Erst Paris, dann Barcelona. Und wenn noch Geld übrig ist, vielleicht noch ans Meer.
Ich sitze mit dem Handy auf dem Bett und schiebe meine geplante Route hin und her. Paris bekommt ein paar Tage, Barcelona auch. Fürs Meer finde ich bestimmt noch Platz. Auf dem Bildschirm sieht das alles ziemlich machbar aus.
Dann öffne ich die Buchungsseite für ein Hostel. Der Preis wirkt erst ganz okay. Bis ich sehe: pro Nacht. Ich wechsle zum Taschenrechner. Mal sieben, mal vierzehn. Frühstück fehlt noch, Abendessen auch. Und irgendwie muss ich vom Bahnhof zur Unterkunft kommen.
Ich tippe die nächsten Beträge ein. Eben habe ich noch überlegt, welche Stadt zusätzlich auf die Route passt. Jetzt rechne ich, wie viele Tage ich mir überhaupt leisten kann. Barcelona lasse ich vorerst stehen. Das Meer muss warten.
Das Zugticket könnte DiscoverEU übernehmen. Am 1. Oktober startet die nächste Bewerbungsrunde des Angebots aus dem Bildungsprogramm Erasmus+. Es ermöglicht jungen Menschen, auf eigene Faust andere Länder kennenzulernen. Für die Nächte und Mahlzeiten unterwegs brauchen sie grundsätzlich eigenes Geld.
Ein Monat unterwegs, sieben Tage im Zug
Laut Europäischem Jugendportal richtet sich die Herbstrunde an alle, die zwischen dem 1. Jänner und dem 31. Dezember 2008 geboren sind. Auch wer erst im Dezember 18 wird, erfüllt damit die Altersvorgabe. Hinzu kommen Bedingungen zu Staatsangehörigkeit oder Wohnsitz. Österreich gehört zu den teilnehmenden Ländern.
Die Bewerbung läuft vom 1. bis zum 15. Oktober 2026, jeweils ab beziehungsweise bis 12 Uhr mittags. Diese Uhrzeit gilt auch in Österreich. Allein loszufahren ist ebenso möglich wie eine Gruppenbewerbung mit bis zu vier Freund*innen, sofern alle die Voraussetzungen erfüllen.
Für die Reise selbst bleibt Zeit: Der vorgesehene Zeitraum reicht vom 1. März 2027 bis zum 31. Mai 2028. Innerhalb eines Monats stehen sieben Zugreisetage zur Verfügung. Dazwischen bleibt Raum, an einem Ort zu bleiben. Drei Tage durch eine Stadt streifen verbraucht also keine drei zusätzlichen Zugreisetage.
Fünf Fragen vor der Abfahrt
Die Europäische Kommission und ihre Exekutivagentur für Bildung und Kultur stellen für die Herbstrunde geplant rund 40.000 Pässe bereit. Wer sich bewirbt, beantwortet fünf Wissensfragen und eine Schätzfrage. Die Auswahl richtet sich nach den Antworten und den verfügbaren Länderplätzen. Bei gleichem Ergebnis kann auch der Zeitpunkt der Bewerbung entscheiden.
Bei einer Gruppe übernimmt eine Person das Quiz. Die anderen melden sich mit deren Bewerbercode an und tragen ihre eigenen Daten ein. Über die Ergebnisse wollen die Verantwortlichen im Jänner 2027 informieren.
Bis zum möglichen Aufbruch bleibt also Zeit, um herauszufinden, welche Stationen sich mit dem eigenen Budget ausgehen.
Das Hostel fährt auf eigene Rechnung
Die Kostenregeln stehen im Europäischen Jugendportal: Unterkunft, Essen und weitere Ausgaben während der Reise tragen die Teilnehmer*innen grundsätzlich selbst. Eine Rabattkarte bringt Ermäßigungen, etwa bei Unterkünften und Freizeitangeboten. Wie viel sie spart, hängt von den tatsächlich genutzten Angeboten ab.
Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, warum die Reisedauer zählt. Wer für Schlafplatz und Essen zusammen 50 Euro pro Tag einplant, kommt bei zwei Wochen auf 700 Euro. Das ist eine Beispielrechnung, kein erhobener Durchschnittspreis. Je nach Ort, Saison und Unterkunft kann die Summe anders ausfallen. Zusätzliche Ausgaben kommen noch dazu.
Auch bei der Bahn lohnt sich ein Blick auf die Bedingungen. Bis zu vier Sitzplatzreservierungen können Teilnehmer*innen kostenlos über das vorgesehene Buchungssystem erhalten. Schlafplätze in Nachtzügen und Reservierungen für dort nicht angebotene Züge gehören unter anderem zu den Ausnahmen.
Für die Reiseplanung folgt daraus: Zuerst prüfen, was die einzelnen Aufenthalte kosten. Dann entscheiden, wie lange das Geld reicht. Ein kostenloser Pass macht auch eine kürzere Reise möglich. Die vollen 30 Tage auszuschöpfen ist keine Pflicht.
Wenn schon das Startgeld fehlt
Wer kaum Geld zurücklegen kann, steht trotzdem vor einer Hürde. Deshalb gibt es mit DiscoverEU Inklusion einen eigenen Förderweg. Laut der österreichischen Bildungsagentur OeAD richtet er sich an 18- bis 21-Jährige, denen etwa finanzielle, soziale oder gesundheitliche Schwierigkeiten das Reisen erschweren.
Hier organisieren Einrichtungen oder informelle Gruppen junger Menschen die Projekte. Die Förderung umfasst neben Tickets auch Unterkunft, Verpflegung und bei Bedarf Begleitung oder persönliche Assistenz. Interessierte können sich beim OeAD und den regionalen Beratungsstellen informieren. Für diesen Weg läuft ein eigenes Antragsverfahren.
Zur Unterstützung gehört außerdem die Vorbereitung. Eine Route festlegen, Umstiege verstehen, eine passende Unterkunft finden: Für die erste selbst organisierte Reise sind das ziemlich konkrete Fragen.
Wie es nach der Rückkehr weitergehen kann, zeigte ein Treffen vom 4. bis 6. September in Wien. Nach einem Bericht des OeAD tauschten sich dort DiscoverEU-Reisende und ehemalige europäische Freiwillige über ihre Erfahrungen aus. Auf dem Programm standen auch weitere Möglichkeiten, im Ausland aktiv zu werden.
Vor Paris oder Barcelona steht für den Jahrgang 2008 vorerst das Bewerbungsformular. Am 15. Oktober ist schon um zwölf Schluss. Auch wenn der Schultag dann noch läuft.
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