In der Pubertät verschiebt sich Studien zufolge die innere Uhr, auch genannt der zirkadiane Rhythmus, etwa zwei bis drei Stunden nach hinten. Das liegt daran, dass das Schlafhormon Melatonin bei Jugendlichen deutlich später ausgeschüttet wird.
Im Gegensatz zu Kindern und Erwachsenen werden sie großteils erst gegen 23 Uhr oder Mitternacht natürlich müde. Wenn sie dann am folgenden Tag jedoch für den frühen Schulbeginn aufstehen müssen, befinden sie sich meist gerade in der tiefsten Schlafphase.
Des Weiteren unterdrückt das Nutzen von elektronischen Geräten am Abend die Melatoninproduktion. Das liegt am Blaulicht der Bildschirme und signalisiert im Gehirn, dass es noch Tag ist. Auch schulischer Leistungsdruck und soziale Konflikte, die oft abends reflektiert werden, lösen einen wachen Zustand im Gehirn aus.
Warum genügend Schlaf so bedeutend ist
Gleichzeitig steigt das Schlafbedürfnis während der Pubertät auf bis zu neun bis zehn Stunden pro Nacht. Zu wenig Schlaf in dieser „Umbauphase“ des Körpers hat große Auswirkungen auf den biologischen und psychologischen Reifungsprozess.
Wie in Studien gezeigt wurde, weisen Jugendliche mit chronischem Schlafmangel weniger graue Substanz in Hirnregionen auf. Diese ist für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Impulskontrolle verantwortlich. Außerdem wird die Kommunikation zwischen Hirnarealen geschwächt, was bedeutet, dass Entscheidungsfindung und Selbstreflexion erschwert werden. Auch das Aufnehmen bzw. die Speicherung von neuen Informationen kann nicht effektiv vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen werden ohne genügend Schlaf.
Schlafmangel steigert Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und führt zu einer stärkeren Reaktion auf Stress. Das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen wird ebenfalls signifikant erhöht. Wie Studien zeigen, neigen Teenager mit mangelndem Schlaf zu riskantem Verhalten und Substanzmissbrauch.
Dadurch, dass Wachstumshormone vor allem im Tiefschlaf ausgeschüttet werden, kann ein Mangel an Schlaf die physische Entwicklung behindern. Währenddessen wird das Ausschütten von Hungerhormonen gesteigert und das von Sättigungshormonen gesenkt, was zu einem erhöhten Risiko für Übergewicht führt.
Die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen verhindert darüber hinaus die nächtliche Erholungsphase des Herz-Kreislauf-Systems und führt zu erhöhtem Bluthochdruck. Zusätzlich ist der Körper anfälliger für Infektionen durch ein geschwächtes Immunsystem.
Zusammenfassend beeinträchtigt chronischer Schlafmangel, also zu wenig erholsamer Schlaf über einen längeren Zeitraum, die gesamte jugendliche Entwicklung. Er stört die biologische Gehirnreifung, schwächt das psychische Wohlbefinden und erhöht durch hormonelle Ungleichgewichte das Risiko für langfristige körperliche Erkrankungen massiv. Daraus lässt sich schließen, dass genügend Schlaf, also acht bis zehn Stunden pro Nacht, besonders im Jugendalter von großer Wichtigkeit ist.
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