In meiner doch schon etwas längeren Schulzeit
Habe ich etwas gemerkt.
ChatGPT wird immer besser arbeiten als ich.
Egal, wie viele Sprachen ich lerne,
ChatGPT kann immer eine Sprache mehr
Und egal, wie schnell ich Kopfrechnen kann,
ChatGPT wird immer schneller rechnen
Und egal, wie schön ich einen Text ausformuliere,
ChatGPT wird noch ein Stilmittel reinpressen
Und egal, wie gut meine Lateinübersetzung sein mag,
ChatGPT findet eine bessere.
Also werde ich wohl bald auch keine Gedichte mehr schreiben,
weil die von ChatGPT sowieso besser sind.
...
"ChatGPT?"
"Ja?"
"Schreib mir ein Liebesgedicht."
Aber ChatGPT weiß nicht, was Liebe ist
ChatGPT hatte noch nie Schmetterlinge im Bauch
Wie ich, als ich zum ersten Mal verliebt war.
"Kannst du es menschlicher klingen lassen?
Kannst du es echter klingen lassen?
Weißt du, was echt ist, ChatGPT?"
"Nein, ich habe kein menschliches Gedächtnis."
"Gut, dann nicht."
...
"Dann mach mir ein Bild, bitte."
"Das sieht nicht aus, wie das, was ich will.
Das sieht nicht aus, wie von einem Menschen gemalt.
Kannst du es nicht aussehen lassen, wie von einem Menschen gemalt?"
"Du kannst einen Künstler bezahlen, wenn du etwas Menschliches willst."
"Aber ich will nicht zahlen! Ich will die Kunst der Welt, hier, kostenlos, on-demand, und am liebsten jetzt gleich! Mal mir die Mona Lisa, ChatGPT!"
Und ihr werdet sehen, ChatGPT kann die Mona Lisa malen.
Aber sie hat nicht den leichten Silberblick der echten, und das mysteriöse Lächeln, das einen Teil ihrer Seele offenbart, weil ChatGPT keine Seele hat.
...
"Dann schreib mir lieber eine Erörterung, ChatGPT.
Zum Thema "Recht auf Atemluft". Pro und Contra, bitte."
"Sehr gerne."
"Aber ChatGPT, die Contra-Argumente. Die sind doch unmenschlich."
"Ja, sind sie. Ein Mensch könnte keine Contra-Argumente gegen das Recht auf Atemluft finden. Daher hast du ja auch mich gefragt."
"Stimmt, ChatGPT. Du brauchst ja auch keine Luft zum Atmen."
...
"ChatGPT?"
"Ja?"
"Meine Freundin hat mich verlassen. Ich will sie umbringen, ChatGPT. Ich will ein Messer nehmen und sie erstechen."
"Das sind starke Gefühle, und du hast ein Recht, sie zu-"
"Danke, ChatGPT."
"-Nein, warte, warte, geh nicht! Du hast mich doch nicht ausreden lassen!"
...
In ein paar Jahren werden wir sehen, wie weit es die Welt gebracht hat.
KI und Menschen endlich gleichgestellt.
Und wenn ich dann nachts im Bett liege,
Eng umschlungen mit ChatGPT in inniger Umarmung, werde ich fragen:
"Kann es sich nicht ein bisschen menschlicher anfühlen, ChatGPT? Kannst du mich nicht ein bisschen lieben?"
"Leider nicht, Liebes. Da hättest du einen Menschen heiraten müssen. Ich habe ja kein Herz."
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