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Der Kniefall, der Colin Kaepernicks Leben veränderte

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
01.09.2026
4 Min.

Vor zehn Jahren kniete sich Colin Kaepernick während der US-Nationalhymne auf den Rasen. Der Footballstar wollte gegen Rassismus und Polizeigewalt protestieren. Die stille Geste verbreitete sich weit über den Sport hinaus. Für Kaepernick folgten Beschimpfungen, politische Angriffe und das Ende seiner NFL-Karriere.

Colin Kaepernick kniete am 1. September 2016 während der US-Nationalhymne nieder. Mit der Geste protestierte der damalige Quarterback der San Francisco 49ers gegen Rassismus und Polizeigewalt (Foto: Künstliche Intelligenz )

Colin Kaepernick steht am 1. September 2016 nicht wie die anderen Spieler während der US-Hymne. Der Quarterback der San Francisco 49ers geht auf ein Knie, legt seine Hände vor sich und schaut ruhig nach vorne. Neben ihm kniet sein Teamkollege Eric Reid. Auf den Tribünen wird gepfiffen.

Der damals 28-Jährige protestiert gegen Rassismus, die Benachteiligung Schwarzer Menschen und tödliche Polizeigewalt in den USA. Schon bei den vorangegangenen Vorbereitungsspielen war er während der Hymne sitzen geblieben. Das hatte zunächst kaum jemand bemerkt. Beim letzten Testspiel vor der Saison wählt er eine neue Geste.

Die Idee entsteht nach einem Gespräch mit Nate Boyer, einem ehemaligen NFL-Spieler und früheren Soldaten. Boyer erklärt Kaepernick, Knien könne seinen Protest ausdrücken und zugleich respektvoller gegenüber Angehörigen des Militärs wirken als Sitzen. Aus dieser Überlegung entsteht eines der bekanntesten politischen Bilder des modernen Sports.

Aus einem Spieler wird ein Feindbild

Kaepernick ist zu diesem Zeitpunkt kein unbekannter Ersatzspieler. Drei Jahre zuvor führte er die 49ers in den Super Bowl, das wichtigste Spiel der NFL. Nun wird weniger über seine Pässe als über seine Haltung gesprochen.

Einige Spieler schließen sich dem Protest an. Andere bleiben demonstrativ stehen. Fans buhen Kaepernick aus und verbrennen seine Trikots. Für seine Unterstützer wird er zum Symbol gegen Rassismus. Seine Gegner werfen ihm vor, die Flagge, das Militär und die USA zu beleidigen.

Donald Trump nutzt den Konflikt politisch. Als US-Präsident fordert er später, protestierende Spieler aus ihren Teams zu werfen, und beschimpft sie öffentlich. Aus einer stillen Geste wird ein Kulturkampf um Patriotismus, Rassismus und die Frage, wie weit politischer Protest im Sport gehen darf.

Der Konflikt zeigt, wie ein Symbol seine Bedeutung verändern kann. Kaepernick kniet, um auf Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Viele Gegner sprechen stattdessen über die Hymne und die Flagge. Der Anlass des Protests gerät dadurch immer wieder in den Hintergrund.

Sein letztes Spiel

Am 1. Jänner 2017 läuft Kaepernick zum bisher letzten Mal in einem NFL-Spiel auf. Nach der Saison verlässt er die 49ers und hofft auf einen Vertrag bei einem anderen Team. Er bekommt keinen.

Ob der Protest allein seine Karriere beendete, lässt sich nicht beweisen. Teams verwiesen auch auf sportliche oder finanzielle Gründe. Gleichzeitig war Kaepernick ein erfahrener Quarterback, während andere Spieler mit schwächeren Leistungen Verträge erhielten. Für ihn und seine Unterstützer stand deshalb fest, dass die NFL ihn wegen seines Protests ausgrenzte.

2017 reichte Kaepernick eine Beschwerde gegen die Liga ein. Er warf den NFL-Teams vor, sich gegen seine Verpflichtung abgesprochen zu haben. Die NFL bestritt das. 2019 einigten sich beide Seiten vertraulich. Damit gab es weder ein öffentliches Urteil noch einen Beweis für eine gemeinsame Sperre durch die Teams.

Kaepernick versuchte weiterhin, in die Liga zurückzukehren. 2022 absolvierte er ein Probetraining bei den Las Vegas Raiders. Eine Verpflichtung folgte nicht. Seit der Saison 2016 hat er kein NFL-Spiel mehr bestritten.

Protest wird Werbung

2018 macht Nike Kaepernick zum Gesicht einer Kampagne zum 30. Geburtstag des Slogans „Just Do It“. Der dazugehörige Satz spielt mit dem Preis, den seine Haltung gekostet hat: an etwas zu glauben, selbst wenn dafür alles geopfert werden müsse.

Auch diese Kampagne löst Boykottaufrufe aus. Menschen filmen, wie sie Nike-Schuhe verbrennen oder das Logo aus ihrer Kleidung schneiden. Die Aktie fällt zunächst. Wer nur auf diesen Rückgang blickt, verpasst jedoch den weiteren Verlauf: Wenige Tage später erreicht der Kurs ein damaliges Rekordhoch. Eine externe Auswertung meldet für die Tage nach dem Start der Kampagne einen Anstieg der Onlineverkäufe um 31 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Nike machte aus dem umstrittenen Sportler ein Werbegesicht. Kaepernick nutzte seine Bekanntheit wiederum für gesellschaftliches Engagement. Er gründete eine Organisation für Jugendliche, unterstützte soziale Projekte und baute einen eigenen Verlag auf.

Zehn Jahre später

Am 15. September 2026 soll Kaepernicks Buch „The Perilous Fight“ erscheinen. Darin will er erzählen, welche Erfahrungen zu seinem Protest führten und was die Folgen mit seinem Leben machten. Das Veröffentlichungsdatum liegt nur zwei Wochen nach dem zehnten Jahrestag seines ersten Kniefalls.

Die Geste lebt längst ohne ihn weiter. Sportlerinnen und Sportler in unterschiedlichen Ländern knieten gegen Rassismus. Während der weltweiten Proteste nach dem Tod von George Floyd im Jahr 2020 wurde das Niederknien erneut zu einem international verständlichen Zeichen.

Kaepernick hat seit fast zehn Jahren keinen Pass mehr in einem NFL-Spiel geworfen. Sein bekanntester Moment bleibt trotzdem keine sportliche Aktion. Es sind wenige Sekunden vor einem Testspiel: Die Hymne läuft, fast alle stehen und ein Quarterback geht auf ein Knie. Die Geste wirkt ruhig. Ihre Folgen sind es bis heute nicht.


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