„Wir sitzen direkt an der Quelle.“ Mit diesen Worten eröffnet Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl das Österreichische Schüler*innenparlament. Applaus erfüllt den Saal, während der nächste Redner zum Mikrofon tritt. Debatten und Abstimmungen folgen. In den Bänken des österreichischen Parlaments sitzen an diesem Tag keine Nationalratsabgeordneten, sondern Schülervertreter aus ganz Österreich. Beim Österreichischen Schülerinnenparlamnt (ÖSIP) diskutieren sie über Bildungspolitik, bringen eigene Anträge ein und zeigen, wie demokratische Mitbestimmung bereits in jungen Jahren funktionieren kann.
Politik (be)trifft Jugend
Bereits zu Beginn wurde klar, dass das Interesse an politischer Mitbestimmung groß ist. Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl begrüßte die engagierten Jugendlichen und alle Gäste anfänglich mit einer kurzen Rede. Dabei betonte sie später im Interview, dass Schülerinnen und Schüler direkt von politischen Entscheidungen betroffen seien und deshalb stärker mitreden sollten. Auch Vertreter verschiedener Parteien waren anwesend. Während der Rede von Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) drehten ihm einige Teilnehmer demonstrativ den Rücken zu. Dies zeigte, dass auch die Jugend klar hinter politischen Haltungen steht und das auch deutlich macht.
Auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr war anwesend, er war selbst einst Schulsprecher in Salzburg. Er besuchte die Veranstaltung, sprach mit der Jugend und hielt eine kurze Rede. Dann kam es zu einer Fragerunde mit Abgeordneten des Nationalrats. Sie bekamen jeweils zwei kurze Fragen gestellt. Manche Politiker verabschiedeten sich nach ihrer Wortmeldung, andere blieben länger und hörten sich noch einige Debatten der Jugend an.
Debatten über die Schule von morgen
Besonders intensiv wurde über die Zukunft des Bildungssystems diskutiert. Der Leitantrag der Bundesschülervertretung beschäftigte sich mit einer Vereinheitlichung der Matura-Hilfsmittel. Allgemein sahen die Sprecher und Sprecherinnen ein großes Problem bei der Handhabung der Matura. Die Anträge befassten sich mit Themen wie Künstliche Intelligenz, Probleme mit dem Stundenplan, Antifaschismus, Demokratie, Vorbereitung auf das spätere Leben oder Inklusion.
Wir haben uns auch gefragt wie die Anträge überhaupt eingereicht werden und wer entscheidet welcher Antrag zuerst besprochen wird. Die Sprecher haben uns erklärt, dass das ganze schon fast nach einem „First come, first serve“ Prinzip abläuft. Man hätte ab 0 Uhr die Möglichkeit, seinen Antrag online auf einer Website abzugeben.

Wer am schnellsten abgegeben hat, kommt als Erstes dran. Die auf der ÖSIP besprochenen und genehmigten Anträge werden dann weitergeleitet zu höheren politischen Ämtern und dort weiterhin diskutiert. Manche Anträge dienen zudem als offizielle Positionierung der Bundesschülervertretung zu bestimmten Themen. Die Anträge, die Aufgrund von Zeitmangel nicht besprochen werden, verfallen einfach.
Engagement durch Erfahrung
In Gesprächen mit Teilnehmern wurde uns deutlich, dass viele durch persönliche Erfahrungen zur Schülervertretung gekommen sind. Eine Schülerin aus Kärnten erklärte, ihre Motivation sei gewesen, „eine Stimme für diejenigen zu sein, die keine haben“. Eine Andere berichtete von einem Konflikt an seiner Schule, bei dem sie gemerkt habe, dass man als Schulsprecher mehr bewirken könne als als einzelner Schüler.
Trotz unterschiedlicher Hintergründe waren sich viele einig: Die Möglichkeit, tatsächlich etwas verändern zu können, motiviert sie zum Engagement. Gleichzeitig lobten zahlreiche Teilnehmer den respektvollen Umgang während der Debatten. „Es ist einfach schön zu wissen, dass unsere Stimmen doch etwas bewegen können“, erklärte eine Teilnehmerin.
Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl: Mehr Mitbestimmung ist essenziell
Warum braucht es überhaupt eine Schülervertretung und Veranstaltungen wie das Österreichische Schülerinnenparlament? Für Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl ist die Antwort klar: Schülerinnen und Schüler seien jene Personen, die jeden Tag in die Schule gehen und daher unmittelbar von bildungspolitischen Entscheidungen betroffen sind. Gerade deshalb sei es wichtig, ihre Anliegen würden nicht nur von Lehrkräften oder Eltern vertreten, sondern dass sie selbst mitreden können.
Auf die Frage, ob Jugendliche derzeit ausreichend Mitbestimmungsrechte hätten, fällt ihre Antwort differenziert aus. Zwar habe sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert, dennoch gebe es weiterhin Nachholbedarf. Die Bundesschülervertretung sei derzeit lediglich ein beratendes Organ. Entscheidungen würden somit nicht von den Schülerinnen und Schülern selbst getroffen. Scheidl fordert daher eine stärkere Einbindung junger Menschen in politische Prozesse.
Besonders beschäftigen die Schüler laut Scheidl Themen, die ihre Zukunft betreffen. Das österreichische Schulsystem sei in vielen Bereichen nicht mehr zeitgemäß und bereite Jugendliche oft nicht ausreichend auf Studium und Arbeitswelt vor. Deshalb setzt sich die Bundesschülervertretung unter anderem für eine Modernisierung der Oberstufe, mehr individuelle Wahlmöglichkeiten und eine Reform der Matura ein. Als wichtigste konkrete Veränderungen nennt Scheidl die Einführung einer modularen Oberstufe, ein flexibleres Zeitsystem sowie die Vereinheitlichung der Matura-Hilfsmittel.
Bereit für Verantwortung
Als die letzten Debatten enden und sich der Plenarsaal langsam leert, bleibt vor allem ein Eindruck zurück: Die Jugendlichen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Das Österreichische Schülerinnenparlament zeigte eindrucksvoll, dass Jugendliche bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv an demokratischen Prozessen zu beteiligen. Die sachlichen Diskussionen, das große Interesse der Teilnehmer und die Vielzahl an eingebrachten Ideen machten deutlich, dass junge Menschen nicht nur gehört werden wollen – sie möchten die Zukunft ihrer Schulen aktiv mitgestalten. Das ÖSIP bietet ihnen dafür eine wichtige Plattform.
Kommentare