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Das Wahlalter senken? Wir können sehr wohl mit mehr Verantwortung umgehen

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
11.08.2026
4 Min.

Fast 20 Jahre nachdem Österreich als erstes Land Europas das Wahlalter auf 16 gesenkt hat, hat das Parlament nachgerechnet, ob sich das bewährt hat. Für mich stellt sich seit einem Gespräch nach dem Fußballtraining eine andere Frage: Warum eigentlich erst mit 16?

Ab 16 dürfen wir in Österreich wählen. Warum nicht schon früher? (Foto: shutterstock)

Das Training ist gerade vorbei, wir sitzen noch auf der Bank am Rand des Platzes, die Trikots verschwitzt, als das Gespräch irgendwie bei Politik landet. Niko, 18, den ich noch aus meinem alten Verein kenne, hat schon zweimal gewählt. Ich frage ihn, wie sich das eigentlich anfühlt. „Als ich mit 16 zum ersten Mal wählen durfte, hab ich mich eigentlich schon reif genug gefühlt“, sagt er. „Warum sollte das zwei Jahre früher nicht auch gehen?“

Die Frage bleibt hängen, weil sie genau das trifft, was mich seit der Nationalratswahl 2024 beschäftigt. Ich war damals noch nicht 16 und durfte deshalb nicht wählen. In meinem Umfeld wurde trotzdem viel darüber diskutiert, wen wir wählen sollen, und ältere Freunde konnten am Ende tatsächlich ihre Stimme abgeben. Ich habe mitdiskutiert, mir eine Meinung gebildet, wie alle anderen auch. Nur gezählt hat sie am Ende nicht. Damals habe ich zum ersten Mal richtig darüber nachgedacht, warum ein paar Monate beim Alter darüber entscheiden, ob eine politische Meinung überhaupt mitzählt.

Was sich für mich konkret ändern würde

Am deutlichsten wird der Widerspruch für mich beim Thema Wehrpflicht. Politische Entscheidungen legen fest, wie lange Jugendliche später Grundwehrdienst oder Zivildienst leisten müssen. Eine Frage, die die eigene Lebensplanung direkt betrifft. Trotzdem können viele von uns, die bald genau vor dieser Entscheidung stehen, bei der Wahl, die darüber mitbestimmt, noch gar nicht mitreden. Ähnlich ist es bei Schule und Bildung: Wir verbringen fast jeden Tag dort, merken unmittelbar, was funktioniert und was nicht, haben auf die politischen Entscheidungen darüber aber nur wenig Einfluss.

Mein Freund Alex, 18, sieht das anders. Als ich ihn am Telefon darauf angesprochen habe, war er skeptisch. „Ich glaube nicht, dass mit 14 alle schon genug Überblick haben, um das wirklich einzuschätzen“, sagt er. „Ich hab mit 16 auch nicht alles verstanden.“ Was ihn eigentlich stört, ist etwas anderes: „Mich nervt eher, dass sich viele in meinem Alter gar nicht informieren, egal ob sie wählen dürfen oder nicht.“

Bei diesem letzten Punkt gebe ich Alex recht, nur überzeugt er mich damit nicht vom Gegenteil. Dass sich manche nicht informieren, hat mit fehlendem Interesse zu tun, nicht mit dem Alter – und das lässt sich in jeder Altersgruppe beobachten. Konsequent zu Ende gedacht, müsste man auch 40-Jährigen das Wahlrecht entziehen, die sich nicht informieren. Wer politisches Desinteresse bekämpfen will, sollte bei politischer Bildung ansetzen, nicht beim Mindestalter.

Was fast 20 Jahre Wahlrecht ab 16 zeigen

Genau um diese Reife-Frage ging es auch 2007, als Österreich als erstes Land Europas das Wahlalter für alle Wahlen auf 16 senkte. Kritiker:innen befürchteten damals genau das, was Alex heute sagt: zu wenig politische Reife, zu wenig Interesse. Das österreichische Parlament hat die Frage im Mai 2026 selbst noch einmal aufgegriffen und die Wahlforschung der vergangenen zwei Jahrzehnte zusammengefasst. Das Ergebnis: Schon bei der ersten Nationalratswahl 2008, an der 16- und 17-Jährige teilnehmen durften, lag deren Wahlbeteiligung nahe am gesamtösterreichischen Durchschnitt von 79 Prozent. Eine Zusatzstudie der Universität Wien zur Nationalratswahl 2013 bestätigte das im Auftrag des Parlaments noch einmal. Die Befürchtung, junge Menschen würden aus Desinteresse gar nicht erst zur Wahl gehen, hat sich damit nicht bestätigt.

International bleibt Österreich mit Wählen ab 16 bei allen Wahlen aber fast allein. In Europa zieht bislang nur Malta nach, bei einzelnen Regionalwahlen etwa in Estland oder Schottland ist eine Absenkung möglich. In Deutschland wird ab 16 bislang nur bei der Europawahl und einigen Landtagswahlen gewählt. Die Diskussion, ob 14 die nächste sinnvolle Grenze wäre, findet aktuell vor allem außerhalb Österreichs statt, etwa in Deutschland auf Landesebene und bei europäischen Jugendorganisationen.

Wir können mit Verantwortung umgehen

Die Zahlen aus zwei Jahrzehnten Wählen ab 16 sprechen für mich eine klare Sprache: Die Sorge, junge Menschen könnten mit der Verantwortung nicht umgehen, hat sich in der Praxis nicht bestätigt. Genau deshalb sehe ich nicht, warum ausgerechnet bei 16 Schluss sein sollte. Ich würde das Wahlalter auf 14 senken. Nicht, weil ich glaube, dass alle 14-Jährigen politisch perfekt informiert sind – das sind, wie Alex zu Recht anmerkt, auch nicht alle 16- oder 18-Jährigen. Sondern weil ich glaube, dass Verantwortung nicht dadurch entsteht, dass man länger darauf wartet, sondern dadurch, dass man sie früher übernehmen darf.

Als ich Niko nach dem Training gefragt habe, wie sich seine erste Stimmabgabe angefühlt hat, meinte er noch etwas anderes: „Ich hab mit 16 gewählt, aber ehrlich gesagt hat sich das nicht großartig anders angefühlt als heute mit 18.“ Genau das ist für mich der Punkt. Die zwei Jahre zwischen 16 und 18 haben bei ihm nichts verändert. Ich glaube nicht, dass sich zwischen 14 und 16 etwas grundlegend anderes abspielt.

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