Oh nein! Jetzt bin ich schon wieder zu spät. Das gibt es doch nicht. Schnell ziehe ich meine Schuhe an, schnappe mir die Jacke und sperre das Haus zu. Hoffentlich habe ich nichts vergessen. Obwohl ich heute früher aufgestanden bin, wird die Zeit jeden Morgen knapp. Und natürlich fällt mir jetzt ein, dass ich die Hausaufgabe und meine Karteikärtchen für das Referat auf meinem Schreibtisch liegen gelassen habe. Wie soll ich so meinen Notendurchschnitt halten? Alles nur, weil es immer so stressig ist.
Ein Moment zum Innehalten
Ich nehme mir vor, endlich nicht mehr ständig aufs Handy zu schauen. In diesem Moment fliegt ein Vogel an meinem Fenster vorbei. Eigentlich nichts Besonderes – jeden Tag sehe ich unzählige Vögel. Doch diesmal ist es anders: Sein Zwitschern klingt plötzlich viel klarer und deutlicher. Ich frage mich, warum das so ist. Vielleicht nehme ich mir einfach zum ersten Mal bewusst Zeit, hinzuhören.
Ich setze mich auf den Balkon und lausche. Warum wollen wir eigentlich immer etwas sehen? Können wir nicht auch einfach nur hören? Also sitze ich dort, atme die frische Luft ein und konzentriere mich nur auf die Geräusche um mich herum. Zum ersten Mal seit Langem mache ich nichts – und genau das fühlt sich ungewohnt gut an.
Doch schon bald kommen die nächsten Gedanken: Was muss ich heute noch erledigen? Was steht nächste Woche an? Und was mache ich in den Osterferien? Warum planen wir eigentlich ständig alles im Voraus? Unser Leben dreht sich so sehr um die Zukunft, dass wir das Hier und Jetzt oft vergessen. Sogar in der Schule lernen wir vor allem, vorauszudenken und zu organisieren. Dabei frage ich mich, ob das wirklich immer nötig ist. Vielleicht sollten wir uns öfter erlauben, einfach im Moment zu leben – so wie jetzt, auf meinem Balkon.
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