" Hast du das Video von Lisa gesehen? Volle krass, oder? So eine Bitch!"
Natürlich habe ich es gesehen, man konnte jja gar nicht wegschauen. Es war im Klassenchat, auf Instagram und Snapchat. Einfach überall. Und Lisa?Sie war heute nicht in der Schule, wie so oft die Wochen davor. Es war nicht das erste Video oder Foto von ihr im Netz. Und dann die Kommentare dazu." So eine wie dich braucht die Welt nicht", "Fette Sau" oder " Stirb doch einfach". Wer weiß, ob sie überhaupt wieder kommt.
Cybermobbing bezeichnet das absichtliche Beleidigen, Bloßstellen, Bedrohen oder Belästigen anderer in sozialen Medien. Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat sowie Online-Spiele und Messenger-Dienste wie WhatsApp gehören dazu.
Klassisches Mobbing endet meist auf dem Schulhof, im Turnverein oder auf dem Schulweg. Cybermobbing dagegen hört nicht auf. Die Angreifer greifen rund um die Uhr an, und Smartphone oder Computer, die eigentlich zur Kommunikation dienen, werden zur Quelle der Angst.
Beleidigende Nachrichten
Cybermobbing zeigt sich auf verschiedene Weise. Täter verschicken beleidigende Nachrichten, verbreiten Gerüchte oder veröffentlichen peinliche Fotos. Manche Täter erstellen falsche Profile, um andere zu verletzen oder lächerlich zu machen.
Viele unterschätzen die Folgen von Cybermobbing. Ein beleidigender Kommentar wirkt auf den ersten Blick harmlos, doch wenn mehrere hundert Menschen diesen Kommentar liken, weiterverbreiten oder unterstützen, entsteht mit der Zeit eine große Belastung. Besonders Hasskommentare schaukeln sich oft auf und erdrücken die betroffene Person seelisch.
Bleibende Hasskommentaren
Ein großes Problem besteht darin, dass Kommentare im Netz lange sichtbar bleiben. Selbst wenn die betroffene Person die Löschung veranlasst oder der Beitrag beziehungsweise das Bild entfernt wird, existieren oft noch Screenshots oder Kopien davon.
Diejenigen, die Hasskommentare schreiben oder Gerüchte verbreiten, fühlen sich im Netz sicher und profitieren von der Anonymität. Sie trauen sich wahrscheinlich nie, der anderen Person ins Gesicht zu sagen, was sie im Internet schreiben. Die Hemmschwelle sinkt online, sodass Beleidigungen oft grausam werden.
Hilflos, traurig und ausgeschlossen
Außerdem begrenzt das Internet die Personenanzahl nicht. Innerhalb weniger Minuten erreichen Kommentare oft Hunderte von Menschen, die sie lesen oder Fotos sehen.
Die Auswirkungen reichen bis ins reale Leben. Betroffene fühlen sich hilflos, angreifbar, traurig und ausgeschlossen. Sie haben Angst, ihr Handy zu benutzen, leiden oft an Schlafproblemen oder ziehen sich zurück.
Psychische Belastungen mit Folgen
Meist verschlechtern sich auch die schulischen Leistungen. Wer ständig Angst hat, kann sich nicht konzentrieren oder geht erst gar nicht zur Schule aus Furcht, dort erneut verspottet zu werden.
In schweren Fällen führt Cybermobbing zu Depressionen, psychischen Problemen oder sogar zu Selbstmordgedanken. Deshalb dürfen die Auswirkungen niemals unterschätzt oder als Spaß angesehen werden, andere zu mobben.
Viele Gründe
Die Gründe für Cybermobbing sind unterschiedlich und oft schwer zu verstehen. Manche suchen Aufmerksamkeit oder möchten sich stark und überlegen fühlen. Bei einigen spielen Neid, Wut oder Gruppenzwang eine Rolle. In sozialen Medien herrscht oft die Angst, selbst gemobbt zu werden, und das Motto lautet, Angriff ist die beste Verteidigung.
Hilfe suchen ist wichtig
Ein großes Thema ist die Anonymität und Distanz, da die Gegenüber nicht persönlich gesehen werden und nicht bemerkt wird, wie sehr andere mit Worten oder Handlungen verletzt werden. Dieses Verhalten zeigt Unsicherheit und mangelndes Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mitmenschen.
Wichtig ist, sich jemandem anzuvertrauen, Eltern, Freunden oder Lehrkräften. Dieser Schritt hilft, das Problem zu lösen.
Es ist sinnvoll, Vorfälle zu dokumentieren, indem Betroffene Fotos oder Screenshots erstellen, um später nachweisen zu können, was passiert ist. Außerdem sollten sie Täter blockieren und auf den jeweiligen Plattformen melden.
Betroffene sollten nicht auf Provokationen reagieren, denn das schaukelt die Situation nur auf. Sie sollten sachlich alles dokumentieren und sich dann an eine Vertrauensperson wenden.
Die Schulen und die Zuschauer
Auch Schulen können ihren Beitrag leisten. Informationsveranstaltungen, Workshops und Gespräche über den verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien helfen, das Bewusstsein für dieses Problem zu stärken. Ebenso sollten Schüler wissen, an wen sie sich wenden können, falls sie von Cybermobbing betroffen sind oder mitbekommen, wenn andere betroffen sind. Oft gibt es nämlich nicht nur Täter und Opfer, sondern auch Zuschauer. Auch sie können Betroffene unterstützen, beleidigende Inhalte melden und deutlich zeigen, dass Cybermobbing nicht akzeptiert wird.
Cybermobbing ist ein unsichtbares Problem, das reale Folgen nach sich zieht. Die Angreifer handeln hinter dem Bildschirm, die Verletzungen sind jedoch echt. Deshalb dürfen Beleidigungen, Gerüchte oder Hasskommentare niemals als Spaß abgetan werden.
Gemeinsam gegen Cybermobbing
Jeder Beitrag im Netz wirkt sich auf andere aus. Hinter jedem Profil steckt ein Mensch mit Gefühlen, Problemen und Sorgen.
Jeder kann etwas gegen Cybermobbing tun. Betroffene können sich Hilfe suchen, Schulen können aufklären und eingreifen, Zuschauer können entgegenwirken oder Probleme melden. So trägt jeder dazu bei, dass das Internet ein sicherer Ort bleibt, an dem Hass keine Chance hat und jeder Respekt und Menschlichkeit verdient. Es gilt immer, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.
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