Nach der Schule schnell noch ein Menü, am Wochenende ein Besuch bei der Lieblingskette: Fast Food gehört für viele von uns einfach dazu. Doch wer öfter dort isst, merkt es am Kassenbon. Das, was früher ein günstiger Snack war, reißt heute ein ordentliches Loch ins Taschengeld. Und trotzdem werden die Läden nicht leerer, sondern voller. Genau dieser Widerspruch macht das Thema so spannend.
Wie stark die Preise wirklich gestiegen sind
Die Zahlen sind deutlich. Laut dem Marktforschungsinstitut Branchenradar haben sich die Verkaufspreise in der Fast-Food-Systemgastronomie zwischen 2020 und 2025 nominell um rund 44 Prozent erhöht. In der klassischen Gastronomie waren es etwa 40 Prozent. Fast Food ist also sogar etwas stärker teurer geworden als das Wirtshaus ums Eck. Ein Teil dieser Erhöhung wird durch Menü-Rabatte und Gutscheine abgefedert, weshalb die tatsächlich gezahlten Preise laut der Beratungsfirma nur um etwa 25 bis 30 Prozent gestiegen sind. Aber auch das ist ein spürbarer Unterschied, gerade wenn das Budget ohnehin knapp ist.„Früher hast du für zehn Euro richtig viel bekommen. Heute reicht das oft gerade für ein Menü“, sagt Valentin Schober, 18, Schüler am Sacré Coeur Wien.
Warum es überhaupt teurer wird
Hinter den höheren Preisen stecken mehrere Gründe. Die Zutaten sind teurer geworden, von Fleisch über Käse bis zu Verpackungen. Auch die Energiekosten für Grill, Fritteuse und Kühlung sind gestiegen. Dazu kommen höhere Löhne für die Angestellten, was grundsätzlich eine gute Sache ist. All diese Kosten geben die Ketten zumindest teilweise an ihre Kundschaft weiter. Das Ergebnis sehen wir dann auf der Speisekarte, wo ein Menü heute oft mehr als zehn Euro kostet, während es vor wenigen Jahren noch deutlich günstiger war.
Der überraschende Boom
Jetzt kommt das eigentlich Erstaunliche. Trotz all dieser Preissteigerungen boomt Fast Food wie nie zuvor. Laut dem Branchenradar Fast Food in Österreich stieg der Umsatz der Branche 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent auf rund 1,378 Milliarden Euro. Besonders die großen Ketten legten kräftig zu. „Insbesondere die System-Gastronomie entwickelte sich überaus dynamisch“, sagt Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von Branchenradar Marktanalyse. Die Erlöse in diesem Bereich, also bei McDonald's, Burger King, KFC und Co, stiegen demnach um 8,4 Prozent auf 1,145 Milliarden Euro.
Warum wir trotzdem hingehen
Der Grund für den Boom liegt paradoxerweise gerade in den hohen Preisen, allerdings woanders. Denn auch das klassische Wirtshaus und das Restaurant sind wie gesagt teuer geworden. Wer heute in einem normalen Lokal isst, zahlt für einen Hauptgang oft ein Vielfaches eines Fast-Food-Menüs. Im Vergleich dazu wirkt der Burger plötzlich wieder günstig, auch wenn er selbst teurer geworden ist. Fast Food profitiert also davon, dass alles andere noch stärker im Preis gestiegen ist. „Im Wirtshaus sitzt man länger und zahlt am Ende oft noch mehr“, sagt Valentin Schober dazu.
Dazu kommen praktische Vorteile: verlässliche Öffnungszeiten, oft täglich, gute Erreichbarkeit und ein Angebot, das man kennt und dem man vertraut. Für viele ist das Menü damit der leistbare kleine Luxus in einer Zeit, in der fast alles teurer wird.
Ein Land voller goldener Bögen
Interessant ist auch, wie dicht das Netz an Fast-Food-Läden in Österreich inzwischen ist. Mit rund 200 McDonald's-Standorten und etwa 22 Filialen pro Million Einwohner hat Österreich laut aktuellen Berechnungen klassische Fast-Food-Länder wie Großbritannien oder Deutschland überholt. In Europa liegt nur Frankreich noch knapp davor. Ketten wie KFC oder Subway eröffnen inzwischen sogar in kleineren Bezirksstädten. Das Angebot wächst also weiter, und mit ihm die Gelegenheiten, schnell und vergleichsweise günstig etwas zu essen.
Nicht alle ziehen daraus aber den gleichen Schluss wie Valentin. „Ich gehe wirklich seltener. Für das Geld bekomme ich manchmal woanders schon etwas Besseres“, sagt Melisa Öztürk, 17, Schülerin am Sacré Coeur Wien.
Wie wir selbst damit umgehen
Zwischen steigenden Preisen und der Bequemlichkeit entscheidet am Ende jeder von uns selbst, wie oft es das Menü sein darf. Für viele ist es schlicht Alltag. „Wenn man mit Freunden unterwegs ist, landet man irgendwie automatisch bei McDonald's oder KFC“, sagt Valentin. Ganz abhalten lässt er sich von den höheren Preisen jedenfalls nicht: „Schon ein bisschen seltener, aber ich gehe trotzdem. Wenn ich Lust drauf habe, ist es mir das wert.“
Für Melisa hat sich dagegen der eigentliche Reiz verändert: „Früher war es schnell und günstig. Jetzt ist es oft nur noch schnell.“ Ohne Gutschein geht sie kaum noch hin. Solche Stimmen zeigen, dass die Preisfrage bei uns durchaus ankommt, den Appetit aber offenbar nicht überall gleich verdirbt.
Der Preis, den wir gerne zahlen
Am Ende bleibt Fast Food genau das, was es für viele von uns immer war: schnell, verlässlich und irgendwie ein kleines Stück Alltag. Nur eben nicht mehr so billig wie früher. Vielleicht ist der eigentliche Grund für den Boom weniger der Burger selbst, sondern das Gefühl, sich in teuren Zeiten wenigstens diese eine Kleinigkeit noch leisten zu können. Und so wandert der Kassenbon in die Tasche, das Menü auf das Tablett, und beim nächsten Mal stehen wir trotzdem wieder in der Schlange.
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