Das hier ist mein Arm. Ich bräune ihn, obwohl ich weiß, wie schlecht das ist

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Volontärin · BRG Kufstein
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03.09.2026
3 Min.

Je höher der UV-Index, desto besser für die Bräune? Für mich und meine Freunde war eine hohe Zahl lange ein Grund, zum See zu fahren. Obwohl ich weiß, was starke UV-Strahlung mit der Haut machen kann, denke ich noch immer zuerst an meine Bräune.

Mein Arm nach drei Wochen Tanning Oil und UV-Index 9. Was man auf dem Foto nicht sieht: wie oft er dafür rot war, bevor er braun wurde. (Foto: Mathilda Pavlov )

„Boah, morgen UV-Index 9, auf zum See!“ Dazu ein Screenshot der Wettervorhersage, ein Sonnen-Emoji, drei Ausrufezeichen. Ich antworte sofort mit einem Daumen hoch. Kein Gedanke daran, ob das gut oder schlecht für mich ist. Nur die Frage: Welche Uhrzeit, welches Handtuch, wer bringt das Tanning Oil mit?

Für alle, die es vielleicht nicht wissen: Der UV-Index zeigt an, wie stark die ultraviolette Strahlung der Sonne an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit ist. Die Skala reicht von 0 bis 11+, wobei höhere Werte eine stärkere UV-Belastung bedeuten. Ab einem UV-Index von 8 gilt die Strahlung als sehr hoch. Für uns bedeutet eine hohe Zahl trotzdem vor allem eines: gute Bedingungen zum Bräunen.

So läuft das bei uns seit Juni. Nicht der Wetterbericht entscheidet, ob wir an den See gehen, sondern der UV-Index. Je höher die Zahl, desto besser der Plan.

Öl statt Sonnencreme

Ich schmiere mich mit Öl ein, obwohl auf der Flasche kein Lichtschutzfaktor steht, weil Öl die Bräune angeblich schneller bringt. Ich weiß, dass das schlecht für meine Haut ist. Ich mache es trotzdem. Damit es für alle klar ist: Ein UV-Index von 9 ist sehr hoch.

Warum ich trotzdem so denke, erklärt eine Studie der Universität Heidelberg aus dem Jahr 2019 mit dem Titel „Gebräunte Haut als Schönheitsideal“, veröffentlicht in den Heidelberger Jahrbüchern Online. Sie hat bundesweit untersucht, wie Menschen zu gebräunter Haut stehen, und dabei etwas Auffälliges gefunden: Wer gebräunte Haut besonders schön findet, kennt die Risiken der UV-Strahlung meist schlechter, verhält sich beim Bräunen riskanter und geht öfter in die Sonne oder ins Solarium.

Genau das beschreibt mich und meine Freunde ziemlich gut. Auf Social Media, in der Schule, am See: Wer braun ist, sieht gesund und sportlich aus, als hätte er einen coolen Sommer gehabt. Wer blass bleibt, wirkt fast, als hätte er etwas verpasst. Und je stärker die UV-Strahlung, desto schneller kann die Haut braun werden, aber auch einen Sonnenbrand bekommen.

Die Kontrolle beim Hautarzt

Vor ein paar Wochen war ich mit meiner Mutter beim Hautarzt, zu ihrer jährlichen Kontrolle. Ich saß nur daneben, wollte eigentlich gar nichts sagen. Doch meine Mutter drehte sich zu mir und dann zum Arzt und sagte: „Sagen Sie ihr doch bitte, wie schlimm es ist, sich in der Mittagshitze zu bräunen.“

Der Arzt schaute mich an, dann auf seinen eigenen Unterarm, und erzählte, statt mich einfach zu belehren, seine eigene Geschichte. Er sei als junger Mann in Griechenland aufgewachsen, habe mit seinen Freunden stundenlang auf dem Boot gesessen, sich mit Olivenöl eingecremt und in die Mittagssonne gelegt. Genau wie ich jetzt. Die Sonnenbrände, die er sich dabei holte, taten damals so weh, dass er sie kaum ertragen konnte. Manche waren so stark, dass seine Haut noch heute Narben davon trägt, Jahrzehnte später sichtbar auf seinem Arm.

Er sagte das nicht dramatisch, eher nüchtern, fast so, als würde er über jemand anderen sprechen. Aber genau das hat mich getroffen. Er war ich, nur dreißig Jahre früher.

Was bleibt hängen, was nicht

Ich bin nicht nach diesem Termin nach Hause gefahren und habe mein Tanning Oil weggeworfen. Am Wochenende danach war ich wieder am See, wieder bei UV-Index 8. Aber seitdem denke ich beim Eincremen kurz an den Satz vom Arzt, bevor ich weitermache wie immer.

Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied zwischen meiner Generation und der meiner Mutter. Sie wusste in den Achtzigern oft gar nicht, was Sonne mit der Haut macht. Ich weiß es, checke trotzdem jeden Abend den UV-Index, so wie andere den Wecker stellen.

Am See, ein paar Tage später

Hanna liegt neben mir, dreht ihren Arm ins Licht und sagt: „Guck mal, ich glaub, ich hab schon fast deine Farbe.“ Ich schaue an meinem eigenen Arm hinunter. An der Stelle, wo die Uhr war, ist die Haut noch hell. Der Rest ist braun.

Ich denke an den Arm des Arztes. Und dann daran, dass ich morgen wieder auf mein Handy schauen werde, um zu sehen, wie hoch der Index ist.


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