Mir ist aufgefallen, dass in manchen Klassenräumen immer ein bestimmter Stuhl frei bleibt. Nicht irgendeiner, sondern meistens der neben der Tür. Er steht da, als wäre er reserviert, aber niemand hat ihn wirklich reserviert. Wenn jemand zu spät kommt, setzt er sich meistens genau dorthin. Wenn jemand früher gehen muss, auch. Es ist der Platz für Menschen, die nicht ganz ankommen wollen.
Eigentlich ist es nur ein Stuhl. Aber irgendwie wirkt er anders als die anderen. Die Plätze vorne gehören denen, die mitmachen wollen oder zumindest so tun. Die Plätze hinten gehören denen, die Abstand brauchen. Aber der Stuhl neben der Tür ist noch einmal etwas anderes. Er bedeutet: Ich bin da, aber ich könnte auch gleich wieder weg sein.
Die Türplätze des Lebens
Vielleicht suchen Menschen im Alltag öfter solche „Türplätze“. Orte, an denen man dabei ist, aber nicht zu sehr. In Gesprächen, in Gruppen, sogar bei Entscheidungen. Man hält sich eine Fluchtmöglichkeit offen, falls es unangenehm wird.
Seit mir das aufgefallen ist, schaue ich manchmal darauf, wer sich neben die Tür setzt. Und manchmal frage ich mich, ob ich selbst auch öfter dort sitze, ohne es zu merken.
Kommentare