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Dein Lehrer? Im Endeffekt doch auch nur ein Mensch

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Volontär · HLW Hollabrunn
19.11.2025
4 Min.

Jeder von uns verbringt viel Zeit hinter dem Schultisch. Nicht nur die Klassenkameraden prägen dabei das Klima einer Klassengemeinschaft. Nein, auch die Lehrer, die sich jede Stunde abwechseln, tragen einen großen Beitrag dazu bei, wie sich eine Klasse verhält, fühlt und mitarbeitet.

Lehrer sind auch nur Menschen und haben nicht immer gute Laune. (Foto: Pexels/pixabay)

Alle von uns kennen es: Wir wachen in der Früh auf und sind einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden. So etwas passiert jedoch nicht nur Schülern, sondern auch Lehrern, aber wie weit dürfen Lehrer mit ihrer Laune und ihren Emotionen auf die Schüler abfärben? Um dieser Frage mehr Gewichtung zu verleihen, habe ich zwei Mitschülerinnen aus meiner Klasse dazu befragt, um mehrere Perspektiven als nur meine eigene zu haben. Überraschenderweise gaben sie sehr ähnliche Antworten, diese passen gleichzeitig auch in meine Wahrnehmung hinein.

Es ist ein Geben und Nehmen

Unterm Strich kommen wir alle drei auf den Punkt, dass Lehrer natürlich auch nur Menschen sind, sie sich jedoch an ihrem Arbeitsplatz befinden und somit eine gesunde Mitte finden müssen, um damit umzugehen. Wie bereits oben erwähnt, hat nicht jeder immer gute Laune, nichtsdestotrotz wäre es unfair den Schülern gegenüber, den Gemütszustand auf sie zu übertragen.

Weiters kamen wir zu dem Entschluss, dass auch keine Emotionslagen von einer Klasse in die nächste getragen werden sollten, vielmehr sollten Lehrer mit einer möglichst neutralen Einstellung in die nächste Unterrichtsstunde starten. Dabei darf nicht aus den Augen verloren werden, dass natürlich die Schüler auch einen großen Teil dazu beitragen, wie gut ein Lehrer mit seiner ohnedies schlechten Laune umgeht. Somit ist es auf jeden Fall ein Geben und Nehmen, denn wenn der Lehrer unfair behandelt wird, muss er ganz einfach mit Konsequenzen rechnen.

Dafür gibt es keinen Platz an Schulen

Doch was ist, wenn der Lehrer einen unfair behandelt oder gar einzelne Schüler komplett benachteiligt? Auch diese Frage stellte ich mir nicht nur selber, hierbei wurden auch weitere zwei Mitschülerinnen von mir interviewt. Anfangs war es noch eine nette Unterhaltung, diese endeten jedoch jeweils mit wirklich besorgniserregenden Geschichten aus ihren ehemaligen Schulen. Ich durfte in beiden Fällen Ohrenzeuge von zwei Geschichten werden, die mich beide ernsthaft zum Nachdenken brachten, denn ich war eigentlich der Meinung, dass Themen wie Rassismus oder Diskriminierung keinen Platz mehr an Schulen haben, schon gar nicht vom Lehrpersonal.

Um euch nicht weiter auf die Folter zu spannen, würde ich gerne aus einer der beiden Geschichten zitieren und ihr könnt euch dann eure eigenen Gedanken dazu machen.

Schockierende Geschichte einer Mitschülerin

„Es war ein normaler Schultag wie jeder andere. Die Burschen aus unserer Klasse waren wie immer wie die ärgsten Affen. Wir, die Mädels, saßen auf unseren Plätzen. Ein paar der Burschen gerieten wie so oft in eine kleine Rauferei, dann habe ich gesehen, wie sie gemeinsam gegen den Kasten gestolpert sind und dadurch die Tür eingebrochen ist. In der nächsten Stunde hatten wir dann unseren Mathelehrer, der sowieso immer wieder gezielt gegen einen Mitschüler von mir gegangen ist. Für mich macht das jetzt zwar nicht viel aus, aber ich muss es dazu sagen, der Mitschüler, um den es geht, gehört der POC Community (People of Colour) an. Um den weiteren Verlauf verständlicher zu machen, nenne ich ihn von hier an Alex.

Alex war unserem Mathelehrer immer schon ein Dorn im Auge, das hat einfach jeder gemerkt. Natürlich war es jetzt offensichtlich, wen der Lehrer mal wieder beschuldigen wird, den Alex. Am nächsten Tag hat er dann einfach einen Klassenrat einberufen, nur ohne Alex. Er versuchte uns die ganze Zeit gegen Alex aufzuhetzen und uns einzureden, dass sicher er die Schuld an der Beschädigung trägt. Doch unser Zusammenhalt war so stark, dass wir gemeinsam gegen den Lehrer vorgehen konnten und Alex nicht einfach alleine beschuldigt wurde. Im Endeffekt haben wir es sogar geschafft, dass keiner Ärger für den Kasten bekam, dafür aber der Lehrer ein Gespräch mit dem Direktor bekommen hat.“

Mich und alle Mitschüler, die während des Interviews anwesend waren, sind bis heute schockiert. Rassismus und unfaire Behandlung einzelner sollten überhaupt keinen Platz in Schulen oder sonst irgendwo anders haben. Alles in allem teilen wir uns alle die selbe Meinung und das ist sehr schön zu sehen. Sollte jemand aus deiner Klasse nicht gerecht behandelt werden, appelliere ich an jeden Einzelnen einzugreifen, am besten du wendest dich an den Lehrer deines Vertrauens.

Abschließend möchte ich euch unbedingt auf den Weg geben, Lehrer sind auch nur Menschen, sollten aber ihre Rolle niemals ausnutzen. Seid respektvoll zueinander und behandelt die Lehrer so, wie ihr auch selber behandelt werden wollt. Handelt aber auch, wenn es Bedarf dazu gibt. Keiner von euch muss sich selber ins Visier des betroffenen Lehrers stellen, jedoch gibt es immer mehrere Anlaufstellen, die aufgesucht werden können, um so ein Fehlverhalten zu melden.




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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

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