„Der Marius ist langweilig und schüchtern, mit ihm ist's fad!“ Solche Vorurteile gegenüber introvertierten Kindern und Jugendlichen führen besonders in Schulen oft dazu, dass sie ausgegrenzt werden. Passen sie wirklich nicht in unsere Gesellschaft oder sollten wir lieber unsere Vorurteile ablegen?
Die Klasse ist wie ein kleiner Spiegel der Gesellschaft. Manche sprechen gerne und suchen Aufmerksamkeit, andere meiden sie. Weil diese nicht gerne oder gut im Vordergrund stehen, werden sie oft von den Mitschülern übersehen oder ausgeschlossen.
Vorurteile und Ausgrenzung in der Schule
Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation zufolge gaben etwa elf Prozent der Jugendlichen an, dass sie sich in der Schule gemobbt oder ausgeschlossen fühlen. Das bedeutet: mindestens ein bis drei Schüler pro Klasse.
Wie kann man solche Ausgrenzungen verhindern? Sollen wir Betroffenen überhaupt helfen? Die Antwort kann nur "Ja!" lauten.
Respektvolles Miteinander fördern
Um Ausschließungen zu vermeiden, ist es wichtig, ein respektvolles Miteinander zu fördern. Jeder Schüler sollte die Möglichkeit haben, sich auf seine eigene Weise einzubringen. Lehrkräfte können dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie könnten zum Beispiel einen festen Raum schaffen, in dem jeder regelmäßig – einmal pro Woche oder Monat – ein Gespräch zu zweit führen kann. So lernen die Schüler sich besser kennen und merken vielleicht, dass manche nicht langweilig sind, sondern einfach nicht gerne reden. Das kann helfen, Ausschließungen zu verhindern.
Warum schließen wir andere aus?
In meiner früheren Klasse gab es einen Jungen. An sich war er normal, doch manche fanden sein Verhalten nervig. Er war keine introvertierte Persönlichkeit, im Gegenteil. Er gehörte zu den Extrovertiertesten in der Klasse. Er redete ununterbrochen, summte vor sich hin und störte beim Lernen. Anfangs war ich nett zu ihm und wollte helfen, weil andere ihn oft ausgeschlossen hatten. Später wollte aber auch ich nichts mehr mit ihm zu tun haben, es ist also nicht immer leicht, zu helfen.
Erfahrungen mit Mobbing und Schutz
Ungefähr im dritten Schuljahr begannen die Jungen aus unserer Klasse und der Parallelklasse, ihn nicht nur zu beleidigen, sondern auch körperlich anzugreifen. Wir Mädchen bekamen das mit und meldeten es mehrmals bei den Lehrkräften. Zum Glück griffen sie ein und halfen, die Situation zu stoppen.
Nach diesem Gespräch mit der ganzen Klasse wurde mir klar, dass ich ihn zwar nicht mobbte, aber auch nicht aktiv vor den anderen schützte. Also begannen einige von uns, darunter auch ich, ihn zu unterstützen und langsam mehr mit ihm zu reden. Wir bezogen ihn in unsere Gespräche ein und merkten, dass er vielleicht nervige Angewohnheiten hatte, aber auch eine lustige Person war. Nach diesem Gespräch begann er, uns zu verstehen und mehr Rücksicht zu nehmen. So konnte er sich bis zum Ende der vierten Klasse in unserer Klasse wohlfühlen.
Vielfalt in der Klasse als Spiegel der Gesellschaft
Das Klassenzimmer zeigt, wie bunt unsere Gesellschaft ist: Jeder ist anders. Aber niemand sollte andere nur deshalb ausschließen, weil sie anders sind. Denn was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.
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