Mein erster Reflex war, auf Instagram nachzusehen. Rund 180 Follower, der letzte Beitrag stammt aus dem Jahr 2014. Danach klickte ich auf Facebook. Dort wirkt die Seite deutlich aktiver. Auch auf YouTube ist Die ganze Woche vertreten. Trotzdem fällt auf: Im Vergleich zu vielen anderen Medien spielt Social Media für das Magazin nur eine Nebenrolle.
Ich dachte zuerst, ich hätte etwas übersehen. Wie kann eine Zeitung im Jahr 2026 fast ohne TikTok jede Woche Hunderttausende Menschen erreichen? Doch genau das gelingt der Ganzen Woche.
Das Magazin erscheint seit 1985, verkauft jede Woche rund 300.000 Exemplare und erreicht nach eigenen Angaben rund 650.000 Leserinnen und Leser. Damit gehört es bis heute zu den erfolgreichsten Wochenzeitungen Österreichs. Während viele Medien täglich um Klicks und Reichweite kämpfen, setzt die Ganze Woche weiterhin vor allem auf ihr gedrucktes Heft.
Eine Zeitung für eine andere Generation
Wer die Ganze Woche aufschlägt, findet keine Liveticker oder Eilmeldungen. Stattdessen geht es um Promi-Geschichten, Schicksale, Gesundheit, Rezepte, Rätsel und das Fernsehprogramm. Genau diese Mischung begleitet viele Leserinnen und Leser seit Jahrzehnten Woche für Woche.
Besonders viele Leserinnen und Leser sind über 60 Jahre alt. Sie nehmen sich bewusst Zeit für ihre Wochenzeitung und konsumieren Nachrichten oft anders als jüngere Generationen.
Der Medienberater Markus Posset, der sich seit vielen Jahren mit der österreichischen Medienbranche beschäftigt, sieht genau darin den Grund für den Erfolg. Gegenüber campus a sagt er: „Das Erfolgsgeheimnis liegt in der klaren Positionierung als unterhaltendes, serviceorientiertes und leicht konsumierbares Wochenmagazin für eine breite Zielgruppe.“
Warum Jugendliche trotzdem etwas daraus lernen können
Für viele Jugendliche wirkt dieses Modell fast unvorstellbar. Die meisten von uns informieren sich heute über TikTok, Instagram oder YouTube. Nachrichten erscheinen zwischen Fußballvideos, Memes und Livestreams. Viele Medien investieren deshalb immer mehr Geld in Social Media, um junge Menschen überhaupt noch zu erreichen.
Die Ganze Woche zeigt aber, dass Reichweite nicht automatisch von TikTok oder Instagram abhängen muss. Wer seine Zielgruppe kennt und über viele Jahre an sich bindet, kann auch ohne tägliche Kurzvideos erfolgreich bleiben.
Ein treuer Leser
Franz (72) lebt in Wien und liest die Ganze Woche seit vielen Jahren. Jeden Samstag gehört sie für ihn genauso zum Frühstück wie der Kaffee.
„Für die Ganze Woche brauche ich nur meine Lesebrille. Alles andere funktioniert auf Papier noch immer bestens“, sagt er und lacht.
Genau diese Gewohnheit dürfte erklären, warum das Magazin auch heute noch so viele Menschen erreicht.
Erfolg für 1,70 Euro
1,70 Euro kostet die Ganze Woche. Für diesen Preis landet sie Woche für Woche in den Regalen von Billa, Spar, Trafiken und Tankstellen in ganz Österreich. Dort liegt sie zwischen Hochglanzmagazinen und Tageszeitungen – und verschwindet trotzdem hunderttausendfach wieder in Einkaufskörben.
Gedruckt wird sie seit mehr als 40 Jahren. Hinter jeder Ausgabe steht eine vergleichsweise kleine Redaktion. Trotzdem erscheint jede Woche ein neues Heft mit Promi-Geschichten, Gesundheitstipps, Rätseln, Rezepten und Fernsehprogramm.
Am Ende entscheidet keine App, ob die Ganze Woche gelesen wird. Sondern jemand, der beim Einkauf an der Zeitschriftenwand stehen bleibt, 1,70 Euro bezahlt und das Heft unter den Arm klemmt.
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