Unsere Jause hatten wir schon eingepackt, als wir gemeinsam mit dem Zug losfuhren. Drei Stunden Fahrt lagen vor uns, danach noch einmal sechs Stunden zu Fuß. Meine vier besten Freundinnen und ich wollten einfach ein Wochenende zusammen verbringen und wandern gehen. Was daraus wurde, hatte ich so nicht erwartet.
Wir liefen stundenlang bergauf, machten Pausen, aßen unsere Jause und lachten über alles Mögliche. Wir begegneten Kühen, setzten uns zwischendurch hin und spielten Karten. Irgendwann war ein Steinbock plötzlich unser persönliches Highlight des Tages. Wir waren müde, verschwitzt und wahrscheinlich nicht besonders fotogen. Trotzdem hatte ich selten so viel Spaß.
Kaiserschmarrn und Brettspiele
Oben gab es Kaiserschmarrn. Danach spielten wir sogar mit fremden Leuten Brettspiele. Später saßen wir draußen und sahen zu, wie die Sonne langsam unterging. Wir redeten über unser Leben, über uns und über alles, was uns gerade beschäftigt hat. Es gab nur ein kleines Problem für mein gewohntes Leben: kein Netz.
Wir waren auf ungefähr 3.000 Metern Höhe. Fotos konnten wir trotzdem machen. Unsere Handys waren also nicht komplett nutzlos. Aber Instagram, TikTok, Snapchat und Nachrichten waren für uns nicht erreichbar. Ich habe mein Handy trotzdem überhaupt nicht vermisst.
Das Verrückte daran ist, dass ich nicht einmal bewusst dachte: Wow, wie schön ist es gerade ohne Handy. Ich habe es einfach vergessen. Ich saß mit meinen Freundinnen zusammen, spielte Karten, wanderte, redete und schaute in die Berge. Irgendwann lag das Handy einfach irgendwo in meinem Rucksack.
Ich musste mich nicht dazu zwingen, es wegzulegen. Ich musste keine Bildschirmzeit reduzieren und mir auch nicht vornehmen, weniger online zu sein. Es war einfach nicht wichtig genug, um daran zu denken.
Normalerweise würde ich genau das posten
Dabei poste ich selbst ziemlich gerne auf Instagram. Natürlich nicht jeden kleinen Moment. Aber wenn ich irgendwo etwas Cooles erlebe, teile ich es gerne. Gerade ein Wochenende wie dieses wäre eigentlich perfekt für eine Story gewesen.
Ein Foto vom Sonnenuntergang. Ein Bild vom Kaiserschmarrn. Der Steinbock. Meine Freundinnen beim Wandern. Vielleicht noch ein gemeinsames Foto oben auf dem Berg. Ich hätte genug Material gehabt. Und trotzdem habe ich währenddessen kein einziges Mal darüber nachgedacht, welches Bild später in meine Story kommen könnte. Das beschäftigt mich auch noch im Nachhinein.
Wann wurde Erleben eigentlich zu etwas, das man zeigen muss?
Ich glaube nicht, dass Instagram uns automatisch jeden schönen Moment kaputt macht. Ich mag es selbst, Fotos von meinem Leben zu haben und sie mit anderen zu teilen. Ich finde es schön, später durch alte Bilder zu scrollen und mich an einen bestimmten Tag zu erinnern. Trotzdem frage ich mich, ob wir manchmal anfangen, einen Moment gleichzeitig für uns und für andere zu erleben.
Ein Sonnenuntergang kann einfach ein Sonnenuntergang sein. Oder ich denke darüber nach, wie er auf einem Foto aussieht. Ich kann mit Freunden lachen. Oder ich überlege kurz, ob dieser Moment eine gute Story wäre. Ich kann etwas Schönes erleben. Und trotzdem kann irgendwo im Hinterkopf schon die Frage auftauchen, wer es später sehen wird.
Auf dem Berg gab es diese zweite Ebene nicht. Der Sonnenuntergang musste niemandem gefallen. Der Steinbock musste keine Likes bekommen. Unser Kaiserschmarrn musste nicht in einer Story landen. Wir waren einfach dort.
Auch meine Freundinnen haben das Wochenende ohne Empfang anders erlebt als einen normalen Tag.
Pia: ,, Natürlich ist es ein komisches Gefühl, so ohne Handy, doch die Zeit ohne war Goldwert.‘‘
Lena: ,, Irgendwie merkt man, dass man das Handy gar nicht überall braucht. Es muss nicht immer dabei sein.‘‘
Vielleicht ist das der Punkt. Es geht darum, ob wir noch einen schönen Moment erleben können, ohne gleich daran zu denken, ihn festzuhalten, zu teilen oder zu zeigen.
Der Moment, den niemand gesehen hat
Am nächsten Morgen wanderten wir mit voller Energie wieder nach Hause. Wir hatten Fotos gemacht, natürlich. Wir wollten Erinnerungen an dieses Wochenende behalten. Aber die schönsten Dinge davon waren sowieso nicht auf meinem Handy. Keine Kamera hat festgehalten, wie wir beim Kartenspielen gelacht haben. Kein Foto kann zeigen, worüber wir an diesem Abend geredet haben. Der Sonnenuntergang war wunderschön, aber eigentlich war es gar nicht wichtig, wie er auf einem Bildschirm aussieht. Das Wochenende war schön, obwohl es niemand online gesehen hat.Vielleicht sogar gerade deshalb.
Irgendwann, als wir wieder Empfang hatten, nahm ich mein Handy wieder in die Hand. Instagram war noch da. Meine Nachrichten auch. Eigentlich hatte sich überhaupt nichts verändert. Nur ich hatte zwei Tage lang etwas gemacht, das im Alltag erstaunlich selten geworden ist: Ich hatte einfach vergessen, dass mein Handy überhaupt existiert.
Ja. Ich würde dafür keinen erfundenen „Handy Experten“ einbauen, sondern eine echte Studie verwenden. Das wirkt für die Schülerzeitung viel seriöser.
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