Monatelang war mein Rucksack mein treuester, aber auch mein nervigster Begleiter. Er war vollgestopft mit den schweren Latein Wörterbüchern, den ganzen Zetteln für Chemie und meiner Jause, die ich vor drei Tagen vergessen habe aufzuessen. Jeden Morgen hat sich der Gurt in meine Schulter geschnitten, wenn ich zum Zug gelaufen bin. Und jetzt? Jetzt ziehe ich den Reißverschluss auf und blicke in ein großes, dunkles Nichts. Es ist ein total komisches Gefühl. Mein Körper hat sich so an das permanente Gewicht gewöhnt, dass ich mich ohne den Ballast fast schon schwerelos fühle, als könnte ich einfach so aus dem Schulgebäude schweben.
Die Befreiung der Gedanken
Diese plötzliche Leichtigkeit auf dem Rücken spiegelt genau das wider, was gerade in meinem Kopf passiert. Die letzten Wochen waren vollgepackt mit Schularbeiten, Referaten und dem ständigen Zittern um die bessere Note. Mein Gehirn war genauso vollgestopft wie mein Rucksack. Doch mit dem Notenschluss ist dieser ganze Druck von einer Sekunde auf die andere verflogen. Ich muss an nichts mehr denken ich muss keine Vokabeln mehr wiederholen und ich muss mir keine Sorgen mehr über die nächste Prüfung machen. Der leere Rucksack ist das erste echte Zeichen dafür das die Freiheit vor der Tür steht.
Bereit für den Sommer
Ich werfe mir die Tasche über nur eine Schulter, so wie ich es das ganze Jahr über wegen des Gewichts nie tun konnte. Auf dem Weg nach draußen sehe ich meine Klassenkollegen, deren Rucksäcke genauso schlaff herunterhängen wie meiner. Wir haben alle unsere Last abgegeben. Es braucht gar keine großen Zeugnisverteilungen oder feierlichen Reden, um zu merken, dass das Schuljahr vorbei ist. Manchmal reicht dafür einfach der Blick in eine leere Schultasche, die bereit ist, für die nächsten Wochen in der Ecke zu verstauben.
Kommentare