„Ich nehme einen Virgin Mojito“, sagt Elias (17), als er sich mit Freunden in einer Bar in Wien trifft. Limette, Minze, Rohrzucker, Soda und Crushed Ice statt Rum. Früher hätte er vielleicht ein Bier bestellt. Heute greift er meistens zu einem alkoholfreien Drink.
„Ich trinke deutlich seltener Alkohol als viele Erwachsene. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, bestelle ich oft einen alkoholfreien Cocktail oder ein 0,0 Bier. Für mich geht es ums Zusammensein und nicht darum, betrunken zu werden“, erzählt er.
Mit dieser Einstellung gehört Elias längst nicht mehr zu einer Ausnahme. Laut einer aktuellen Studie greifen bereits 22 Prozent der Menschen in Österreich regelmäßig zu alkoholfreien Alternativen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Jugendlichen, die noch nie Alkohol getrunken haben, innerhalb der vergangenen zwanzig Jahre vervierfacht.
Gesundheit wird wichtiger
Viele Jugendliche beschäftigen sich heute mit Fitness, Mental Health oder Longevity. Auf TikTok und Instagram zeigen Influencer ihre Morgenroutinen, Sportprogramme und Ernährungstipps. Alkohol passt für viele immer weniger zu diesem Lebensstil.
Diese Entwicklung spüren inzwischen auch Restaurants, Bars und Produzenten.
Immer mehr Wein ohne Promille
Seit zwei Jahren bietet das Wiener Weingut Mayer am Pfarrplatz alkoholfreien Wein und Sekt an. Dafür wird dem Wein nach der Herstellung der Alkohol durch eine Vakuumdestillation entzogen.
„Das größte Hindernis ist eigentlich, dass wir in Österreich noch keine Entalkoholisierungsanlage haben. Wir müssen den Wein nach Deutschland führen, dort wird er entalkoholisiert, kommt dann wieder zurück und wird hier abgefüllt“, erklärt Thomas Podsednik vom Weingut Mayer.
Auch Fachgeschäfte reagieren auf den Trend. Das Wiener Geschäft „kein & low“ verkauft rund 120 alkoholfreie Getränke, die Wein, Bier oder Spirituosen geschmacklich möglichst nahekommen.
Geschäftsführer Lucas Matthies beobachtet eine starke Nachfrage. Rund die Hälfte der Wiener Sternerestaurants arbeitet bereits mit seinem Geschäft zusammen.
Unsere Lieblingsdrinks verändern sich
Niko (18) aus Niederösterreich bestellt am liebsten ein alkoholfreies Weizenbier oder einen Ipanema, einen Cocktail aus Limette, Rohrzucker, Maracujasaft und Ginger Ale.
„Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht, alkoholfreie Getränke sind langweilig. Heute gibt es so viele gute Alternativen, dass ich kaum einen Unterschied merke. Außerdem fühle ich mich am nächsten Tag einfach besser und kann trotzdem einen coolen Abend haben.“
Ob Virgin Mojito, Ipanema, alkoholfreier Spritz, 0,0-Bier oder Wein ohne Alkohol. Die Auswahl wächst jedes Jahr.
Vielleicht wundern sich manche Bierbrauer und Winzer noch über sinkende Verkaufszahlen. Wer einen Abend mit Elias oder Niko verbringt, bekommt schnell einen Teil der Antwort. Für viele von uns steht längst der Geschmack und die gemeinsame Zeit im Mittelpunkt. Alkohol spielt dabei immer seltener die Hauptrolle.
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