„T-Shirt? Nein, 14 Grad sind doch zu kalt. Dann lieber einen Pulli. Aber wenn es am Nachmittag über 20 Grad hat, schwitze ich wieder. Also doch T-Shirt. Und eine Jacke?“
Ich stehe vor meinem offenen Kleiderschrank, rede mit mir selbst und schaue schnell aus dem Fenster. Sonne. Vielleicht wird es ja doch warm. Ich sehe noch einmal auf die Wetter-App: 14 Grad am Morgen, über 20 Grad am Nachmittag. Ich seufze. Am Ende ziehe ich Jeans, T-Shirt und eine leichte Jacke an.
Fünf Minuten später, auf dem Weg aus dem Haus, frage ich mich schon, warum ich eigentlich eine Jacke brauche.
Der September hat seine eigene Kleiderordnung. Sie besteht aus Übergangsjacken, T-Shirts, Pullis, Sneakern und der ständigen Frage: „Brauche ich das heute wirklich?“
Morgens Herbst, mittags Sommer
Als ich morgens zur Schule gehe, bin ich mit meiner Jacke noch ganz zufrieden. Es ist frisch, die Sonne steht tief und ohne sie wäre es mir wahrscheinlich zu kalt.
Ein paar Stunden später sieht die Sache anders aus. In der Pause ziehe ich die Jacke aus und trage sie über dem Arm. Mittlerweile ist es warm geworden. Ich sehe mich um und entdecke genau das, was ich selbst gerade mache: Jemand läuft noch im Pulli herum, eine andere Person trägt ein T-Shirt, jemand hat die Jacke längst in die Tasche gestopft. Ich finde es jedes Jahr wieder erstaunlich, wie unterschiedlich sich derselbe Septembertag anfühlen kann. Mittags bereue ich meine Jacke. Abends bin ich meistens froh, dass ich sie dabeihabe.
Mein Kleiderschrank kennt keine Übergangszeit
Eigentlich müsste ich im September einen eigenen Bereich für „Vielleicht brauche ich das später“ haben. Im Sommer ist die Entscheidung einfacher. Ich greife morgens nach einem Top oder T-Shirt und bin fertig. Im Winter weiß ich meistens schon beim Aufstehen, dass ich eine dicke Jacke brauche.
Aber September? Da stehe ich vor meinem Kleiderschrank und versuche herauszufinden, wie sich 14 Grad am Morgen und 22 Grad am Nachmittag in einem einzigen Outfit unterbringen lassen. Ich nehme deshalb meistens etwas mit, das ich später ausziehen kann. Einen Pulli über dem T-Shirt oder eben eine Jacke, die ich zur Not in die Tasche stopfen kann. Das Problem: Meine Tasche ist irgendwann voller Kleidung, die ich gerade nicht brauche.
Jeder hat gerade eine andere Jahreszeit
Je öfter ich im September unterwegs bin, desto mehr fällt mir auf, dass ich damit nicht alleine bin.
Auf dem Weg sehe ich Menschen in kurzen Hosen, während andere schon ihre dickeren Jacken ausgepackt haben. Einer trägt noch Sandalen, jemand anderes schon die ersten Herbstschuhe. Ich selbst entscheide morgens nach der Wetter-App und ändere meine Meinung spätestens am Mittag wieder.
Das ist genau das Interessante am September: Es gibt keinen gemeinsamen Moment, an dem plötzlich alle beschließen, dass jetzt Herbst ist. Für mich fühlt sich der Sommer noch nicht ganz vorbei an. Gleichzeitig freue ich mich schon wieder darauf, meine Lieblingspullis aus dem Schrank zu holen.
Die Jacke gewinnt meistens
Meine leichte Jacke hat deshalb im September fast immer einen festen Platz dabei. Morgens ziehe ich sie an, mittags trage ich sie über dem Arm und abends bin ich froh, dass ich sie nicht zu Hause gelassen habe.
Neulich bin ich nach einem langen Tag nach Hause gegangen. Den ganzen Nachmittag hatte ich meine Jacke kaum gebraucht. Jetzt wurde es langsam kühler und ich habe sie wieder angezogen. Da musste ich an meinen Kleiderschrank vom Morgen denken. Ich hatte fast alles richtig gemacht. Nur wissen konnte ich es eben erst am Abend.
Vielleicht ist das die eigentliche Kleiderordnung im September: Ich weiß morgens nie, welche Jahreszeit ich abends tragen werde.
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