„Wann ist ein Thema, ein Jugendphänomen, so groß, dass es in den Schulen behandelt werden muss?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich Der Standard in einem Artikel über die neu veröffentlichte Dokumentation „Babo – Die Haftbefehl-Story“.
Die Dokumentation, die den Rapper Haftbefehl aus Offenbach über Jahre begleitet, führt derzeit im deutschsprachigen Raum die Netflix-Charts an. Viele Schüler sagen sogar, der Rapper sei eine Legende und spreche wichtige alltagsbezogene Themen an.
Warum Haftbefehl im Unterricht mehr bewirken kann als jedes Schulbuch
Doch sollte man ausgerechnet einen Deutschrapper als Aufklärungsbeispiel im Unterricht hernehmen? Ja. Auch der österreichische Bildungsminister sieht das so und betont, dass sich daran Jugendkultur im Unterricht gut behandeln und kritisch diskutieren lässt.
Psychische Probleme und Suchtmittelkonsum: Diese Begriffe kommen meines Wissens in keinem einzigen österreichischen Schulbuch vor. Dabei wäre es so wichtig, sie in der Schule aufzugreifen, zu besprechen und zu reflektieren. Genau das tut die Dokumentation. Sie klärt auf. Deshalb bin ich der Meinung, dass die Texte und das Leben von Haftbefehl in die Lehrpläne einfließen und dort behandelt werden sollten.
„Texte und Auftreten des Rappers stünden nicht im Einklang mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen“, wurde in dem Artikel kritisiert. Liest man sich allerdings die Texte des Rappers durch, sieht man schnell, worum es eigentlich geht: um Probleme. Probleme, die nicht nur ihn betreffen, sondern unzählige Jugendliche – auch in Österreich.
Um diesen Problemen entgegenwirken zu können, braucht es Lehrkräfte, die Jugendkultur verstehen und akzeptieren. Denn selbst wenn Haftbefehl in die Lehrpläne aufgenommen würde, entscheidet jede Lehrkraft immer noch selbst, wie sie den Lehrplan umsetzt. Lehrer, Eltern und Politik müssen verstehen, was Armut und Gewalt aus Jugendlichen machen können. Ist man einmal im falschen Kreis, kommt man nicht so einfach wieder heraus.
Statt diesen wichtigen Themen aus dem Weg zu gehen, sollte man helfen – mit Aufklärung. Je mehr aufgeklärt wird, desto geringer ist die Chance, dass Jugendliche sich im Problemfall für den falschen Weg entscheiden. Haftbefehl zeigt, dass Erfolg aus Schmerz entstehen kann, aber zu einem sehr hohen Preis. Für österreichische Jugendliche ist es wichtig, dass darüber gesprochen wird und dass man ihnen zeigt, dass es auch andere Wege gibt. Haftbefehl sollte deshalb nicht wegen seines Deutschraps oder seiner Bekanntheit in die Lehrpläne aufgenommen werden, sondern für das Wohl unserer neuen Generation.
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