz Halt. Dort stand ein kleines Café namens Marché Bistro, eines dieser Rastplatzlokale, die man normalerweise nur betritt, um schnell einen Kaffee zu holen und sofort weiterzufahren.

Von außen wirkte es unscheinbar, mit großen Glasfenstern und einer schlichten Holzfassade. Innen war es hell, mit vielen Pflanzen, hellen Holztischen und großen Fenstern, durch die man direkt auf den Parkplatz und die vorbeiziehenden Autos blicken konnte.

Während ich auf meinen Kaffee wartete, fiel mir auf, dass die Menschen dort anders saßen als ich es von österreichischen Raststätten kenne.

Ein anderer Umgang mit Zeit

Niemand wirkte hektisch. Niemand stand mit dem Becher schon halb an der Tür oder schaute ungeduldig auf die Uhr. Eine ältere Frau saß allein am Fenster und blickte minutenlang einfach hinaus. Zwei Männer unterhielten sich leise, ohne ständig aufs Handy zu sehen. Ein Vater saß mit seinem Sohn da, beide schwiegen und tranken ihren Kakao, ohne dass einer versuchte, die Stille mit Worten zu füllen.

In Österreich habe ich an Rastplätzen oft das Gefühl, dass alles auf Weiterfahrt ausgerichtet ist. Man holt sich schnell etwas, setzt sich höchstens für ein paar Minuten und denkt innerlich schon daran, wieder aufzubrechen.

Dort hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass selbst an einem Ort des Durchreisens niemand unter Druck stand, sofort weiterzumüssen.

Was dahintersteckt

Diese Beobachtung hat mich länger beschäftigt.

Vielleicht zeigt sie, dass Zeit nicht immer genutzt werden muss, um wertvoll zu sein. Dass ein Moment auch dann Bedeutung haben kann, wenn nichts Produktives geschieht.

Gerade an einem Autobahn-Rastplatz, einem Ort, der eigentlich nur für das schnelle Weiterkommen gedacht ist, wirkte diese Ruhe fast widersprüchlich.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Kunst: Zeit nicht ständig festhalten, planen oder ausfüllen zu wollen, sondern sie manchmal einfach verstreichen zu lassen.



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