Der Kapuzenpulli, der nur zweimal getragen wurde, die Sneaker, die nie richtig gepasst haben, das Festival-Shirt von letztem Sommer: Was früher im Altkleidersack gelandet wäre, wird heute abfotografiert, hochgeladen und für ein paar Euro weiterverkauft. Für viele Jugendliche ist Vinted längst mehr als eine App zum Ausmisten, sondern eine unkomplizierte Möglichkeit, das eigene Taschengeld aufzubessern, ganz ohne Chef und feste Arbeitszeiten.
Ein Markt, der zweistellig wächst
Dass hinter dem Trend ein handfester Wirtschaftsfaktor steckt, zeigen die Zahlen des Handelsverbands. Für dessen Consumer Check befragte das Marktforschungsinstitut Reppublika mehr als 1.000 Personen aus allen Bundesländern. Das Ergebnis: Drei von vier Befragten haben bereits gebrauchte Ware gekauft, und wer selbst verkaufte, nahm dabei im Schnitt 171 Euro pro Jahr ein. Mehr als die Hälfte der Käufe läuft über Online-Plattformen wie Vinted, Willhaben oder eBay. „Während der stationäre Modehandel in den letzten Jahren teilweise stagnierte, wächst das Second-Hand-Segment zweistellig pro Jahr“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Gerade bei jungen Leuten ist der Verkauf zur Selbstverständlichkeit geworden, angetrieben auch von TikTok und Instagram, wo Jugendliche ihre Funde und Verkäufe herzeigen.
Wenn aus Ausmisten ein Geschäft wird
Solange Jugendliche nur ihre eigenen alten Sachen verkaufen, ist das steuerlich unkompliziert. Kleidung gilt als Gegenstand des täglichen Gebrauchs, und der Verkauf gebrauchter Privatsachen ist in Österreich in aller Regel steuerfrei. Kritisch wird es erst, wenn aus dem gelegentlichen Ausmisten ein System wird, also wenn jemand gezielt günstig einkauft, um mit Gewinn weiterzuverkaufen. Dann handelt es sich rechtlich um einen gewerblichen Handel, der grundsätzlich angemeldet und versteuert werden muss. Die oft zitierte Grenze von 40 Verkäufen pro Jahr, ab der angeblich automatisch Steuer anfällt, ist dabei ein weit verbreiteter Irrtum ohne gesetzliche Grundlage. Entscheidend ist nicht die Stückzahl allein, sondern die Absicht dahinter.
Die Meldung ans Finanzamt
Was allerdings viele überrascht: Ab einer bestimmten Schwelle meldet Vinted die Verkäufe automatisch weiter. Grundlage ist die EU-Richtlinie DAC7, nach der Plattformen die Daten ihrer Verkäuferinnen und Verkäufer ans Finanzamt übermitteln müssen, sobald diese in einem Jahr mindestens 30 Verkäufe tätigen oder mehr als 2.000 Euro einnehmen. Eine der beiden Grenzen reicht bereits aus, und die Regel gilt unabhängig vom Alter, also auch für Minderjährige. Wichtig dabei: Die Meldung bedeutet nicht automatisch, dass Steuer fällig wird. Sie ist zunächst nur eine Information an die Behörde, die bei reinen Privatverkäufen in der Regel folgenlos bleibt. Trotzdem lohnt es sich, die eigenen Verkäufe zu dokumentieren, denn Vinted stellt dafür einen jährlichen Einkommensbericht bereit, den Nutzerinnen und Nutzer in ihrem Account herunterladen können.
Was für unter 18-Jährige gilt
Ein Detail übersehen viele junge Verkäuferinnen und Verkäufer: Vinted ist laut den eigenen Nutzungsbedingungen offiziell erst ab 18 Jahren erlaubt. Wer jünger ist, darf die Plattform nur über einen Account nutzen, den ein Elternteil erstellt und verantwortet. In der Praxis tummeln sich zwar unzählige Jugendliche unter falschem oder elterlichem Geburtsdatum auf der App, rechtlich sauber ist aber nur der Weg über die Eltern. Und wer als Minderjähriger tatsächlich systematisch handeln, also gewerblich verkaufen möchte, braucht dafür sogar eine Zustimmung der Eltern und unter Umständen eine gerichtliche Genehmigung. Für das gelegentliche Verkaufen der eigenen Klamotten gilt das alles nicht, hier bleibt es beim harmlosen Ausmisten mit Taschengeld-Effekt.
Der nächste Karton steht schon bereit
Am Ende bleibt Vinted für die meisten Jugendlichen genau das, was es sein soll: ein einfacher Weg, dem vollen Kleiderschrank ein paar Euro abzuringen und Platz für Neues zu schaffen. Wer nur seine eigenen Sachen verkauft, muss sich um Finanzamt und Gewerbeschein keine Gedanken machen. Spannend wird die Frage erst für jene, aus deren Nebenbei-Verkauf langsam ein echtes kleines Business wird, wenn der eigene Kleiderschrank längst leer ist und trotzdem jede Woche neue Pakete rausgehen. Ab wann aus einem Hobby ein Beruf wird, ist dann keine Frage des Kleiderschranks mehr, sondern eine des Finanzamts.
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