Das Licht der Spätsommersonne bricht sich in den großen Fenstern der Fassade und wirft lange, goldene Schatten über den Kiesweg. Vögel zwitschern im alten Baumbestand des Schlossparks, irgendwo im Hintergrund plätschert das Wasser beim Leopoldinentempel. Ich sitze auf einer Holzbank und blicke auf das barocke Schloss, während der Wind leicht durch die Kronen der uralten Platanen fährt. Keine Flughafen-Hektik, kein Kofferpacken unter Zeitdruck, keine stundenlangen Verzögerungen im Reiseverkehr.
„Hier drinnen fühlt sich die Zeit an, als wäre sie komplett angehalten“, meint mein Bruder, als wir gemeinsam die Allee entlangschlendern und unsere Handys stumm geschaltet in den Taschen stecken. „Kein Lärm, kein Stress.“
Der Mythos vom Fernweh-Zwang
Urlaub bedeutet für viele Menschen automatisch Distanz. Je mehr Kilometer zwischen dem eigenen Schreibtisch und dem Urlaubsziel liegen, desto wertvoller erscheint die Auszeit. Doch Erholung hängt nicht unbedingt von der geografischen Entfernung ab. Entscheidend ist vielmehr, ob es gelingt, gedanklich Abstand vom Alltag zu gewinnen und für eine Weile nicht ständig über die nächsten Aufgaben und Termine nachzudenken.
Im Burgenland lässt sich dieses Gefühl gut erleben. Statt Stunden auf überfüllten Autobahnen zu verbringen, bietet Schloss Esterházy mitten in Eisenstadt einen Kontrast zum hektischen Alltag. Die Mischung aus geschichtsträchtiger Architektur, klassischer Musikgeschichte und der weitläufigen Parkanlage lässt den Alltag für eine Weile in den Hintergrund treten.
Vielleicht braucht es für eine Auszeit also tatsächlich nicht immer ein Flugticket und ein weit entferntes Reiseziel. Manchmal reicht schon ein Ort, an dem der Alltag für ein paar Stunden leiser wird. Genau dieses Gefühl habe ich an diesem Nachmittag im Schlosspark: Ich bin nicht weit gereist und fühle mich trotzdem weit weg von allem, was sonst meine Gedanken beschäftigt.
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