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Das Packerl wird teurer, die Aktie billiger

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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28.09.2026
4 Min.

Seit 1. September ist der Onlinehändler Shein an der Börse in Hongkong notiert. Am ersten Handelstag fiel die Aktie um rund zehn Prozent unter den Ausgabepreis, Mitte September lag sie zeitweise gut ein Viertel darunter. Der Konzern ist an der Börse rund 26,5 Milliarden Dollar wert. Vor vier Jahren bewerteten ihn Investor*innen noch mit etwa 100 Milliarden.

Seit 1. Juli kostet jede Warenart darin drei Euro Zoll, die Shein-Aktie liegt deutlich unter dem Ausgabepreis. (Foto: Wikimedia Commons)

48 Hongkong-Dollar und 56 Cent, umgerechnet rund 6,20 US-Dollar. So viel kostete eine Shein-Aktie beim Börsengang am 1. September. Noch am selben Tag rutschte sie auf etwa 43 Hongkong-Dollar ab, berichtet Retail News.

Die Kleidung von Shein kennen die meisten von uns. T-Shirts um drei Euro, Hosen um zwölf, Ohrringe fast gratis. Die Aktie hat mit diesem Image wenig gemein. Sie ist billig geworden, weil das Geschäftsmodell dahinter teurer wird.

In unserer Klasse haben 12 von 24 Schüler*innen in den vergangenen zwölf Monaten bei Shein bestellt. Jede*r Zweite also.

Eine davon ist Laura Berger, 17, Schülerin am Sacré Coeur Wien. „Ich bestell dort meistens so Kleidung, also Tops, Hosen oder manchmal auch irgendwelche Sachen für mein Zimmer. Nicht jeden Monat, eher wenn ich mehrere Sachen brauch oder was Bestimmtes such“, sagt sie. „Seit Juli hab ich schon gemerkt, dass es teilweise teurer wird.“

Warum ausgerechnet seit Juli, darauf kommen wir noch.

Von 100 auf 26,5 Milliarden Dollar

Im Jahr 2022 sammelte Shein bei privaten Geldgeber*innen Kapital ein. Damals galt das Unternehmen als rund 100 Milliarden Dollar wert. Zum Börsengang waren es noch 26,5 Milliarden, so Quartz.

Ein Rechenbeispiel: Wer 2022 zu diesem Preis 100 Euro in Shein gesteckt hätte, hielte zum Börsengang Anteile im Wert von rund 26,50 Euro. Fast drei von vier Euro wären weg.

Auch wer erst beim Börsengang eingestiegen ist, liegt im Minus. Mitte September fiel die Aktie auf 35,86 Hongkong-Dollar, laut Stockanalysis der bisher tiefste Stand. Aus 100 Euro wurden in zwei Wochen rund 74 Euro.

Ein Paket nach dem anderen

Um den Absturz zu verstehen, hilft ein Blick auf das Geschäftsmodell. Shein gehört zur sogenannten Fast Fashion, also Mode, die in wenigen Wochen vom Entwurf im Onlineshop landet und billig verkauft wird. Produziert wird vor allem in der Provinz Guangdong in Südchina.

Der Trick lag im Versand. Shein schickte jede Bestellung als einzelnes Paket aus China an die Kund*innen. Solche Kleinsendungen waren lange zollfrei, in der EU bis zu einem Warenwert von 150 Euro, in den USA bis 800 Dollar. Europäische Händler, die ihre Ware in Containern importieren, zahlten dagegen Zoll.

Diesen Vorteil gibt es nicht mehr.

Die Zollwende

Zuerst kamen die USA. Seit Mai 2025 fallen dort auf Waren aus China Zölle zwischen 10 und 87,5 Prozent an, berichtet Der Aktionär. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz von Shein in den USA um 14,3 Prozent.

Dann zog die EU nach. Seit 1. Juli kostet jede Kleinsendung aus Drittländern drei Euro Zoll, und zwar pro Warenart, so der Handelsverband. Das ist der Aufpreis, den Laura bemerkt hat.

