Es war einer dieser Nachmittage, an denen ich eigentlich nur schnell einen Kaffee trinken wollte und dann doch länger sitzen blieb. Draußen regnete es so stark, dass die Scheiben des Cafés aussahen, als würde jemand ständig Wasser darüber schütten.
Ich saß an einem Tisch ziemlich weit hinten. Von dort aus konnte ich die Tür und die Fenster sehen.
Nach und nach kamen Leute herein. Und dann fiel mir etwas auf: Fast jeder schaute zuerst zum Fenster.
Nicht auf die Speisekarte. Nicht danach, ob noch ein Platz frei war. Zum Fenster.
Warum eigentlich immer das Fenster?
Eine Frau stellte ihre Tasche auf einen Stuhl, sah zum Fenster und nahm sie wieder. Der Platz war besetzt. Sie setzte sich zwei Tische weiter.
Ein Mann kam herein, schüttelte seinen Regenschirm aus und blieb mitten im Raum stehen. Er schaute sich um, entdeckte einen freien Platz am Fenster und ging sofort dorthin.
Dabei war der Tisch neben ihm genauso groß. Vielleicht sogar gemütlicher.
Dann kam ein älterer Mann herein. Sein rechter Ärmel war komplett nass. Er bestellte einen Kaffee, setzte sich ans Fenster und legte den nassen Arm auf die Heizung.
Er saß einfach da.
Eine ganze Weile.
Vor dem Fenster passierte eigentlich überhaupt nichts.
Ein Bus fuhr vorbei. Ein Mädchen rannte mit einer viel zu großen Kapuze über die Straße. Jemand hielt seinen Hund davon ab, einen Papierbecher zu fressen. Ein Radfahrer fuhr durch eine Pfütze und fluchte.
Nichts davon war wichtig.
Trotzdem schauten die Menschen hin.
Auch ich.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich so gerne am Fenster sitze. Ich kann Menschen beobachten, ohne Teil ihrer Geschichte zu werden. Ich weiß nicht, wohin der Mann mit dem nassen Ärmel später geht. Ich weiß nicht, warum das Mädchen gerannt ist. Ich muss nichts wissen.
Ich schaue einfach.
Dann stand er auf
Nach ungefähr zwanzig Minuten nahm der ältere Mann seinen Kaffee und ging.
Sein Ärmel war inzwischen trocken.
Bevor er die Tür öffnete, blieb er noch einmal stehen und sah zurück zum Fenster. Nicht lange. Nur für einen Moment.
Er ging hinaus in den Regen.
Am Tisch neben mir wurde gerade ein Platz frei.
Direkt am Fenster.
Ich nahm meine Sachen und setzte mich dorthin.
Kommentare