Gegründet wurde die Bibliothek unter dem ägyptischen König Ptolemaios I, und wurde unter der Herrschaft seines Sohnes Ptolemaios II weiter ausgebaut. Sie gehörte zum Museion, einem Forschungs-, und Gelehrtenzentrum. Alexandria entwickelte sich dadurch innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Metropole mit hohem Einfluss auf die damalige Wissenschaft, Kultur und Politik.
Schätzungen zufolge bestand die Sammlung aus bis zu 700.000 Schriftrollen. Doch wie war es möglich eine derart große Anzahl an einem Ort zu vereinen?
Der Bestand wurde vor allem durch Ankäufe erweitert. Je nach Interessen der Herrscher wurden Themengebiete gezielt gesammelt. Berichten zufolge wurden außerdem Schriftrollen von einlaufenden Schiffen beschlagnahmt, kopiert und mit dem Vermerk „Von den Schiffen“ in den Bestand aufgenommen. Die Gelehrten des Museions verfassten außerdem nicht nur eigene Werke, sondern übersetzten auch, und trugen somit zur Vergrößerung der Sammlung bei. Unklar ist jedoch, ob die Bibliothek nach der Herrschaft der ersten drei Ptolemäer weiterhin ausgebaut wurde.
Theorien zum Untergang
Über die Zerstörung der Bibliothek existieren zahlreiche Theorien. Meistens wird der Untergang mit einem verheerenden Brand in Verbindung gebracht, der das komplette Wissen mehrerer Jahrhunderte auf einen Schlag vernichtet hat.
Die häufig genannte Erklärung führt auf Julius Cäsar zurück. Während des Konfliktes zwischen Kleopatra und Ptolomäus VIII zündet Cäsar die Schiffe im Alexandrischen Hafen an. Das Feuer griff auf die Stadt über. Ob dabei auch die Bibliothek zerstört wurde, ist bis heute umstritten. Zeitgenössische Quellen erwähnen zwar den Hafenbrand, berichten jedoch nicht eindeutig von einer Vernichtung der Bibliothek.
Eine weitere These bezieht sich auf die Kämpfe zwischen dem römischen Kaiser Aurelian und der Herrscherin Zenobia aus Palmyra im Jahre 272 n. Chr. Dabei wurde das Palastviertel nachweislich schwer beschädigt. Da sich dort vermutlich die Hauptbibliothek befand, könnte diese bei den Kämpfen zerstört worden sein. Eindeutige Belege existieren auch hier nicht.
Auch Religiöse Konflikte werden häufig als Ursache genannt. Im 4. Jahrhundert n. Chr. War es das Ziel der Christen heidnische Traditionen und den deren Wissenschaftsbetrieb zu zerstören. Belegt ist aber hier nur dass 391 n.Chr. die Tochterbibliothek „Sarapeion“- der Tempel der Gottheit Serapis- mit rund 10.000 Schriftrollen zerstört wurde.
Schließlich existierte die Behauptung, dass das arabische Volk im 7 Jahrhundert nach einer Belagerung von Alexandria alles schriftliche Wissen, das nicht mit dem Koran übereinstimmt, verbrannt habe. Sie tauchte aber erst mehrere Jahrhunderte später in mittelalterlichen Quellen auf und wird somit als Legende bzw. als Kreuzzugpropaganda eingestuft.
Doch was war nun der eigentliche Grund?
Nach heutigem Wissensstand ging das Wissen nicht durch ein Einzelnes Ereignis unter. Vielmehr verlor die Bibliothek über Jahrhunderte hinweg ihre Bedeutung. Kriege, Konflikte, Brände und Vernachlässigung führte vermutlich dazu, dass der Bestand nach und nach schrumpfte. Da der Zugang weitgehend auch nur den Gelehrten des Königshofes gestattet war, konnte das Wissen nur von einem kleinen Kreis genutzt und weitergegeben werden. Der Untergang war daher eher ein schleichender Prozess und keine einmalige Katastrophe.
Kommentare