Ein Rechenbeispiel: Wer ein Top, eine Hose und ein Paar Ohrringe bestellt, hat drei Warenarten im Packerl. Das macht neun Euro Zoll. Bei einer Bestellung um 20 Euro ist das fast die Hälfte dazu.

Ab November könnte laut Handelsverband eine weitere Gebühr von zwei Euro pro Sendung dazukommen. Endgültig beschlossen ist sie noch nicht.

Für den heimischen Handel ist der Zoll ein Erfolg. „Der EU-weite Pauschalzoll ist ein wichtiger Schritt, damit Europa nicht länger der Wilde Westen des globalen Onlinehandels ist“, schreibt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, in einer Presseaussendung.

Wie viel Geld aus Österreich zu Shein fließt, zeigt eine Zahl des Verbands. Österreicher*innen kauften 2025 bei SheinWaren um 192 Millionen Euro. Bei Temu waren es 646 Millionen.

Das Wachstum bremst

Die Folgen stehen im Börsenprospekt. 2025 wuchs der Umsatz von Shein noch um acht Prozent auf 41,8 Milliarden Dollar. Ein Jahr davor waren es 20,7 Prozent.

Der Gewinn fiel im selben Jahr um 38,7 Prozent auf 2,06 Milliarden Dollar. Und im ersten Quartal 2026 schrieb der Konzern erstmals Verluste: minus 99 Millionen Dollar. Ein Jahr davor stand im selben Quartal ein Gewinn von 395 Millionen.

Von jedem Dollar Umsatz blieben im ersten Quartal knapp drei Cent als operativer Gewinn übrig.

Warum ausgerechnet Hongkong

Eigentlich wollte Shein woanders an die Börse. Das Unternehmen versuchte es zuerst in New York, dann in London. Beide Pläne scheiterten, auch wegen der Nähe zu China und Fragen zu den Arbeitsbedingungen in der Lieferkette.

2021 verlegte Shein seinen Firmensitz nach Singapur. Beim Börsengang in Hongkong klang das anders. „Guangdong ist die Wurzel von Shein und der Ausgangspunkt unserer Reise“, sagte Gründer Sky Xu laut einem Bericht von Yahoo Finance. Das ist Unternehmenskommunikation zum Börsenstart.

Auch in Europa steht Shein unter Beobachtung. Im Februar 2026 leitete die EU-Kommission eine Untersuchung wegen illegaler Produkte auf der Plattform ein.

Ein teurer Börsengang

Mit dem Börsengang nahm Shein 1,74 Milliarden Dollar ein. Gleichzeitig musste der Konzern frühere Geldgeber*innen entschädigen, weil deren Anteile durch den niedrigen Preis an Wert verloren. Laut Der Aktionär kostete das rund 3,5 Milliarden Dollar, also fast doppelt so viel, wie der Börsengang einbrachte.

Gary Ng, Ökonom bei der französischen Bank Natixis, meinte laut Yahoo Finance, Shein habe sein „goldenes Zeitfenster“ für den Börsengang wohl verpasst.

Was die Profis erwarten

Viel Zuversicht gibt es bisher nicht. Auf Investing.com findet sich derzeit ein einziges Kursziel, und das liegt bei 26 Hongkong-Dollar, deutlich unter dem aktuellen Kurs. Eine Dividende zahlt Shein nicht.

Wer an die Aktie glaubt, setzt auf ein neues Modell ohne Zollvorteil. Mehr Lager in Europa, höhere Preise, eigene Marken. Ob das klappt, zeigen erst die nächsten Quartalszahlen.

Zurück in die Klasse

Seit Juli, also in knapp drei Monaten, haben 5 von 24 Mitschüler*innen bei Shein bestellt.

Das Packerl kostet mehr. Die Aktie weniger. Und Laura rechnet inzwischen nach: „Bei kleinen Sachen denk ich mir noch nicht so viel, aber wenn man mehrere Sachen bestellt, merkt man den Unterschied schon.“


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