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Der Hype um die "Balkan-Aesthetic"

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Volontärin · Deutsche Schule Sofia
18.08.2026
4 Min.

MEIN SOFIA: In dieser Kolumne berichtet unsere Volontärin Kristin Atanassova wöchentlich aus ihrem Heimatland Bulgarien und dessen Hauptstadt Sofia. Kristin ist 17 Jahre alt und besucht die 10. Klasse der Deutschen Schule Sofia.

Immer wieder neue Trends auf Social Media: Warum ist plötzlich der Balkan die neue Traumästhetik? (Foto: Kristin)

Gibst du in Social Media "Balkan Aesthetic" ein, wirst du zahlreiche Bilder sehen: alte Plattenbauten; eiskalte Winter; alte Autos und Tische, überfüllt mit einer Menge leckeren Gerichten, typisch für die Balkanhalbinsel. Es scheint fast so, als würden wir heutzutage alles romantisieren, was aus der Vergangenheit auf dem Balkan übrig geblieben ist. Daher stelle ich mir die Frage, woher auf einmal der ganze Hype um das Leben auf dem Balkan kommt und wieso die "Balkan Nostalgia" plötzlich auch diejenigen empfinden, die noch nie in Südosteuropa gelebt haben.

Unser Alltag ist jetzt plötzlich cool?

So sieht es aus. Zumindest in den sozialen Medien. Alltägliches für manche ist die "dream aesthetic" für andere. Daran finde ich nichts Schlimmes. Ich meine sogar, seit einiger Zeit werden die Länder in diesem Teil Europas immer populärer, was die internationale Aufmerksamkeit im Internet angeht. Und darüber kann ich mich nur freuen. Der Content spricht uns, die Jugend aus Südosteuropa, deutlich öfter an. Unser Lebensstil wird gefeiert. Viele möchten unsere Heimatländer besuchen und mehr darüber erfahren.

Social Media vs Realität

Es stimmt zwar, dass es bei uns viel Plattenbau gibt, dass viele gerne in Trainingsanzügen herumlaufen und dass es schmale, dunkle Gassen gibt, die wir nachts vielleicht meiden würden. Doch ist das wirklich alles, was die Balkanhalbinsel ausmacht?

Etwas teilweise gesehen haben, heißt noch lange nicht, es zu kennen

Natürlich nicht. Vieles von dem, was du in Instagram oder TikTok sehen wirst, sind bloß Stereotype. Und zwar solche, die scheinbar für ganz Südosteuropa gelten. Das heißt, Klischees, die du zum Beispiel über Kroatien und Serbien hörst, wirst du wahrscheinlich auch über Bulgarien hören, obwohl sie für Bulgarien vielleicht gar nicht gelten. Somit kommt es dazu, dass viele Menschen, die die Balkanländer kaum kennen, alle Staaten in dieser Region als mehr oder weniger identisch sehen. Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Jedes Land auf der Balkanhalbinsel hat nämlich eigene Traditionen, eine eigene Sprache und Vergangenheit, die aufgrund der geografischen Lage eng miteinander verbunden sind. Dies ist jedoch kein Grund ein Stereotyp direkt auf alle Länder in dieser Region zu übertragen.

Durch die rosarote Brille

Siehst du auf Pinterest Wohngebäude mit abblätternder Farbe und alte Treppenhäuser, in denen warmes gelbes Licht einfällt, denkst du wahrscheinlich an eine glückliche vergangene Zeit, die viele dort erlebt haben. Nicht wahr? Es sieht irgendwie gemütlich und gastfreundlich aus. Du wünschst dir vielleicht sogar, deine Kindheit hätte auch so ausgesehen. Genau das vermittelt die "Balkan Childhood Nostalgia". Eine Ästhetik, die eine Kindheit zeigt, welche manche erlebt haben und diese, von der andere träumen.

An sich ist das nichts Schlimmes, ich selbst finde die Bilder auch anlockend. Ich denke mir sogar oft, dass ich manches von dem Gesehenen nie erleben werde, obwohl ich hier wohne und aufgewachsen bin. Die Zeit, in der wir heute leben ist einfach nicht die selbe wie damals. Daher romantisieren wir gerne diese vergangene Zeit. Wir sehen nur den schönen Teil davon und glauben, die Wirklichkeit zu kennen. Was natürlich nicht sein kann, wenn wir sie nicht erlebt haben.

Wer entscheidet was ästhetisch ist?

Eine neue Ästhetik entsteht auf Social Media dann, wenn vielen Menschen eine bestimmte Lebensweise gefällt. Das heißt aber lange nicht, dass dir eine Aesthetic unbedingt gefallen muss, nur weil sie es vielen tut. Ästhetisch bedeutet nicht einfach schön, sondern heißt, dass uns etwas auf eine besondere Art und Weise anspricht. Wir stellen das Gesehene mit etwas Bekanntem in Verbindung und so erscheint es uns plötzlich nicht mehr fremd, auch wenn es uns tatsächlich fremd ist. Daher ist der Zusammenhang sehr wichtig, in dem uns Inhalt in den sozialen Medien angezeigt wird. Siehst du ein Edit zur Balkan aesthetic im Zusammenhang einer schönen Kindheit, wird es dir sicherlich gefallen. Wird es dir aber im Zusammenhang der Armut angezeigt, dann scheint es doch nicht so ästhetisch.

Ästhetik ist subjektiv

Egal in welchem Licht dir auf Instagram oder Pinterest Ästhetiken angezeigt werden, solltest du dem Gesehenen nicht zu hundert Prozent vertrauen. Denn du siehst nur einen Ausschnitt der Realität. Meistens nur das Schöne. Das ist nicht schlimm, denn das Schöne dürfen wir wiederum nicht vergessen. Aber wir sollten auf keinen Fall vergessen, dass wir in den sozialen Medien nicht die gesamte Realität sehen, sondern oft nur ein romantisiertes Bild davon.

Deshalb mein Tipp: lieber auf die eigenen Eindrücke verlassen, statt auf den neusten Ästhetiken und Trends auf Social Media.





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