Ich stand vorgestern an einer Kreuzung bei der Schule und habe auf den Bus gewartet. Neben mir: absolute Stille, jeder starrte auf sein Smartphone. Und genau in diesem Moment ist es mir aufgefallen. Auf der anderen Straßenseite parkte ein Tesla. Kein Mensch saß drin. Aber als ein Fußgänger etwas zu nah am Auto vorbeiging, blitzten kurz die Scheinwerfer auf und die Kameras in den Seitenspiegeln drehten sich minimal mit. Das Auto hat nicht einfach nur dagestanden. Es hat gewacht. Es hat uns alle beobachtet, gefilmt und analysiert, während es ganz friedlich in der Sonne glänzte. Ein völlig totes Stück Blech, das lebendiger wirkte als die Menschen an der Haltestelle.
Wenn Gegenstände lebendig werden
Ich fand den Gedanken irgendwie total creepy. Früher waren Autos einfach dazu da, um von A nach B zu kommen. Heute sind sie wie scheue Raubtiere, die ihre Umgebung scannen. Zu Hause angekommen, habe ich meine Alexa im Zimmer angeschaut. Normalerweise ignoriere ich das Ding, bis ich Musik hören will. Aber gestern stand ich davor und dachte mir: Das Teil leuchtet manchmal einfach so blau auf, ohne dass ich überhaupt ein Wort gesagt habe. Was denkt diese kleine Plastikbox eigentlich über mich, wenn ich stundenlang schweigend in meinem Zimmer sitze und gelernt habe?
Wer kontrolliert hier wen?
Eigentlich gehen wir ja immer davon aus, dass wir Menschen diejenigen sind, die alles im Blick haben. Mittlerweile ist es aber irgendwie genau umgekehrt. Die Dinge beobachten uns. Und das Absurde ist, dass wir uns komplett daran gewöhnt haben. Wir kaufen uns diese Geräte ja sogar selbst, damit sie uns zuhören, und finden es auch noch praktisch. Am Ende des Tages bleibt bei mir die Frage hängen, wer hier eigentlich wen steuert. Sind wir noch diejenigen, die die Technik bedienen, oder sind wir schon längst nur noch die Statisten in einer Welt voller Kameras und Sensoren?
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