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Brauchen wir noch ein eigenes Auto? Oder ist car sharing einfach besser?

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29.09.2026
5 Min.

Carsharing statt eigenem Auto. Oder bleibt das eigene Auto unverzichtbar? Während Carsharing-Angebote vor allem in Städten immer sichtbarer werden, bleibt das eigene Auto für viele ein wichtiger Teil des Alltags. Ich habe zwei Jugendliche gefragt, wie sie über die Zukunft des Autofahrens denken.

Das Ende des eigenen Autos: Ist Carsharing die Zukunft? (Foto: shutterstock)

Wie sieht Mobilität in Zukunft aus? Braucht dann noch jeder ein eigenes Auto oder reicht es, eines zu buchen, wenn es gerade gebraucht wird? Um das herauszufinden, habe ich zwei 17-Jährige gefragt, wie sie darüber denken: Jonas lebt außerhalb von Wien und ist regelmäßig mit dem Auto unterwegs. Mia wohnt in Wien und fährt im Alltag hauptsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Schon im Gespräch wird klar, wie unterschiedlich ihre Erfahrungen sind.

„Wenn ich ein Auto habe, kann ich jederzeit losfahren“, sagt Jonas. Für ihn bedeutet ein eigenes Auto vor allem Freiheit. Er fährt regelmäßig mit seiner Familie und erlebt im Alltag, wie praktisch es sein kann, einfach einzusteigen und loszufahren.

Mia sieht das anders. Sie braucht in Wien meistens gar kein Auto. „Ich finde es eigentlich unnötig, ein Auto das ganze Jahr zu bezahlen, wenn man es nur manchmal braucht“, sagt sie.

Zwei Jugendliche, zwei Lebensrealitäten und damit auch zwei ziemlich unterschiedliche Vorstellungen davon, wie wir uns in Zukunft fortbewegen werden.

„Ein eigenes Auto bedeutet Freiheit“

Jonas kennt die Vorteile eines eigenen Autos aus seinem Alltag. Wenn er am Wochenende Freunde besucht oder mit seiner Familie irgendwohin fährt, wird meistens das Auto genommen.

„Das ist einfach spontan und unkompliziert“, sagt er.

Gerade außerhalb der Stadt ist diese Flexibilität für ihn wichtig. Wenn er zur Arbeit, zur Ausbildung oder zum Sport fahren müsste, möchte er nicht zuerst überprüfen müssen, ob irgendwo ein Carsharing-Auto verfügbar ist.

Auch der Zeitdruck spielt für ihn eine Rolle.

„Ich muss nicht zuerst schauen, ob ein Carsharing-Auto verfügbar ist oder ob ich es rechtzeitig zurückbringen kann.“

Für Jonas ist das eigene Auto deshalb nicht einfach ein Fahrzeug, sondern eine Möglichkeit, unabhängig zu sein. Er kann losfahren, wann er möchte, und muss sich nicht danach richten, ob ein anderes Fahrzeug gerade verfügbar ist.

„Warum ein Auto besitzen, das die meiste Zeit steht?“

Mia hat einen ganz anderen Alltag. Sie wohnt in Wien und verwendet meistens U-Bahn, Bus oder Fahrrad. Ein eigenes Auto würde für sie deshalb vor allem bedeuten, regelmäßig Geld für etwas auszugeben, das sie nur selten braucht.

„Ich finde es eigentlich unnötig, ein Auto das ganze Jahr zu bezahlen, wenn man es nur manchmal braucht“, erklärt sie.

Carsharing hat sie bereits in ihrem Umfeld erlebt. Ein Freund ihrer Familie hat einmal für einen Samstag ein Carsharing-Auto gebucht, weil er einen größeren Einkauf machen wollte.

Die Buchung über die App war schnell erledigt. Das Auto war nur wenige Minuten entfernt.

Mia fand vor allem praktisch, dass nur für die tatsächliche Nutzung bezahlt wurde. Um Versicherung, Service oder Reparaturen muss sich die Nutzerin oder der Nutzer eines Carsharing-Autos nicht selbst kümmern.

Ganz ohne Einschränkungen funktioniert das System allerdings nicht. Das Auto muss verfügbar sein und rechtzeitig zurückgebracht werden. Wer spontan losfahren möchte, kann deshalb nicht immer sicher sein, dass gerade ein Fahrzeug in der Nähe wartet.

