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Das mache ich später: Was kann an diesem Satz so besonders sein?

Ein banaler Satz und dennoch wollen meine Gedanken nicht aufhören, um ihn zu kreisen. Was steckt in ihm?

Etwas kann warten. Bloß was? Und was nicht? (Foto: Shutterstock)

Heute bin ich wacher durch den Tag gegangen und habe mich bemüht, auf meiner Umgebung zu achten. Es gibt drei Ereignisse, die mir besonders aufgefallen sind, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht von Bedeutung sind.

Die Dame vor mir an der Kasse

Ich warte vor der Kasse im Lebensmittelgeschäft. Eine Dame zählt vorsichtig ihr Kleingeld ab. Sie legt jedes Münzstück einzeln auf ihre flache Hand, bevor sie es auf den Kassenpult legt.

Inzwischen hat sich hinter mir Unruhe breitgemacht. Jemand stöhnt leise und noch einer trommelt mit den Zehen nervös auf den Boden. Selbst ich kann spüren, wie ich ständig zur Seite schaue, als würde ich damit etwas beschleunigen können.

Diese Dame lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie nimmt jede einzelne Münze mit derselben Sorgfalt und Ruhe zur Hand und dreht sie kurz um, bevor sie sie ablegt.

Während sie fertig ist und ihre Schachtel nimmt und weitergeht, bleibe ich stehen und spüre, wie sehr ich mich aufregen konnte, dabei hat sich wirklich gar nichts ereignet.

Alle schauen runter

Während meiner Busfahrt von der Arbeit nach Hause ist es ruhig. Nicht, weil wenige Menschen anwesend sind, sondern weil alle am Smartphone hängen, während die Landschaft draußen an ihnen vorbeirauscht.

Einige tragen sogar Kopfhörer, andere durchsuchen Videos. Ein Typ blättert immer wieder schnell nach oben, als wollte er etwas finden. Lediglich das leise Brummen des Busses und das leise Lachen auf Videos ist zu hören.

Für einen kurzen Augenblick blicke ich hoch und versuche, jemanden zu finden, der aus dem Fenster schaut. Niemand. Ich bin der einzige, der den Kopf gehoben hat.

Ich schaue auch wieder nach unten, einfach weil es für mich Gewohnheit geworden ist.

Dieser eine Satz, der einfach nicht mehr loslässt

Nachmittags höre ich von der Seite einen Mann sagen: „Ich mache das später.“ Sein Tonfall ist ganz normal. Nichts Besonderes ist daran.

Seine Gesprächspartnerin nickt nur kurz, der Dialog geht weiter, als würde dieser Satz keine besondere Bedeutung haben. Niemand denkt darüber nach, niemand will wissen, wann dieses „Später“ stattfinden soll und was es überhaupt ist, das er später machen will.

Dennoch bleibt der Satz bei mir hängen. Warum eigentlich. So oft habe ich ihn selbst schon verwendet, denke ich, als ich weiter gehe. Das mache ich später. Was in meinem Leben sollte ich vielleicht aufschieben, frage ich mich, und was sollte ich besser jetzt gleich tun? Was kann ich aufschieben, was nicht? Was, mit dem ich rechne, wird sich vielleicht verzögern?

Da habe ich schon vergessen, wer den Satz zu wem gesagt hat, und dennoch ist er noch da.

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