Der neue Kollege meiner Mutter heißt KI

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23.02.2026
2 Min.

Künstliche Intelligenz klingt oft nach Science-Fiction, doch in der Medizin ist sie längst Realität. Während wir im Alltag vielleicht nur an Chatbots oder Bildfilter denken, trifft KI im Krankenhaus Entscheidungen, die über Gesundheit und manchmal sogar über Leben und Tod bestimmen.

Die KI kann, wenn wir sie richtig einsetzen, Leben retten. (Foto: shutterstock)

Meine Mutter kommt oft spät vom Dienst nach Hause. Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie in der Radiologie der Barmherzigen Brüder in Wien. Früher erzählte sie vor allem von langen Nachtschichten, schwierigen Diagnosen und der Verantwortung, auf einem Röntgenbild nichts zu übersehen. Inzwischen erzählt sie auch von einem „neuen Kollegen“, der künstlichen Intelligenz.

Vor einiger Zeit wurde in ihrer Abteilung ein KI-System eingeführt, das Röntgen- und MRT-Bilder in Sekunden analysiert. Sie schilderte mir einen Moment, der ihr besonders in Erinnerung blieb: Während eines stressigen Nachtdienstes überprüfte die Software automatisch ein Lungenröntgen und markierte winzige Verschattungen. Diese Hinweise auf eine beginnende Lungenentzündung wären im Zeitdruck beinahe untergegangen. Dank der frühen Erkennung konnte der Patient rascher behandelt werden. Für meine Mutter fühlte sich das nicht wie Konkurrenz an, sondern wie eine zusätzliche Absicherung, besonders dann, wenn Müdigkeit und Zeitdruck mitentscheiden. Dieses Erlebnis zeigt, wie sehr sich der medizinische Alltag bereits verändert hat.

Wenn Maschinen mitdenken

Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftstraum mehr. Sie hat sich in vielen Bereichen der Medizin als unterstützendes Werkzeug etabliert. Besonders in der Radiologie analysieren KI-Programme große Bildmengen in kürzester Zeit und erkennen Muster, die dem menschlichen Auge entgehen können. Dabei geht es nicht darum, Ärztinnen oder Ärzte zu ersetzen, sondern ihre Arbeit zu ergänzen und Diagnosen abzusichern.

Auch in der Notfallmedizin kommt KI bereits zum Einsatz. In einigen Rettungswagen werden EKG-Daten während der Fahrt automatisch ausgewertet. Erkennt das System Anzeichen für einen Herzinfarkt oder gefährliche Herzrhythmusstörungen, schlägt es sofort Alarm. So kann das medizinische Team schneller reagieren und lebensrettende Maßnahmen einleiten.

Ein weiteres wichtiges Feld ist die personalisierte Medizin. KI hilft dabei, große Datenmengen – etwa Blutwerte, genetische Informationen oder frühere Therapieverläufe – auszuwerten und individuelle Behandlungspläne zu erstellen. Gerade in der Onkologie ermöglicht diese Technologie gezieltere Therapien. Eine Mitschülerin erzählte mir, dass bei ihrer Tante im AKH Wien mithilfe einer KI-gestützten Analyse eine seltene Mutation entdeckt wurde. Erst dadurch konnte eine passende Therapie begonnen werden – für die Familie ein bedeutender Hoffnungsschimmer.

Natürlich wirft der Einsatz von KI auch Fragen auf: Wer trägt die Verantwortung bei Fehlentscheidungen? Wie werden sensible Patientendaten geschützt? Trotz dieser Herausforderungen zeigt sich, dass KI die Medizin nicht unpersönlicher macht. Im Gegenteil: Wenn Routineaufgaben unterstützt werden, bleibt Ärztinnen und Ärzten mehr Zeit für Gespräche, Empathie und individuelle Betreuung. Genau darin liegt vielleicht ihre größte Stärke.

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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die medizinische Universität Wien.

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