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Die erste Stunde Schule ist oft eine Stunde zu früh

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Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
3 Kommentare
23.09.2026
5 Min.

Eine aktuelle Schweizer Studie zeigt: Beginnt die Schule später, schlafen Jugendliche länger und schneiden in bestimmten Tests besser ab. Trotzdem starten viele Schultage weiterhin früh am Morgen. Für mich stellt sich deshalb die Frage: Warum verlangen wir von Jugendlichen volle Konzentration, wenn ihr Körper eigentlich noch schlafen will?

Warum Schule für viele Schüler*innen schon am frühen Morgen zur Herausforderung wird und ob ein späterer Schulbeginn die Lösung sein könnte, erfährst du im Beitrag. (Foto: Yaroslav Shuraev, URL: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-madchen-student-mude-9489900/)

6:45 Uhr. Der Wecker klingelt. Noch fünf Minuten. Dann noch fünf. Irgendwann sitzt man im Bus, halb wach, mit Rucksack auf dem Rücken und dem Gedanken im Kopf, dass die erste Stunde heute Mathematik ist. Kurz nach acht Uhr soll dann plötzlich volle Konzentration angesagt sein.

Ich kenne diese Situation. Und wahrscheinlich kennen sie auch viele andere Schüler*innen.

Dabei geht es gar nicht darum, dass wir morgens grundsätzlich keine Lust auf Schule haben. Die Frage ist eine andere: Passt ein früher Schulbeginn überhaupt zum Schlafrhythmus von Jugendlichen?

Jugendliche funktionieren anders

Während der Pubertät verändert sich die innere Uhr. Jugendliche werden häufig später müde und wachen entsprechend später auf. Genau deshalb fällt es vielen schwer, am Abend früh einzuschlafen und am nächsten Morgen trotzdem früh fit zu sein.

Das lässt sich auch wissenschaftlich beobachten. Der ORF berichtete im Februar 2026 über eine aktuelle Studie aus der Schweiz, bei der 754 Rückmeldungen von Jugendlichen mit einem Durchschnittsalter von rund 14 Jahren ausgewertet wurden. An zwei Schulen wurde dabei ein flexibles Modell getestet: Die erste Unterrichtsstunde war freiwillig, während der verpflichtende Unterricht erst um 8:30 Uhr begann. Der gesamte Schultag wurde also nicht einfach um eine Stunde nach hinten verschoben. 95 Prozent der Schüler*innen nutzten die Möglichkeit des späteren Starts. Im Durchschnitt starteten sie dadurch 38 Minuten später in den Schultag und schliefen an Schultagen rund 45 Minuten länger.

Noch interessanter: Laut dem ORF zeigte sich die zusätzliche Schlafzeit auch bei den schulischen Leistungen. In standardisierten Tests schnitten die Jugendlichen in Englisch und Mathematik besser ab als zuvor.

Natürlich beweist eine einzelne Studie nicht, dass jede Schule sofort um 8:30 Uhr beginnen muss. Dafür sind Schulen, Schülerinnen und Familien zu unterschiedlich. Trotzdem finde ich das Ergebnis bemerkenswert. Wir sprechen ständig darüber, wie Schülerinnen bessere Leistungen bringen können: mehr lernen, mehr üben, mehr vorbereiten. Dabei könnte manchmal eine ziemlich einfache Sache helfen: mehr Schlaf.

Ausgeschlafen statt durchgehalten

Ich finde es merkwürdig, dass Müdigkeit in der Schule oft als persönliches Problem betrachtet wird.

Wer in der ersten Stunde kaum die Augen offen halten kann, bekommt schnell den Eindruck, einfach früher schlafen gehen zu müssen. Das klingt logisch. In der Realität funktioniert es aber nicht immer so einfach. Wenn ein Jugendlicher abends noch gar nicht müde ist, bringt es wenig, ihn zwei Stunden früher ins Bett zu schicken.

Die Forschung zum Schlafrhythmus von Jugendlichen zeigt, dass sich ihre innere Uhr während der Pubertät nach hinten verschiebt. Auch die American Academy of Sleep Medicine empfiehlt deshalb für Middle Schools und High Schools einen Beginn ab 8:30 Uhr oder später.