Für Mia ist das trotzdem kein Grund, ein eigenes Auto zu besitzen.

Was kostet die Freiheit?

Während unseres Gesprächs kommen wir deshalb auch auf eine Frage, die bei der Mobilität oft eine große Rolle spielt: Was kostet die jeweilige Lösung eigentlich?

Ein eigenes Auto verursacht nicht nur beim Kauf Kosten. Versicherung, Treibstoff, Wartung, Reifen und Wertverlust kommen regelmäßig dazu. Der ÖAMTC berücksichtigt bei seinen Berechnungen verschiedene dieser Kostenfaktoren.

Beim Carsharing bezahlt man dagegen hauptsächlich für die tatsächliche Nutzung. Bei WienMobil Auto beginnen die Tarife laut Wiener Linien bei drei Euro pro Stunde. Je nach Tarif kommen Kosten für die gefahrenen Kilometer dazu.

Damit hängt die Entscheidung stark davon ab, wie oft jemand ein Auto benötigt.

Wer jeden Tag lange Strecken fährt, hat andere Voraussetzungen als jemand, der einmal im Monat ein Auto für einen größeren Einkauf oder einen Ausflug braucht.

Genau hier unterscheiden sich auch Jonas und Mia. Jonas ist regelmäßig auf das Auto angewiesen und schätzt deshalb die Möglichkeit, jederzeit loszufahren. Mia kann in ihrem Alltag viele Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zurücklegen.

Verschwindet das eigene Auto?

Ob das eigene Auto deshalb irgendwann ganz aus unserem Alltag verschwindet, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Ende 2025 waren in Österreich rund 5,29 Millionen Pkw zugelassen. Gleichzeitig gibt es vor allem in Städten immer mehr Möglichkeiten, ein Auto nur dann zu nutzen, wenn es tatsächlich gebraucht wird.

Für Jonas spricht diese Entwicklung nicht gegen das eigene Auto.

„Ich glaube, dass viele Leute weiterhin ein eigenes Auto haben wollen, weil sie einfach unabhängig sein möchten.“

Mia glaubt dagegen, dass sich das Verhältnis zum Autobesitz verändern könnte.

„Ich glaube nicht, dass in Zukunft jeder ein eigenes Auto braucht. Wenn die Angebote besser werden und man einfach ein Auto buchen kann, wenn man es braucht, könnte Carsharing für viele Menschen reichen.“

Zwei Möglichkeiten für die Zukunft

Während unseres Gesprächs wird allerdings auch klar: Die Frage nach dem eigenen Auto lässt sich nicht für alle Menschen gleich beantworten.

Wer in Wien lebt, hat andere Möglichkeiten als jemand, der außerhalb einer größeren Stadt wohnt. In Städten können U-Bahn, Bus, Fahrrad, Zug und Carsharing miteinander kombiniert werden. Auf dem Land sind die Wege häufig länger und öffentliche Verkehrsmittel nicht überall so gut verfügbar.

Jonas und Mia haben also nicht nur unterschiedliche Meinungen. Sie leben auch unter unterschiedlichen Bedingungen.

Für Jonas gehört das Auto zu einem Alltag, in dem spontane Fahrten und längere Wege dazugehören. Mia kann viele ihrer Wege erledigen, ohne selbst ein Auto zu besitzen.

Vielleicht wird das eigene Auto deshalb auch in Zukunft nicht einfach verschwinden. Vielleicht wird sich vielmehr verändern, wie oft wir ein Auto tatsächlich besitzen müssen.

Muss ein Auto mir gehören?

Am Ende unseres Gesprächs bleibt für mich deshalb eine andere Frage hängen.

Vielleicht geht es bei der Mobilität der Zukunft gar nicht darum, ob das eigene Auto komplett verschwindet. Spannender ist die Frage, ob wir überhaupt noch eines besitzen müssen, um flexibel zu sein.

Jonas würde diese Frage heute wahrscheinlich mit Ja beantworten.

Mia eher mit Nein.

Und vielleicht wird die Zukunft irgendwo dazwischen liegen: Manche Menschen werden weiterhin ihr eigenes Auto vor der Tür stehen haben. Andere werden U-Bahn fahren, Fahrrad fahren oder sich bei Bedarf ein Auto buchen.

Entscheidend könnte am Ende weniger sein, wem das Auto gehört, sondern ob wir damit dann tatsächlich dorthin kommen, wo wir hinwollen.

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