Als ich heute auf dem Weg nach Hause war, hörte ich schon von Weitem laute Stimmen. Als ich näherkam, sah ich einen Mann und eine Frau mitten auf dem Gehsteig stehen. Der Mann war vielleicht Mitte dreißig, hatte dunkle, zerzauste Haare und trug eine schwarze Lederjacke, die er offenbar hastig übergezogen hatte. Neben ihm stand eine Frau mit langen braunen Haaren und einem hellen Mantel, dessen Gürtel locker herunterhing. Beide wirkten aufgebracht. Der Mann gestikulierte wild mit den Händen, während die Frau ihn mit verschränkten Armen ansah. Ich wollte eigentlich einfach weitergehen, aber irgendetwas an ihrem Streit hielt mich zurück.
„Du hörst mir überhaupt nicht zu!“, rief die Frau plötzlich. Ihre Stimme klang genervt, aber gleichzeitig auch irgendwie traurig. Der Mann schüttelte den Kopf. „Weil du jedes Mal das Gleiche machst!“, antwortete er laut. Einige Leute drehten sich nach ihnen um. Ein älterer Mann ging einfach weiter, während zwei Jugendliche stehen blieben.
Ich blieb ein paar Meter entfernt stehen. Ich konnte nicht genau verstehen, worum es ging. Die Frau wurde immer lauter und ihre Stimme begann zu zittern. Der Mann war zuerst noch wütend, doch plötzlich wurde er leiser. Er sah kurz auf den Boden und sagte: „Ich wollte einfach nur, dass du mich einmal verstehst.“
Für einen Moment war es ganz still. Die Frau sagte nichts mehr. Sie sah ihn an und plötzlich wirkte sie nicht mehr wütend. Eher überrascht. Dann sagte sie leise: „Das hast du mir nie gesagt.“
Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Kurz danach gingen die beiden langsam in dieselbe Richtung weiter. Diesmal stritten sie nicht mehr. Ich setzte meinen Weg fort, aber der Satz des Mannes ging mir nicht aus dem Kopf.
Bis dahin hatte ich nur zwei Menschen gesehen, die sich laut stritten. Erst in diesem Moment merkte ich, dass man von außen eigentlich nie weiß, was wirklich hinter einem Streit steckt.
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