Für mich ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Schule soll Wissen vermitteln. Wenn Schüler*innen aber in der ersten Stunde erst einmal damit beschäftigt sind, überhaupt wach zu werden, verschenkt Schule wertvolle Zeit.

Aber später heißt nicht automatisch besser

Natürlich hat ein späterer Schulbeginn auch Nachteile.

Eltern müssen ihre Arbeitszeiten organisieren. Busse und Züge fahren nach bestimmten Fahrplänen. Lehrkräfte haben ihren Arbeitstag. Und wenn die Schule später beginnt, endet sie meistens auch später. Das kann für Sportvereine, Nachhilfe, Nebenjobs oder andere Aktivitäten problematisch werden.

Deshalb würde ich auch nicht behaupten, dass jede Schule einfach eine Stunde nach hinten verschoben werden kann.

Trotzdem sollte die Frage erlaubt sein: Warum muss der Unterricht für ältere Schüler*innen eigentlich so früh beginnen?

Gerade in der Oberstufe verbringen viele von uns ohnehin einen großen Teil des Tages mit Schule und Lernen. Danach kommen Hausaufgaben, Lernen für Schularbeiten, Freizeit und manchmal noch Sport oder andere Termine. Wenn der Tag schon früh beginnt, kann sich daraus schnell ein ziemlich voller Rhythmus entwickeln.

Ein Blick in die eigene Schule

Doch wie sehen Jugendliche an meiner eigenen Schule das Thema? Alexander Höbe steht an Schultagen gegen 7 Uhr auf und ist in der ersten Stunde oft noch müde. Einen späteren Schulbeginn würde er begrüßen, auch wenn der Unterricht dafür am Nachmittag länger dauern würde. Elias Pell steht bereits um 6 Uhr auf. Auch er ist morgens zunächst eher müde, meint aber, dass sich das im Laufe des Vormittags legt. Mit dem derzeitigen Schulbeginn ist er zufrieden. Alexandra Schmidhofer steht gegen 6:20 Uhr auf und findet die erste Stunde teilweise schwierig, wenn sie noch müde ist. Einen späteren Beginn würde sie ebenfalls begrüßen, solange sich der Unterricht am Nachmittag dadurch nicht wesentlich verlängert.

Auch der Administrator des Campus Sacré Coeur Wien, Herr Peham, sieht einen späteren Schulbeginn nicht nur aus Sicht des Schlafes. Als Administrator ist er unter anderem für organisatorische und administrative Abläufe innerhalb der Schule zuständig. Ein späterer Schulbeginn wäre grundsätzlich vorstellbar, müsste aber organisatorisch gut geplant werden. Dabei müssten unter anderem der Stundenplan, die Arbeitszeiten der Lehrkräfte und der Nachmittagsunterricht berücksichtigt werden. Ein späterer Beginn könnte daher auch dazu führen, dass sich der Unterricht entsprechend in den Nachmittag verschiebt. Die Rückmeldungen zeigen damit: Der Wunsch nach mehr Schlaf ist bei Jugendlichen durchaus vorhanden, gleichzeitig hängt die Umsetzung eines späteren Schulbeginns von vielen organisatorischen Faktoren ab.

Die erste Stunde entscheidet mit

Ich glaube deshalb, dass wir über Schulbeginn anders sprechen sollten.

Müdigkeit ist keine Charakterschwäche. Wer um 8 Uhr morgens müde ist, ist nicht automatisch faul. Und wer in der ersten Stunde weniger konzentriert ist, braucht vielleicht nicht mehr Druck, sondern einen Stundenplan, der besser zum menschlichen Körper passt.

Das bedeutet für mich auch nicht, dass Schule jeden Tag erst um 10 Uhr beginnen sollte. Ein späterer Start um 8:30 Uhr könnte bereits einen Unterschied machen. Wie science.ORF.at in einem Bericht über eine Schweizer Studie zeigt, kann eine Verschiebung des verpflichtenden Unterrichtsbeginns nach hinten mit mehr Schlaf und besseren Testergebnissen verbunden sein.

Deshalb lohnt es sich, bei der Frage nach besserer Schule einmal ganz am Anfang des Tages anzusetzen. Eine mögliche Veränderung könnte genau dort beginnen, wo auch jeder Schultag beginnt: bei der ersten Stunde – und bei einem Wecker, der vielleicht etwas später klingelt.









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