Marcel Hirscher hat seinen großen Traum noch nicht aufgegeben. Am 28. Juni 2026 bestätigte der achtfache Gesamtweltcupsieger dem ORF, dass er weiter an einem Comeback im alpinen Ski-Weltcup arbeitet. Der 37-Jährige trainiert nach eigenen Angaben 20 bis 25 Stunden pro Woche und will wieder auf Schnee zurückkehren. Sein Blick richtet sich auf die kommende WM-Saison 2026/27. Noch fehlen ihm nach eigener Einschätzung rund zehn Prozent – vor allem bei Kraft und Symmetrie.
Damit ist die wichtigste Frage für die Zukunft gestellt: Schafft es eine der größten Skilegenden der Geschichte tatsächlich noch einmal zurück in den Weltcup?
Vom Nachwuchsfahrer zum Seriensieger
Marcel Hirscher wurde am 2. März 1989 in Hallein geboren. Der Salzburger prägte den alpinen Skisport über Jahre und stellte dabei zahlreiche Rekorde auf. Achtmal in Folge gewann er den Gesamtweltcup – von der Saison 2011/12 bis 2018/19. Insgesamt feierte er 67 Weltcupsiege und stand 138-mal auf dem Podest. Dazu kommen zwei Olympiasiege und sieben Weltmeistertitel.
Seine größten Erfolge feierte Hirscher vor allem im Slalom und Riesenslalom. Seine Kombination aus Geschwindigkeit, technischer Präzision und enormem Trainingsaufwand machte ihn zu einem der dominantesten Fahrer seiner Generation.
Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang gewann Hirscher schließlich auch das lange ersehnte Olympia-Gold. In der alpinen Kombination setzte er sich gegen Alexis Pinturault und Victor Muffat-Jeandet durch.
Bei der Weltmeisterschaft 2019 in Åre folgte ein weiterer Höhepunkt. Hirscher gewann den Slalom. Wenige Monate später beendete er seine aktive Karriere.
Der überraschende Rücktritt
Am 4. September 2019 erklärte Hirscher seinen Rücktritt. Nach Jahren auf höchstem Niveau wollte er sich neuen Aufgaben widmen. Sein Abschied beendete eine außergewöhnliche Ära im österreichischen Skisport.
Ganz loslassen konnte Hirscher den Skisport allerdings nie. Er blieb dem Skifahren verbunden und gründete unter anderem seine eigene Skimarke Van Deer.
Plötzlich war er wieder da
2024 sorgte Hirscher für eine der größten Überraschungen im Skisport. Nach mehr als fünf Jahren Pause kündigte er sein Comeback im Weltcup an – diesmal für die Niederlande, das Heimatland seiner Mutter.
Im Oktober 2024 kehrte er beim Riesenslalom in Sölden tatsächlich in den Weltcup zurück. Mit Startnummer 34 qualifizierte er sich für den zweiten Durchgang und belegte am Ende Rang 23. Besonders stark war dabei sein zweiter Lauf, in dem er eine der schnellsten Zeiten fuhr.
Es war der Beweis, dass seine technische Klasse auch nach Jahren ohne Weltcuprennen noch vorhanden war. Doch das Comeback dauerte nicht lange.
Comeback mit Hindernissen
Anfang Dezember 2024 riss sich Hirscher beim Training auf der Reiteralm das Kreuzband im linken Knie. Damit war seine Comeback-Saison vorzeitig beendet. Nach der Operation begann eine lange Phase aus Rehabilitation, Therapie und Krafttraining.
Mehr als 1.000 Stunden investierte Hirscher in den Wiederaufbau. Im Sommer 2025 machte er zunächst Hoffnung auf eine Rückkehr. Doch die erneute Saisonvorbereitung verlief nicht wie geplant.
Im Jänner 2026 musste Hirscher schließlich bekannt geben, dass er in der Saison 2025/26 keine Rennen bestreiten würde. Das notwendige Tempo für den Weltcup habe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht. Damit schien ein weiteres Comeback zunächst wieder in weite Ferne gerückt.
Neuer Versuch 2026
Doch Hirscher wäre nicht Hirscher, wenn er sich damit zufriedengeben würde. Am 28. Juni 2026 sprach er in Spielberg erneut über seine Pläne. Sein Knie sei besser geworden, allerdings dauere die Rehabilitation länger als erwartet. Vor allem Kraft und Symmetrie fehlten ihm noch. Seit dem 2. Februar war er nach eigenen Angaben nicht mehr auf Ski gestanden. Trotzdem ist seine Entscheidung klar: Er will es noch einmal versuchen.
„Ich probiere es auf jeden Fall“, erklärte Hirscher. Wenn er ein Startticket bekomme, werde er den Versuch wagen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass ein Comeback noch nicht garantiert ist.
Fans sehen in ihm mehr als nur einen Sieger
Für viele Skifans ist Hirscher deshalb nicht nur ein erfolgreicher Sportler. Er steht für Ehrgeiz, Perfektion und die Fähigkeit, nach Rückschlägen wieder aufzustehen.
Seine Karriere hat bei einer ganzen Generation von Skifahrern und Zuschauern Spuren hinterlassen. Selbst nach seinem Rücktritt blieb sein Name eng mit dem alpinen Skisport verbunden.
Das zeigte sich auch bei seinem Comeback 2024: Die Rückkehr eines fünffachen Weltmeisters und achtfachen Gesamtweltcupsiegers sorgte international für große Aufmerksamkeit.
Was sagen Fachleute über Hirscher?
Auch ehemalige Konkurrenten schätzten Hirscher vor allem wegen seiner außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten. Der frühere US-Skirennfahrer Ted Ligety sprach 2024 über den Salzburger und beschrieb ihn als Fahrer, der während seiner aktiven Karriere in einer eigenen Welt trainiert und gearbeitet habe.
Hirschers Comeback sorgte allerdings nicht nur für Begeisterung. Vor allem die Wildcard-Regel der FIS wurde diskutiert. Hirscher erhielt eine Sonderregelung, die ihm Starts trotz seiner langen Rennpause ermöglichte. Die FIS bestätigte später, dass die verbleibenden Wildcard-Starts aus seiner ersten Comeback-Saison in die kommende Saison übertragen werden.
Damit könnte Hirscher bei einer Rückkehr erneut von besonderen Startmöglichkeiten profitieren.
Die Zukunft ist noch offen
Genau darin liegt heute die Spannung rund um Marcel Hirscher: Er muss niemandem mehr beweisen, dass er einer der besten Skifahrer der Geschichte ist. Acht Gesamtweltcupsiege und 67 Weltcupsiege sprechen für sich.
Trotzdem trainiert der 37-Jährige weiter. Er investiert 20 bis 25 Stunden pro Woche in seine Rückkehr und arbeitet daran, die letzten körperlichen Defizite auszugleichen.
Ob daraus tatsächlich ein neuer Weltcupstart wird, bleibt offen. Hirscher selbst hat am 28. Juni aber deutlich gemacht, dass er noch nicht bereit ist, sein Projekt aufzugeben.
Die kommende WM-Saison 2026/27 könnte deshalb ein weiteres Kapitel in einer außergewöhnlichen Karriere werden. Vielleicht sehen die Fans Marcel Hirscher tatsächlich noch einmal im Starthaus. Und vielleicht geht es für ihn dabei gar nicht darum, wieder der alte Hirscher zu werden.
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