Die Sonne brannte warm auf Linas Schultern. Das Wasser des Sees glitzerte wie tausend kleine Spiegel. Sie zog die Schuhe aus und tauchte ihre Füße ins kühle Wasser.
„Ah, das tut gut“, murmelte sie und schloss die Augen.
Eine leichte Brise strich durch das Schilf. Es raschelte leise, während irgendwo eine Amsel sang. Der Duft von warmem Gras und blühenden Blumen lag in der Luft.
Plötzlich blitzte etwas zwischen den Schilfhalmen auf.
„Was ist das denn?“
Neugierig schob Lina die Halme zur Seite. Dort lag eine kleine Glasflasche. Vorsichtig zog sie den Korken heraus und entrollte den Zettel darin.
Folge dem Weg der Sonnenblumen, und du wirst ein Geheimnis entdecken.
Ihr Herz klopfte schneller.
„Ein Geheimnis? Das muss ich sehen!“
Sie lief los. Der schmale Pfad führte durch ein Meer aus gelben Sonnenblumen. Die Blüten nickten im Wind, und Bienen summten zwischen ihnen hin und her. Die Sonne wärmte ihr Gesicht, während ihre Turnschuhe über den staubigen Weg knirschten.
Dann blieb sie stehen.
Unter einem großen Apfelbaum saßen mehrere Kinder auf bunten Decken. Ein Korb voller Erdbeeren stand in der Mitte. Daneben glitzerten Flaschen mit selbstgemachter Limonade.
„Lina! Da bist du ja!“, rief ein Junge und winkte.
„Wir haben auf dich gewartet!“
Lina lachte und setzte sich dazu.
„Habt ihr die Nachricht geschrieben?“
Die Kinder grinsten.
„Vielleicht“, sagte ein Mädchen und reichte ihr eine Erdbeere.
Süß und saftig zerplatzte sie auf Linas Zunge. Über ihnen rauschten die Blätter des Apfelbaums. Jemand erzählte einen Witz, und alle lachten so laut, dass ein paar Vögel erschrocken davonflogen.
Stunden später färbte die untergehende Sonne den Himmel orange und rosa. Die Luft war noch warm, und der See funkelte in der Ferne.
Lina sah ihre Freunde an und lächelte.
Manche Schätze, dachte sie, finden wir nicht in einer Flasche. Wir finden sie in den Menschen, mit denen wir die schönsten Sommertage teilen.
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